Oskar Zwintscher – Der Tote am Meer

 

Während die „guten Frauen“ auf den ersten Blick klischeehaft erscheinen, sind die Bilder der „bösen Frauen“ sämtlich geheimnisvoll, voller Widersprüche, durch die sei eine unmittelbare Spannung entfalten.

 

Hier ist es Oskar Zwintschers „Der Tote am Meer“ aus dem Jahr 1913, der die größte Anziehungskraft auf mich ausübt.

Eine, in ein langes Gewand gehüllte Frau, betrachtet einen nackten, leblosen Männerkörper am Strand. Während der Mann mit dem Sand zu verschmelzen scheint, setzt sich das Blau des Horizonts in der Kleidung der Frau fort. Die Frau wirft einen minimalen seitlichen Schatten auf den Mann, der noch nicht alt zu sein scheint. Obwohl sein rötliches Haar sich bereits zu lichten beginnt. Das Gesicht der Frau ist dem Mann zugewandt und somit für den Betrachter nur teilweise zu erkennen. Die Frau trauert nicht, ihr Blick verrät auch keine Neugier. Mir erscheint er andächtig. Eher in sich und das Wunder des Lebens als in den toten Körper versunken.

Das allein, sowie ihre Verhüllung durch die Kleidung und die vor der Brust verschränkten Arme, genügt aber nicht, um ihr Geheimnis zu erklären. Fast scheint dieses Bild auszusagen, dass es nicht der Tod ist, der rätselhaft ist, sondern vielmehr das Leben. 

 

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14 Gedanken zu “Oskar Zwintscher – Der Tote am Meer

  1. schön beschrieben. das bild ist auch wegen seiner linienführung überraschend und spannend. für mich ist hier auch eigenmacht abgebildet und eine art einheit mit dem leben. lebendigkeit. eine metapher auf leben und tod. wie viel sie mit den geschlechtern zu tun hat?

    kannst du mir sagen, wir du das mit „guten“ und „bösen“ frauen gemeint hast? vielleicht habe ich etwas verpasst?

    ich nehme diese frau hier sehr ganzheitlich wahr. in ihrer lebendigkeit „gut“ und „böse“, eben alles was leben bedeutet in sich vereinend.

    den künstler kannte ich nicht. muss ich mal recherchieren.

    danke, ich bin beeindruckt!

  2. Was mich auf Anhieb bewegt, ist der Stillstand auf diesem Bild. Der Tote wirkt wie von Geisterhand dort abgelegt, die Frau wie auf einem Standbild in dieser sich abschirmenden Bewegung gefangen. Kurz bevor sie sich abwenden und aus dem Bild schreiten würde, vielleicht. Eine Ruhe wie nach einem großen Sturm.

    1. Stimmt. Der Stillstand hat mich auch angezogen, und sehr an Max Klinger mit dem Spaziergang erinnert. Aber wie gesagt, das Bild ist sehr schlecht wiedergegeben. Und der ausgewählte Link war noch der Beste, den ich finden konnte.

  3. tolles bild, symmetrisch komponiert – und du hast es aus meiner sicht wunderbar interpretiert.
    mir erscheint die frau sehr groß und mächtig, der männerkörper eher klein und schmächtig.
    auf das leben!
    danke für die feinen kunsterlebnisse hier auf deinem blog, liebe mützenfalterin, herzlich, diana.

  4. Unwillkürlich muss ich mir vorstellen, wie sie sich schon immer nach diesem Fremden gesehnt hat, obwohl sie ihn nicht kannte. Wieviele Gesichter hatte er in ihren Träumen? Und dann ist er da, greifbar vor ihr und ist tot.

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