Sascha Schneider – Triumph der Finsternis

Bekannt ist Sascha Schneider für seine Illustrationen der Karl May Bände geworden. Das wusste ich allerdings nicht, als mich sein Bild in der Ausstellung „Geheimnis und Schönheit“ in seinen Bann schlug, und danach war es eine Information mit der ich wenig anfangen konnte, weil sie nichts mit diesem Bild zu tun hatte.

 

 

Das Gemälde „Triumph der Finsternis“, aus dem Jahr 1896, befindet sich im oberen Teil der Ausstellung, dem Bereich, der sich den dunklen Mächten widmet.

 

Luzifer sieht nachdenklich aus, müde. Als hätte die Finsternis nicht nur über das Gute in Gestalt von Jesus, sondern zugleich über ihn selbst triumphiert. Die Haltung mit der er Jesus Leichnam betrachtet, drückt keine Trauer aus, ist aber auch weit entfernt von Genugtuung. Auf dem Lendenschurz Luzifers befindet sich eine männliche Gestalt, die die Arme wie um einen Segen auszusprechen, ausbreitet.

 

 

Beide Männer sind schön. Sehnige, unbehaarte Körper. Luzifer scheint ein wenig älter als Jesus. Sein Gesicht ist deutlich dunkler als sein restlicher Körper. Trotz der schwarzen Flügel wirkt Luzifer weder bedrohlich, noch als könne er abheben. Ein geerdeter Mann, der einen Triumph hinnehmen muss, den er nicht angestrebt hat. Einer, der gleichsam in seinem eigenen Schatten zu stehen scheint.

 

 

Und Jesus?

 

Er liegt im Licht. Nicht einmal der vor ihm thronende Luzifer mit seinen gewaltigen gespreizten Flügeln wirft Schatten auf ihn. Seine Augen sind geschlossen. Der Gesichtsausdruck weder leidend noch erlöst, er schläft. Obwohl er die Dornenkrone noch trägt, sind seine Wunden dezent, nur winzige Spuren von Blut deuten auf das Martyrium hin, dass er vor kurzer Zeit durchlitten hat. Diese winzigen Spuren jedoch sind exponiert, während Luzifer ganz schwarz und weiß gezeichnet ist, benutze Schneider für Jesu Male und Blutspuren die Farbe rot, die sich sonst lediglich in der Zeichnung des Himmels wiederfindet.

 

 

Aber all diese Einzelheiten erklären noch nicht, warum mich dieses Bild eines Künstlers, dessen restliche Werke mir nichts sagen, dermaßen anzieht.

 

 

Leider durfte ich diesmal nicht fotografieren, daher dieser Link, um sich das Bild anzusehen.

 

 

 

 

 

 

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9 Gedanken zu “Sascha Schneider – Triumph der Finsternis

  1. Ja, dieses Bild, dieses magische Bild. Aber eigentlich ist es für mich Luzifer, der hier magisch ist. Wie du sagtest, wirkt er nicht böse, nicht glücklich über diesen Sieg. Das macht ihn für mich hinnehmbar. Und das ist ein wenig erschreckend.

    1. du hast Recht, das magische Moment geht von Luzifer aus. Und das Erschrecken teile ich mit Dir.
      Es ist auch wirklich merkwürdig, dass ausgerechnet dieses Bild, das wirklich viel aussagestärker und vor allem faszinierender (vielleicht auch verstörender) als viele der übrigen Bilder ist, einen sehr versteckten Platz in der Ausstellung hat, ganz hinten, nahe bei den Toiletten…

  2. Bei Karl May gibt es auch oft schöne Männer. Ein wenig Theater, was gut zum Verfilmen ist.
    Da betritt man Zwischenwelten, da Illustration, designähnliches Arbeiten nicht fern sind.

    1. Bei Sascha Schneider findet man allgemein schöne Männer. Ich möchte auch nix gegen Karl May sagen, schließlich habe ich nie etwas von ihm gelesen, nur die üblichen Filme gesehen, aber das ist schon etwas grundsätzlich anderes als dieses Bild.

  3. Danke für Deine schöne Beschreibung. Ein paar Details sind virtuell betrachtet dann doch nicht so gut erkennbar. Vielleicht liegt es daran, dass Luzifer für mich durchaus eine gewisse Befriedigung ausstrahlt. Aber die Begegnung der beiden auf dem Bild dargestellten Mächte ist ja eine für die Ewigkeit, was die unglaubliche Spannweite der Flügel einerseits und die Tatsache, dass der Gekreuzigte in seiner Lichtgestalt immer noch unantastbar wirkt, für mich symbolisieren. Wenn überhaupt, dann ist es eben nur ein Etappensieg, den Luzifer hier errungen hat, und das weiß er vermutlich. Ich kann mir die magische Anziehungs- und Leuchtkraft des Bildes in natura gut vorstellen.

    1. Die Ausstrahlung des Bildes wird auf dem Foto (und das ist noch das beste, das ich im Netz finden konnte) so gut wie gar nicht wiedergegeben. Andererseits ist meine Beschreibung naturgemäß höchst subjektiv und sagt vermutlich mehr über mich, als über das Bild an sich. Interessant finde ich, dass Du diese Befriedigung bei Luzifer siehst, das ganze dann aber relativierst, indem Du es als Etappensieg betrachtest. Vermutlich kann niemand von uns das Bild jenseits der anerzogenen christlichen Wertesozialisation beschreiben und bewerten…
      Vielen Dank für Deine Gedanken dazu.

  4. deine interpretation dieses bildes finde ich sehr spannend!
    aber auch ich sehe das bild etwas anders …
    für mich personifiziert hier die gestalt mit den mächtigen schwingen (luzifer, satan) die finsternis. seine haltung finde ich durchaus lässig, mächtig, triumphierend – und der blick wirkt auf mich am ehesten – höhnisch.
    aber ganz sicher wirkt das bild am bildschirm ganz anders als in natura.
    herzlich,
    diana

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