Knusperhäuschen

 

Ich habe so vieles geglaubt

 

Damals

 

Als ich das Kratzen des Bleistifts

 

Auf dem Papier

 

Für eine Selbstverständlichkeit hielt

 

Als ich glaubte

 

Gedichte wachsen den Dichtern aus den Händen

 

Wie Bäume Blätter verlieren

 

Und wer als Tanne geboren wird

 

Kann sich immer noch auf Weihnachten freuen

 

 

Später

 

Als man mir den Glauben ausgetrieben hatte

 

Wie einen guten Geist

 

Der sich in keine Flasche sperren lässt

 

Als ich nichts mehr suchte

 

Außer dem Boden unter meinen Füßen

 

Dachte ich immer noch einiges

 

 

Ich dachte an Tauben

 

Und ihren Flügelschlag

 

Ich dachte an

 

Spielende Kinder

 

Ich dachte ich könnte so tun

 

Als würde ich mit den Ohren Bilder malen

 

In jedermanns Gesicht

 

Ohne dass mich jemand hört

 

 

Ich habe mir so vieles vorgestellt

 

Auch später noch als ich das Vertrauen verloren hatte

 

Und ich den Weg zurück nicht fand

 

Weil ich statt Kieselsteinen eine Spur aus Worten gelegt hatte

 

Mit der ein paar alte Damen Scrabble spielten

 

Ich verirrte mich

 

Im dichten Wald

 

Es war so dunkel

 

Und ach so bitter kalt

 

 

Es ist nicht so dass mich niemand gewarnt hätte

 

Aber ein Haus ist immer noch ein Haus

 

Und dieses war dekoriert mit zuckersüßen Worten

 

Bunt kandiert und klebrig

 

Warum hätte ich nicht eintreten sollen

 

Nichts hielt mich zurück

 

Ich hatte ja nicht einmal mehr einen Glauben

 

Oder festen Boden unter meinen Füßen

 

Schreib Dich ein sprach die Hexe

 

Und zückte die Feder

 

Als ich erst über die Schwelle getreten war

 

Gab es kein Zurück mehr

 

(veröffentlicht zuerst 2009 in der Manuskripte)

 

 

 

 

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10 Gedanken zu “Knusperhäuschen

  1. Ja, es fließt. Am Ende hatte ich das Gefühl, es mündet in eine Art Faustschen Pakt, der einem vielleicht das Wiedererlangen des Bodens unter den Füßen verspricht, der aber auch so was wie einen Tribut erahnen lässt.

  2. dieser text wirkt wie aus den fingern, aus der feder, aus dem herz geflossen, aus einem guss. stimmig. kompakt. konzentriert. und vor allem: trotz der desillusion, der erwähnten, wirkt er auf mich hoffnungsvoll. hinter der illusion scheint eine offene türe, eine ganz unerwartete, zu warten … offen. frei von vorstellungen.

  3. Ja genau. Dichter tauschen nicht mit dem Teufel Musenküsse gegen Seele und unterschreiben mit ihrem eigenen Blut;
    Dichter tauschen ihren Kopf gegen Wörter bei Baba Jaga und unterschreiben mit ihrem eigenen Verstand.
    Ja, genau..

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