14. Mai

Diese Taube, die zwei Tage nacheinander morgens auf meinem Fensterbrett gesessen hat, um mir beim Aufwachen zuzusehen, hat meine Abneigung gegen Tauben erschüttert. Es ist einfach eine abstrakte Menge abzulehnen, fühlt man sich von einem Individuum aus dieser Masse persönlich angesehen, ändert sich alles.

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10 Gedanken zu “14. Mai

  1. so ist es mit rassismus doch immer?
    er gründet auf klischees und macht aus der nervigen eigenschaft einzelner oder kleingruppen ganze völker schlecht.

    peinlicherweise sind in der schweiz zum beispiel „die deutschen“ noch immer global unbeliebt. aber die deutsche freundin, der deusche nachbar, die deutsche arbeitskollegin (deine taube am fenster) – die werden alle heiss geliebt. (ich gestehe, ich war leider „früher“ auch so, shameonme …)

  2. Ich habe zu meinen Schülerinnen manchmal gesagt, wenn sie meinten, mit zeitgenössischer Kunst nichts anfangen zu können: „stellt euch vor, euer Freund steht im Nebenzimmer und malt.“ Zerteilen, wenn man Gruppen pauschal ablehnt. Krass war das auch nach dem Krieg, wenn Mädels sich in Besatzer verliebt hatten und deswegen Schwierigkeiten bekamen.
    Ich habe auch ein Vorurteil gegenüber Tauben, als Studentin ist mir ihr ewiges Gegurre auf die Nerven gefallen und ihr Gruppenverhalten auch, das sich genau vor meinem Fenster auf dem gegenüberliegenden Dach abspielte.

  3. Mir fällt spontan dazu ein Satz von Schiller ein:
    „Ehret ihr immer das Ganze, ich kann nur Einzelne achten,
    Immer in Einzelnen nur hab ich das Ganze erblickt.“
    Friedrich Schiller, ‘Das Ehrwürdige’ 1796
    Ein guter Post ist das. Danke.

  4. Wie schön. Tauben wecken so einige zwiespältige Erinnerungen in mir, aber je mehr ich mich über den einen oder anderen Vertreter dieser Vogelfamilie freuen kann, um so versöhnter fühle ich mich.

  5. Ja, genauso ist das ist. Vorurteile weichen auf, lernt man ein Wesen persönlich kennen.
    Gegen Tauben wird sehr polemisch argumentiert à la „Ratten der Lüfte“, Salmonellenträger und -verbreiter, das setzt sich fest im Kopf. Andererseits lockt man die Tiere an vielen Orten extra mit Futter an – sehr widersprüchlich.

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