Friedhöfe

Friedhof in Las Palmas
Friedhof in Las Palmas

Was sucht man auf einem Friedhof? Die Verletzungen im Marmor (das ist nicht von mir, sondern von der wunderbaren Valeria Luiselli), einen lebendigen Menschen Einen Spiegel? Eine Erinnerung? Trost?

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12 Gedanken zu “Friedhöfe

  1. wo sich der tod
    einfärbt und ausfärbt
    im rhythmus der zeit

    abgeregnete blüten
    verholzter schmerz
    und steine

    /aber was wissen die schon
    und wenn sie was wüssten/

    sie geben nichts ab
    als wärme und kälte
    /und nur leihweise/

    aber auch das, immerhin
    etwas

    mk, 05/13

    1. das eben ist die frage, die ich mir stelle; suchen wir, begegnen wir tatsächlich der vergangenheit, oder einer neuen gegenwart, einer, in der etwas fehlt, das dennoch anwesend ist…

  2. Das Fassbare (und dazu noch die Begründung für die eigene Trauer). So lange wir den Körper unter der Erde wissen, können wir sagen: Es hat diesen Menschen gegeben, es hat ihn wirklich gegeben. Das tröstet. Und der Ort sagt: Er lebt nicht mehr auf bekannte Art. Und das gibt mir eine Erklärung für meine eigene Trauer, für das Verlassensein. Das erklärt, und das macht traurig. Und Erklärungen können uns stützen und uns aber auch in die Trauer weiter hinein stürzen.

    1. das da wenigstens ein körper ist, von dem man abschied nehmen kann, ist in der tat ein trost, so verrückt es klingen mag. ich stelle mir das trauern, den ganzen prozess des abschieds unvergleichlich schwieriger vor, wenn der tod nur auf dem papier kommt, wenn kein körper gefunden wird, kein körper da ist, von dem man abschied nehmen und den man bestatten kann.
      das ist ein aspekt, den ich so noch nie mit friedhöfen in verbindung gedacht habe. was mir jetzt, nachdem du es erwähnt hast, völlig unverständlich erscheint.

  3. Nähe? Als Lebende sind wir dem Körperlichen verhaftet, und der Friedhof ist zumindest ein Ort, wo noch etwas von dem Verstorbenen da ist, während sich alles andere nur schwer fassen lässt. Zumindest in der ersten Zeit, wenn der Tod, in seiner ganzen Dimension, so schrecklich abstrakt erscheint, dass er sich nicht denken lässt. Da hilft es, diese letzte Ruhestätte zu haben. Nur mir persönlich wäre ein Schrein in der eigenen Wohnung, wie ihn die Japaner pflegen, lieber. Oder in Österreich: Dort kann man die Urne, wenn man einen eigenen Raum dafür hat, meines Wissens mit nach Hause nehmen. Aber die strenge Reglementierung des Todes in unserem Land ist, na ja, ein anderes Thema und ein Kapitel für sich.

    1. Davon abgesehen liebe ich Friedhöfe, vor allem die alten, verfallenen, und Dein Foto finde ich sehr schön. Ist das eine Urnenwand? Man sieht jedenfalls auf den ersten Blick, dass es eine Grabstätte in einem anderen Land ist.

      1. Es ist der Friedhof in Las Palmas, der Hauptstadt von Gran Canaria. Und tatsächlich der erste Friedhof, in einem südlichen Land, den ich jemals gesehen habe, diese Urnenwände sind schon sehr anders, als die Friedhöfe, die ich gewöhnt bin.

    2. interessant, dass du das erwähnst, eine urne, in der eigenen wohnung, ganz exklusiv sozusagen. dabei empfinde ich friedhöfe als gemeinschaftsräume, bei uns nicht so sehr der lebenden und der toten, aber der toten untereinander und vielleicht auch der trauernden… dieses gemeinsame wäre ja ganz weg, wenn jeder seine toten zu hause aufbewahrt. das würde für mich den tod als solchen noch abstrakter, noch privatisierter als er ohnehin schon ist, machen.

      1. Die Gemeinschaft der Lebenden und die Gemeinschaft der Toten oder das Reich der Lebenden und das Reich der Toten – so heißt es an einer Stelle der katholischen Liturgie. Vielleicht ist es gerade diese Trennung, die ich als besonders schmerzlich empfinde. Die Japaner öffnen ihre Schreine, so weit ich weiß, zu bestimmten Feierlichkeiten, damit die Toten weiterhin Anteil am Leben nehmen können. Ich finde diesen Gedanken schön. In Lateinamerika, ich glaube Mexiko, werden an Allerheiligen auf den Friedhöfen Picknicks veranstaltet. Auch das wäre hier vollkommen undenkbar. Andererseits: Vielleicht sollte die Totenruhe tatsächlich etwas Unantastbares sein. Ich bin da unentschlossen. Einerseits zieht mich das Entrückte, Aus-der-Zeit-gefallene an Friedhöfen magisch an, aber wenn man betroffen ist, tut gerade das besonders weh.

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