Schönheit und Geheimnis

Die Kunsthalle trägt lila und verbreitet eine nahezu mythische Atmosphäre. „Schönheit und Geheimnis. Der deutsche Symbolismus. Die andere Moderne.“ heißt die Ausstellung, der die Kunsthalle ihr neues Kleid verdankt.

Der Symbolismus, der auch als andere Moderne bezeichnet wird, zeichnet sich weniger durch eine einheitliche Stilrichtung als eher durch die Thematik aus. Die unter diesen Ismus versammelten Künstler einte der Versuch eine Gegenwelt zur immer rationaler und entfremdeter empfundenen Welt der Industrialisierung zu erschaffen.

Die Ausstellung in der Kunsthalle hat sich auf den deutschen Symbolismus beschränkt, und versammelt Bilder aus dem Zeitraum von 1870 bis 1920 von Künstlern wie Max Klinger, dem ich in Berlin zum ersten Mal begegnet bin, und Franz von Stuck, Dora Hitz, Sascha Schneider, Lovis Corinht und Arnold Böcklin, um nur einige zu nennen.

Klar angeordnet ist die Ausstellung in neun unterschiedliche Kapitel untergleidert, von der Beseelten Natur, über die Landschaft als Symbol zur erhalbenen Natur, führt der Weg zu Kraft und Kontemplation, Bösen Frauen, Erotischen Grotesken, Guten Frauen, schließlich zu Tod und Mächten der Finsternis. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit dem Symbolismus im Film.

Letzten Freitag konnte ich mir lediglich einen Überblick verschaffen. Aber ich habe die Ausstellung nicht zum letzten Mal besucht und werde weiter berichten.

14 Gedanken zu “Schönheit und Geheimnis

    1. Das wundert mich auch sehr.
      Ich habe das Bild in der Nationalgalerie in Berlin gesehen und fand es sehr beeindruckend. Aber sicher nichts, was ich mir ins Wohnzimmer hängen würde.

  1. und wo sind die guten und die bösen männer?
    ich mag den symbolismus ja, aber diese unterteilung mit den frauen lässt mich (ob zu recht oder nicht) schlussfolgern, dass die modelle vorwiegend frauen waren und die malenden künstler männer.
    ja, das war noch eine andere zeit, ich weiß. nachdenklich stimmt es mich trotzdem.

    dennoch würde ich da auch hingegen und gucken, bestimmt!

    1. Es ist ja allgemein in der Kunst so, dass es diverse Frauenbilder gibt, guck Dir nur den Surrealismus an. Diese Ausstellung ist natürlich auch zeitverortet, also vom damaligen Zeitgeist bestimmt. Aber andererseits wird in den Frauenbildern, die Männer haben, auch immer ihr eigenes Männerbild sichtbar. Von daher empfinde ich das schon ausgewogen.

      1. es ist halt spannend, dass in der kunst eben auch immer eine antwort auf den zeitgeist in bezug auf das rollenverständnis wiedergegeben wird. ja … dass sich der mann im gemalten frauenbild selbst „mitabbildet“ ist ein spannender input, den ich so noch nie zu ende gedacht habe.
        danke!

  2. Den Artikel habe ich mit ganz großen Augen gelesen und die genannten Gemälde gegooglet. Luzifer und Jesus haben es mir besonders angetan. Ich kann mir vorstellen, dass diese Ausstellung sehr faszinierend auf mich wirken würde. Mir fällt dazu die Beschreibung „Lust am Befremdlichen“ ein. Ich mag düstere Bilder, ich mag, wenn Abgründe manifestiert werden – vor allem in Form von Bildern und auch Filmen. Ich mag die Geschichte Abtrünniger und auch den Gedanken an die Gegenwehr einer schwer durchschaubaren Realität durch künstlerischen Ausdruck.

    1. Du glaubst gar nicht, wie sehr mich das freut, dass Du gerade Luzifer und Jesus nennst, denn das war haargenau das Bild, an dem ich hängen geblieben bin. Ich wollte sofort etwas über Sascha Schneider erfahren, weil mich das Bild wirklich in seinen Bann geschlagen hat. Allerdings habe ich mir auch die Frage gestellt, was mich eigentlich so fasziniert an diesem Bild.

    2. Oh, das freut mich jetzt aber! 🙂

      Ich wünschte nur, ich hätte viel mehr Bilder zur Auswahl gehabt, das Thema interessiert mich so sehr wie dunkle Romantik in der Kunst. Auf die Frage, was ich genau so faszinierend an dem Bild von Sascha Schneider finde, habe ich auch keine greifbare Antwort, obwohl ich schon ein wenig darüber nachgedacht habe. Ich erahne es nur und schätze, dass bei mir u.A. auch eine gewisse Affinität für die „Ästhetik des ‚Bösen'“ eine Rolle spielt. Aber nicht das Böse, das ich aus der Realität kenne in Form von Krieg oder Misshandlung, sondern in Form mythischer Wesen. Und vielleicht spielt auch generell die menschliche Neigung eine Rolle, in der Seele etwas Unendliches und Tiefes zu sehen, in der unentdeckte Schluchten sind, die wir für die Erklärung des Bösen heranziehen wollen. Vielleicht wollen viele von uns greifen, was nicht greifbar ist, verstehen, was wir fürchten. Manchmal, um das Fürchten durch Entzauberung oder Rationalisierung zu beenden; aber im Falle dieser Bilder fürchte ich mich allzu gerne, es bereitet mir eine Art innere Erregung und Anspannung, die ich genießen kann. Ich fühle also Befremdung und suche andererseits nach Verbindung mit dem Fremden. Eine, die ich vermutlich sehr gut eingehen könnte, wäre ich stark und mutig genug, zuzugeben, dass auch ich diese Anteile in mir trage (tragen könnte oder wie auch immer. Wie du siehst, habe ich Angst, das ganz straight zu ausformulieren.)

      Interessant an „Triumph der Finsternis“ ist auch, dass Luzifer nicht so böse aussieht, wie er eigentlich aussehen sollte. Er hat zwar dunkle Flügel, aber das haben einige Vogelarten auch, es ist nicht auffällig schwarz oder verschluckend schwer. Außerdem hat er einen extrem ästhetischen und jungen Körper, wirkt weder sehr wütend noch extrem erfreut. Ja, ein Lächeln zeichnet sich ab, aber das Hämische fehlt ihm. Er steht da und scheint die Situation ruhig aufzunehmen. Jesus sieht ihm sogar ein wenig ähnlich, und ich frage mich bei diesem Bild, warum der Kontrast zwischen Gottes Sohn und Luzifer nicht so groß ist, warum kann ich mich nicht eindeutig auf eine Seite schlagen? Und dann fällt mir die islamische Mythologie zur Entstehung von Luzifer ein: Dass Luzifer (Iblis) Gott geliebt hat und durch seinen Eifer und seiner Liebe nicht allem gehorchte und die Entwertung Gottes nicht aushielt und dadurch aus dem göttlichen Reich verbannt wurde. (Vermutlich ist das nicht nur eine islamische Geschichte, sondern auch eine Christliche). Und dann macht es für mich Sinn, warum Luzifer tut, was er meint, tun zu müssen, aber dabei nicht die sonst erwartete Häme und Freude, Boshaftigkeit und Blutrunst darstellt.

      Ich weiß, ich habe wieder viel zu viel geschrieben …

      1. Genau diese Empfindung hat mich bei mir ein wenig erschreckt, dass ich mich angezogen gefühlt habe von diesem Luzifer, der, genau wie du schreibst, sehr ästhetisch ist, sein Gesicht, sein Körper, sogar das eben nicht hämische Lächeln.
        Ich glaube, man darf in der Ausstellung fotografieren. Ich werde das nächste Mal meine Kamera mitnehmen. Auf jeden Fall ist es eine sehr faszinierende Ausstellung. Gerade die dunklen Seiten ziehen auch mich an. Ein Bild von Lovis Corinth zeigt z.B. Salome, die sich den von ihr geforderten und abgeschlagenen Kopf Johannes sehr lüstern anschaut. Es sind alles Bilder, die Unmengen von Geschichten, und auch eine Auseinandersetzung mit den Geschichten beinhalten.
        Bestimmt wäre es wunderbar spannend und anregend, mit Dir die Ausstellung zu besuchen und nachher im Café stundenlang darüber zu reden.

      2. Wirklich? Das wäre ja wirklich genial, wenn man da fotografieren dürfte. Seit ich damals dieses Praktikum in den zwei Museen gemacht habe, weiß ich aber auch, dass die Bilder im Original noch einmal eine überwältigendere Wirkung haben können. Wobei wir schon sehr intensive „Bildanalyse“ (im Grunde Selbstanalyse) betrieben habe. Übrigens fand ich interessant, dass ich dabei nicht „besser“ geworden bin mit der Zeit. Genauso wie die anderen: Die, die zurückhaltend waren oder erstmal nur sehr zögernd etwas in Bilder hineininterpretiert haben, sind auch so geblieben.

        Ja, ich glaube auch, dass wir uns Stunden lang über ein einziges Bild unterhalten könnten. ❤

  3. Mit ihrer Kunst schufen die Symbolisten Gegenentwürfe zu einer Welt, die sich durch den technischen Fortschritt und neue, teils verstörende naturwissenschaftliche Erkenntnisse radikal wandelte. Bilder von erhabenen, schönen Landschaften zeugen von der Sehnsucht nach einer Natur, in der sich der Mensch noch geborgen fühlen kann und die nicht als industrielles Rohstofflager dient.

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