Open City – Teju Cole

Ein politisches Buch, ein kluges Buch, ein augenöffnender Spaziergang, weniger durch New York als vielmehr durch die Spannungen und Verletzungen der Zeit, in der wir leben.

Teju Cole

Die Einsamkeit des Seglers

Meer Isla volante

Weit entfernt, nur ein Strich am Horizont, sah ich das Schiff. Undeutlich  konnte ich Mast und Segel ausmachen. Die Einsamkeit des Seglers hingegen roch ich sehr genau. Und verzichtete darauf zu winken.

Die Antoniusversuchungen

Heute habe ich den Katalog „Feder & Pinsel Die Antoniusversuchungen in Zitaten und Bildern“ von Susanne Haun und Ute Schätzmüller erhalten. Ich erzähle das hier nicht nur, weil ich die beiden Künstlerinen schätze und es sehr anregend und spannend gefunden habe, quasi mitzuerleben, wie sie über das Medium des Blogs Kontakt aufgenommen haben, und wie dann eine Zusammenarbeit entstand, die man auf dem Antoniusversuchungen Blog live mitverfolgen konnte, sondern auch weil dieser Katalog mir deutlich macht, dass Blogs dem Gedruckten nichts wegnehmen, dass es da keine Konkurrenz gibt, sondern vielmehr Ergänzung. Dieser Katalog ist etwas ganz anderes, als wenn ich Bilder am Rechner auf dem Blog ansehe. Nicht nur, dass ich sie anfassen kann, auch die Gegenüberstellung von Susannes und Utes Interpretation der jeweiligen Zitate eröffnet noch einmal einen anderen Zugang, einen neuen Blick. Das eine war die Möglichkeit an einem Prozess teilzuhaben, das andere ist das fertige Werk. Beides hat seinen eigenen Reiz und seine Berechtigung. Und eigentlich gehören beide zusammen.

Heimat

 

Auf Pixartix ist kürzlich eine neue Bilderserie angelaufen, zum Thema Heimat bzw. Heimatlosigkeit. Wunderbare Bilder hat es schon zu diesem Thema gegeben und wird es sicherlich weiterhin geben. Statt selbst nach Bildern zu suchen, habe ich ein paar Worte zum Thema gefunden:

Wenn man von Heimat spricht, wenn man über Heimat nachdenkt, darf man ja auch die Kehrseite nicht vergessen, die Heimatlosigkeit. Was für ein großes Wort und dennoch erreicht es  nicht die Bedeutung.

 

Das Zeitungknistern wie Flügelschlag, Taubenschlag, das Flattern von Vögeln, denen man die Flügel gestutzt hat. Vorher hat man das nie gehört, vorher hat man die Worte gelesen, die Begriffe verstanden, das war kein Raum für diese Art von Geräuschen, Geräusche, die eigentlich Gefühle sind. Dieses Reden ohne Ziel: Ja, ich weiß genau, was du meinst…

 

Weil es auch ein Ort ist, eine Art zu Hause, diese Heimatlosigkeit. Etwas, in dem man sich einrichten kann, ohne es zu wollen, oder in dem man sich einrichten will, ohne es zu können. Als gäbe es nur Fragen und keine Antworten, nur Schwellen, aber keine Möglichkeiten, sie zu überschreiben, nur weiße Flächen, und keine Farben, um sie auszumalen. 


 

 

Oskar Zwintscher – Der Tote am Meer

 

Während die „guten Frauen“ auf den ersten Blick klischeehaft erscheinen, sind die Bilder der „bösen Frauen“ sämtlich geheimnisvoll, voller Widersprüche, durch die sei eine unmittelbare Spannung entfalten.

 

Hier ist es Oskar Zwintschers „Der Tote am Meer“ aus dem Jahr 1913, der die größte Anziehungskraft auf mich ausübt.

Eine, in ein langes Gewand gehüllte Frau, betrachtet einen nackten, leblosen Männerkörper am Strand. Während der Mann mit dem Sand zu verschmelzen scheint, setzt sich das Blau des Horizonts in der Kleidung der Frau fort. Die Frau wirft einen minimalen seitlichen Schatten auf den Mann, der noch nicht alt zu sein scheint. Obwohl sein rötliches Haar sich bereits zu lichten beginnt. Das Gesicht der Frau ist dem Mann zugewandt und somit für den Betrachter nur teilweise zu erkennen. Die Frau trauert nicht, ihr Blick verrät auch keine Neugier. Mir erscheint er andächtig. Eher in sich und das Wunder des Lebens als in den toten Körper versunken.

Das allein, sowie ihre Verhüllung durch die Kleidung und die vor der Brust verschränkten Arme, genügt aber nicht, um ihr Geheimnis zu erklären. Fast scheint dieses Bild auszusagen, dass es nicht der Tod ist, der rätselhaft ist, sondern vielmehr das Leben. 

 

Sascha Schneider – Triumph der Finsternis

Bekannt ist Sascha Schneider für seine Illustrationen der Karl May Bände geworden. Das wusste ich allerdings nicht, als mich sein Bild in der Ausstellung „Geheimnis und Schönheit“ in seinen Bann schlug, und danach war es eine Information mit der ich wenig anfangen konnte, weil sie nichts mit diesem Bild zu tun hatte.

 

 

Das Gemälde „Triumph der Finsternis“, aus dem Jahr 1896, befindet sich im oberen Teil der Ausstellung, dem Bereich, der sich den dunklen Mächten widmet.

 

Luzifer sieht nachdenklich aus, müde. Als hätte die Finsternis nicht nur über das Gute in Gestalt von Jesus, sondern zugleich über ihn selbst triumphiert. Die Haltung mit der er Jesus Leichnam betrachtet, drückt keine Trauer aus, ist aber auch weit entfernt von Genugtuung. Auf dem Lendenschurz Luzifers befindet sich eine männliche Gestalt, die die Arme wie um einen Segen auszusprechen, ausbreitet.

 

 

Beide Männer sind schön. Sehnige, unbehaarte Körper. Luzifer scheint ein wenig älter als Jesus. Sein Gesicht ist deutlich dunkler als sein restlicher Körper. Trotz der schwarzen Flügel wirkt Luzifer weder bedrohlich, noch als könne er abheben. Ein geerdeter Mann, der einen Triumph hinnehmen muss, den er nicht angestrebt hat. Einer, der gleichsam in seinem eigenen Schatten zu stehen scheint.

 

 

Und Jesus?

 

Er liegt im Licht. Nicht einmal der vor ihm thronende Luzifer mit seinen gewaltigen gespreizten Flügeln wirft Schatten auf ihn. Seine Augen sind geschlossen. Der Gesichtsausdruck weder leidend noch erlöst, er schläft. Obwohl er die Dornenkrone noch trägt, sind seine Wunden dezent, nur winzige Spuren von Blut deuten auf das Martyrium hin, dass er vor kurzer Zeit durchlitten hat. Diese winzigen Spuren jedoch sind exponiert, während Luzifer ganz schwarz und weiß gezeichnet ist, benutze Schneider für Jesu Male und Blutspuren die Farbe rot, die sich sonst lediglich in der Zeichnung des Himmels wiederfindet.

 

 

Aber all diese Einzelheiten erklären noch nicht, warum mich dieses Bild eines Künstlers, dessen restliche Werke mir nichts sagen, dermaßen anzieht.

 

 

Leider durfte ich diesmal nicht fotografieren, daher dieser Link, um sich das Bild anzusehen.

 

 

 

 

 

 

Das Meer blutet

Das Meer blutet  Isla volante
Das Meer blutet
Isla volante

 

Der Himmel blutet, sagt das Kind. Seine Stimme ist fröhlich. Kurz drückt es die Hand der Frau, dann hüpft es weiter, bemüht möglichst tiefe Spuren im Sand zu hinterlassen.

Die Frau sieht wie sich der Himmel im Meer spiegelt. Das Kind wird immer kleiner am Horizont.

Und das Meer blutet.