Freitod

Papa hat sich erschossen.

28 Gedanken zu “Freitod

      1. ich verstehe deine reaktion auch. ich hatte auch kein gutes gefühl den artikel einfach zu verlinken, kommentarlos. andererseits wollte ich ihn für mich aufbewahren. weiter darüber nachdenken.

  1. Ein großartiger Artikel ist dies. Genau so geht es im Leben. Der Vater ist ein mutiger Mensch. Es gehört Kraft, Wissen oder aber sehr viel Verzweiflung dazu. Jeder Zusammenhang von Sinn zerbricht in dieser Situation. Für alle Beteiligten.

    Über Schlüsselsätze läßt sich trefflich streiten: diesen halte ich für zentral, zumal der Artikel aus der Perspektive der Tochter geschrieben wurde: „Ich merke, wie mein Körper Unmengen an Adrenalin ausschüttet, irgendwie finde ich die Situation merkwürdig spannend.“

    Ebenfalls dieser Satz: „Er hat sich von mir verabschiedet. Es ist schaurig, dass er wusste, dass wir uns nie wieder sehen, ich aber nicht.“ Solche Situation, solchen Moment kann man nicht kommentieren, sondern es steht das für sich. Insofern, Mützenfalterin, ist es konsequent und richtig, wie Du es gemacht hast.

    Eine schreckliche Aporie.

    1. Interessant, wie Deine Schlüsselsätze sich auf die Perspektive der Tochter beziehen, auf ihren Körper, ihr Empfinden, während der zuvor herausgestellte Schlüsselsatz beinhaltete, dass man einander nicht erkennen kann, die Wunden voreinander verbirgt und mitspielt, indem man sie übersieht, um sich zu schützen, weil es nicht anders geht, oder warum auch immer.
      Insofern kann man all diese Sätze, die in diesem großartigen Artikel stehen, wirklich nicht kommentieren, und kann doch die eigene Sicht, das eigene Empfinden, das was sie bei jedem einzelnen auslösen, hinzufügen. Die eigene Ratlosigkeit in Worte kleiden, oder in Sprachlosigkeit.

  2. danke fürs verlinken. danke fürs teilen. zu dem text kann man nicht viel sagen, da bleibt nichts offen. er beschreibt eindrücklich, wie es eben ist.
    (Ich bekam zunächst einen schreck, als ich im reader den satz las und nicht erkannte, dass es ein link ist.)

    1. Eindrücklich scheint mir ja gerade die Tatsache, dass auf einmal alles so entsetzlich offen ist, dass sogar die Vergangenheit, nicht nur die Zukunft, von dieser Tat berührt wird. Da ist jemand nicht einfach nur gestorben, sondern hat eine ganz eigene Wunde hinterlassen, bei denen die mit seinem Tod zurechtkommen müssen, mit dieser besonderen Art zu sterben.

  3. danke für den link zu diesem artikel, liebe mützenfalterin.
    berührt mich gerade ganz besonders, weil sich eine freundin von mir (vor genau 25 jahren) das leben genommen hat. (mein neuester blog-eintrag ist ihr gewidmet).
    herzliche grüße
    diana

    1. eine merkwürdige koinzidenz, in der tat. ich verdanke den link selbst aram, der das in seinem litblog gepostet hatte. tut mir leid, dass du eine so persönliche nähe zu dem artikel hast.
      herzlich m.

  4. Liebe mützenfalterin, ich danke dir ganz herzlich für das Verlinken dieses Textes, der mich tief bewegt und sprachlos zurückgelassen hat. Ich habe mich an ein Buch von Lisa-Maria Seydlitz erinnert, in dem es auch um die Verarbeitung eines Freitods geht.

      1. Sommertöchter, ja genau! Ein sehr lesenswerter Roman, der mir vor allem auch sprachlich ausgezeichnet gefallen hat. Der Vater der Protagonistin nimmt sich das Leben und es geht um die Verarbeitung dessen.

  5. mir geht dieser Artikel sehr unter die Haut- er erinnert mich einmal mehr, dass sich hinter der Stirn eines Menschen unendlich viele Geheimnisse verstecken können. Am meisten hat mich der Abschied von der Tochter berührt. Dieser Mann wusste sehr genau was er tat, das zeigt auch, dass er sich vorher damit beschäftigt hat, wohin er schießen muss, damit er seiner Familie, vornehmlicher seiner Frau, den Schreckensanblick erspart. Aber weiter dachte er nicht, nicht über den Schmerz, den Schrecken, den Schock, die Leere seiner Angehörigen danach, nicht über all die Fragen, die mit solch einem Tod einhergehen. Wie müde, wie ausgebrannt muss ein Mensch sein, wie hoffnungslos, wieviel Angst hat er?
    Und trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung, dass jeder von uns die Freiheit hat ja oder nein zum Leben zu sagen, so schmerzhaft es auch für die Angehörigen ist.
    Eine der schwierigsten Lektionen in meinem Leben war, als sich eine Freundin das Leben nahm und wir sie nicht aufhalten konnten, nicht tragen, nicht schützen … bei Menschen in der Depression hilft die größte Liebe nicht, das lässt mich ohnmächtig zurück-

    ich danke dir fürs verlinken
    herzliche Grüße Ulli

    1. Ich glaube, er hat sich durchaus Gedanken gemacht, auch über das, was er seiner Familie antut, er hat nur einfach keine Kraft mehr gehabt. Das muss unendlich schwer auszuhalten sein. Vermutlich macht man sich ein Leben lang Vorwürfe, die Tochter fühlt sich „verraten“ in gewißer Weise, aber wie geht es erst Eltern, deren Kind sich für den Tod entscheidet? Ohnmacht, Trauer und dann noch diese ganzen Fragen.
      Danke für Deine Gedanken dazu.
      herzlich m.

  6. Ich konnte (fast) jeden Gedanken und (fast) jedes Gefühl nachvollziehen, hatte fast den Drang, einige Sätze zu unterzeichnen. Für mich war der Schlüsselsatz jener, als sie sagte, sie könne manchmal nicht akzeptieren, dass er sich eher für den Tod als für sie entschieden hat. Es ist auch nicht nur der Freitod, der den Unterschied macht. Ähnliche Gefühle findet man bei Menschen, die ihre Eltern oder jemand Geliebtes aufgrund ihres riskanten Lebensstils verloren haben. Oder Menschen, die im Laufe einer schweren Erkrankung aufgegeben haben. Oder Menschen, die einfach zu früh gestorben sind … Eine Entwicklung bei ihr hat mich überrascht: dass sie ihr Handy nun ausschalten kann.

    1. Nein, ich glaube es ist in der Tat der Freitod, der den Unterschied macht, natürlich ist es auch in anderen Fällen, nach einer Krankheit, aufgrund eines Unfalls schwierig ohne denjenigen weiterzuleben, aber man hat nicht auf diese Weise das Gefühl verlassen geworden zu sein. Ich habe beides erlebt, mein Vater ist an einer Krankheit, meine Mutter bei einem Unfall gestorben. Ich habe mir nie diese Frage gestellt, warum sie sich gegen mich und für den Tod entschieden haben.

      1. Ich glaube, der Begriff ist leider nicht so klar unterscheidbar, wie es sich zunächst anhören mag. Es gibt viele Stufen des „Freitods“ und sehr viele Menschen, die sich genau diese von dir genannte Frage doch gestellt haben – vor allem, wenn sie geliebte Menschen [vor allem Eltern] durch Alkoholsucht, Drogensucht oder auch exzessives Rauchen, Essen und Fettleibigkeit [Diabetes, Herzkreislauf] verloren haben. Und vor allem, wenn sie vorher Jahre lang durch verzweifelte Diskussionen und Überzeugungsarbeit versucht haben, sie genau davon abzubringen, ihnen immer versucht haben, deutlich zu machen, was das bedeutet, was sie tun und was sie auch einem selbst – als Kind, Schwester, Ehefrau – damit antun. Natürlich bezweifle ich nicht, dass es bei dir anders war, aber ich kenne auch viele, bei denen es eben ähnlich wie hier war, ohne dass die Art des Sterbens so deutlich hätte als Freitod bezeichnet werden können, weil es nicht von Jetzt auf Gleich geschah, sondern auf Raten. Und genau diese sitzen dann da und zeigen eine so komplizierte Trauerreaktion wie Menschen, die ihre Verwandten durch einen eindeutigen Freitod verloren haben, aber ernten weniger „Verständnis“ und Sätze wie „Das war eben Schicksal“, „Ein natürlicher Tod durch Krankheit eben“ oder „Es war eben an der Zeit, jeder muss einmal sterben“. Und man hört sich das an und denkt trotzdem diese Gedanken wie „Hätte Papa mich geliebt, hätte er nicht täglich eine Flasche xx getrunken, obwohl er wusste, dass ihn das umbringen wird und obwohl er wusste, dass ich dann alleine bin.“ =(

        Es gibt wirklich viele verschiedene Arten und Ausprägungen des „Freitodes“ [ich finde dieses Wort übrigens unpassend, weil es implizitiert, dass man in dem Zustand unter der Befindlichkeit überhaupt eine andere Wahl verspürt hätte], und ich würde nach meinen Erfahrungen damit vermutlich nicht mehr so klare Grenzen ziehen wie vor Jahren vielleicht noch. Vielleicht kannst du meinen Gedankengang nun besser nachvollziehen.

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