Damit sie wissen was sie tun?

Seit einigen Tagen höre ich hier und da im Radio von einem „Experiment“, bei dem Studenten freiwillig Haftbedingungen erproben. Studenten aus Hamburg, Münster, Göttingen und Greifswald lassen sich in einem leerstehenden Oldenburger Gefängnistrackt einsperren, um dort für einige Tage und Nächte den Gefängnisalltag zu simulieren. Schließlich, so der Gefängnisdirektor der Haftanstalt, gehe es bei späteren Rechtssprüchen um Menschen, da könne man nicht nur aufgrund des Gesetzes urteilen.

Eine Aussage, die zunächst einleuchtend und sehr human klingt. Aber sobald ich weiterdenke, tun sich Zweifel auf. Müsste ein Richter nicht eher die Lebensumstände, die Zwänge und Nöte desjenigen kennen, der sich schuldig gemacht hat, als eine Ahnung von dem Leben zu bekommen, dass er in der Haft führen wird? Ganz abgesehen davon, dass die Gruppendynamiken, die soziale Zusammenstellung der Häftlinge und die sehr eigenen Rituale während des Haftalltags sicher nicht simuliert werden können.

Ist es nicht weitaus sinnvoller immer wieder nach gesellschaftlichen Strukturen zu suchen, die Gewalt und Kriminalität begünstigen, um auch auf dieser Ebene ansetzen zu können, und zwar langfristig und präventiv? Diese „innovative“ Idee der Studenten in Haft, erinnert mich fatal an Susan Sontags These der moralischen Entlastung, wenn man sich auf die Seite der Guten schlägt.

Diese Studenten glauben etwas über die Auswirkungen des Strafmaßes erfahren zu haben. Wie wird sich das auf ihre spätere Rechtssprechung auswirken? Werden sie nicht vorab darin bestätigt, das Recht auf ihrer Seite zu haben, weil sie erfahren haben, wie die Strafe sich anfühlt, die sie verhängen werden, weil sie glauben zu wissen, was sie tun?

Mir wäre lieber sie lesen Foucault und machen sich Gedanken zu seinen Überlegungen zum Gefängnis allgemein.