Confessional Poetry

Ich hatte die kleine Poetologie von Andre Rudolph schon vor zwei Jahren im Jahrbuch der Lyrik sehr aufmerksam gelesen,

heute ist mir bei der lektüre von anne sexton zum ersten mal aufgefallen, dass ich seit anderthalb jahren confessional poetry schreibe, mittlere ergebnisse bislang, dennoch habe ich das gefühl, ich kann dieses genre noch mal ein kleines stück vorwärtstreiben, auf seine grenzen hin; oder auch nicht. was mir immer wieder bauchschmerzen bereitet, ist der ästhetizistische konsens meiner generation. soll es das schon gewesen sein? was ist mit den drängenden notzuständen der seele, terrorisiert vom gedicht? was ist mit den schmerzhaft gelingenden lieben, den leerlaufenden trieben, terrorisiert vom gedicht?

Ich weiß nicht viel (um nicht zu sagen nichts) vom „ästhetizistischen konsens“, aber diese Frage, dieses Drängen nach mehr, nach einem Gedicht, das Gewalt ausübt, Macht, sogar Terror, das hat meinen Nerv getroffen.

Und überhaupt ist das hier nur die langatmige Einleitung, um eine meiner Meinung nach sehr gelungene Rezension zu einem vermutlich ebenso gelungenen Gedichtband (ich werde ihn mir jedenfalls besorgen), zu empfehlen:

Die Chuzpe Ich zu sagen. Andre Rudolphs Gedichtband confessional poetry. Von Hellmuth Opitz.

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9 Gedanken zu “Confessional Poetry

  1. wahrlich eine feine Rezension und gleichzeitig macht sie auch mich sehr neugierig auf den Gedichtband-
    ich mag es, wenn man nicht versucht die Schubladen zu bedienen, in denen man versucht Kunst hineinzupressen, soll heißen, sich selbst, seiner Sprache, seinen eigenen Möglichkeiten ins Auge schaut und ihnen folgt – Authentizität ist mir wichtiger als KritkerInnenlob-
    herzliche Grüße
    Frau Blau

    1. Freut mich, dass Dir Rezension und vorgestellter Band auch gefallen, Ulli. Ich finde das Wort „Authentizität“ schwierig, weil es so verbraucht ist, Kettcar hat in einem Lied die Zeile: Authentisch war schon Hitler. Na ja. Jedenfalls habe ich bei Sexton, da ganz besonders, aber auch bei anderen der confessional poetry zugerechneten Autoren das Gefühl einer großen Dringlichkeit, des Terrors, den Rudolph anspricht, sie haben eine Energie, die ich gar nicht in verständliche Worte fassen kann.

      1. das ist eine heftige Aussage von Kettcar, wobei er wohl nicht unrecht hat – und ja, vielleicht hat sich dieses Wort abgenutzt, aber nutzen sich nicht die Worte eh ab, weil wir sie wieder und wieder benutzen, verlieren sie aber deswegen ihren Gehalt, ihren Sinn?
        schreiben ist für mich ein Ventil, wie ich dann die Worte setze das will ich mir einfach nicht diktieren lassen, das habe ich damit gemeint … muss ich einen mainstream bedienen oder avantgarde sein, damit das, was ich zu sagen habe, überhaupt gelesen wird?

      2. weißt du, was ich glaube? ich glaube, die worte nutzen sich nur ab, wenn sie inflationär gebraucht werden, wenn sie nicht mehr eng genug, an das, was sie eigentlich aussagen sollen, gebunden werden, das ist herz und schmerz so gegangen, und letztendlich eben auch der authentizität.
        ich weiß nicht, was eine tun und schreiben muss, um gelesen zu werden, aber das ist sicher auch die falsche frage, geschrieben werden muss, was geschrieben werden muss, alles andere ist nachrangig. jedenfalls wenn eine wirklich literatur wie ich sie verstehe, schaffen will, für alles andere genügt auch mainstream…

  2. ich mag nicht nur den artikel oben, sondern auch die hier ausgelöste diskussion …
    confessional poetry kenn ich als begriff nicht, doch vermutlich inhaltlich schon. begriffe vergesse ich oft sehr schnell … du machst mich mal wieder neugierig auf mehr!

    1. Anne Sexton war eine Initiation für mich auf dem Weg, Gedichte zu schreiben, daher bin ich sozusagen mit der confessional poetry in diese Welt hineingewachsen.
      P.S. : Das Landart Bild war tatsächlich Sand; der Strand von Gran Canaria im letzten Urlaub 😉

      1. für mich gilt im bereich der lyrik intuition – beim lesen, beim versuch zu verstehen und beim verfassen. aber wenn ich nun diesen schönen begriff confessional poetry höre, bekomme ich lust, mehr zu erfahren …
        ps: ha! das freut mich … du hast somit die strandart als neue unterart von landart erfunden … 😉

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