Día de los muertos

Friedhof

Egal, ob man glaubt, dass nach dem Leben noch etwas kommt, dass es ein Jenseits gibt, oder nicht, Tatsache ist, dass die Toten weiter Teil unseres Lebens sind, sie bleiben Teil unserer Geschichte, ein Teil, der vom Tod an, nur noch als Vergangenheit existiert, der nicht mehr wächst und sich verändert, außer in der Erinnerung.

In unserem Raum gibt es wenige Feste, die die fortwährende Anwesenheit der Toten thematisieren, außer Allerheiligen fällt mir nichts ein. Im spanischsprechenden Raum gibt es el Día de los muertos, der nicht nur in Mexiko gefeiert wird, wenn er auch dort besonders stark verwurzelt ist. Es gibt ein spezielles Gebäck, guaguas des pan, in Mexiko werden daraus häufig Totenschädel gebacken, in Ecuador und anderen spanischsprachigen Gebieten Figuren, die an die Toten erinnern sollen, man kocht das Lieblingsessen der Verstorbenen und verbringt den Tag auf dem Friedhof. Ein Tag, an dem die Toten wieder Teil der Gemeinschaft sind.

13 Gedanken zu “Día de los muertos

  1. Liebe Mützenfalterin, ich las von diesem Fest im Zusammenhang mit Frida Kahlo, es gibt – so glaube ich – einige Arbeiten von ihr zu diesem Fest.
    Grüße und einen schönen Tag von Susanne

  2. Ich kannte dieses Fest auch. Und ich hoffe, dass wir irgendwann etwas [ein Ritual] einführen, das unsere Einstellung zum Tod etwas erträglicher werden lässt.

  3. Es gibt bei uns nicht nur im christlichen Spektrum einige Tage neben Allerheiligen, an denen der Toten gedacht wird. Da wäre neben Allerseelen einen Tag nach Allerheiligen auch der Totensonntag eine Woche vor dem ersten Advent sowie der Volkstrauertag. Dann gibt es noch das Sechswochenamt sowie das Jahresamt, an denen der Verstorbenen gedacht wird. Im Judentum gibt es Schiwa, bei denen Trauernde eine Woche lang ab dem Begräbnis bestimmte Rituale einhalten. Und nicht zuletzt die jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen von Reservistenverbänden, die der Toten der Kriege durch diverse Festakte gedenken.

    Insofern gibt es bei uns einige Rituale, die aber kaum noch in der Bevölkerungen wahrgenommen werden, weil sie unter dem Schirm der gerade nicht so sehr geliebten Kirche zu Standardritualen verkommen sind. Da erscheint es logisch, fremde Rituale spannender zu finden 😉

    1. Ich kann diese Kritik nachvollziehen und möchte sie mit meiner Antwort auch gar nicht entkräften. Was mich an diesem (fremden) Ritual fasziniert ist die Nähe, die (in meinen Augen) Natürlichkeit, wie hier die Toten für einen Tag wieder ganz präsent sind. Während ich bei den kirchlichen Feiertagen viel Liturgie finde, aber wenig Nähe.

      1. Es ist wohl eine Frage der gesellschaftlichen Entwicklung, denn früher war es üblich, sich an Allerheiligen relativ lange auf dem Friedhof aufzuhalten, das Grab zu schmücken, Kerzen anzuzünden, zu beten und in der Nähe des Grabes zu verweilen. Dazu gehörten auch die leisen Gespräche mit den anderen Anwesenden. Insofern war ausserhalb des Gottesdienstes nicht sehr viel Liturgie, aber sehr viel Nähe. Heutzutage wird das alles zumeist vorher erledigt, damit man an Allerheiligen nur noch schnell das ewige Licht anzündet und ansonsten wieder nach Hause gehen kann, weil das Wetter zumeist auch nicht gerade zum Verweilen einlädt. Diese Wandlung hinterlässt natürlich bei manchen eine rituelle Lücke, so dass gerne nach anderen Ritualen geschielt wird (insofern war das nicht als Kritik zu verstehen, sondern als logische Schlussfolgerung aus der gesellschaftlichen Entwicklung). Anderen wiederum sind solche Rituale bedeutungslos, weil sie – wie bei mir – keinerlei andere Gedanken auslösen als dass sich der Körper in seine atomaren Bestandteile auflöst und ich dem Toten nie mehr näher sein kann als meiner Erinnerung. Insofern ist für mich eine persönliche Nähe zum Grab unwichtig.

      2. Ich denke es geht mir nicht um ein entweder oder, eher um einen Zugewinn, indem man wahrnimmt, wie anderswo mit dem Tod, mit den Toten umgegangen wird. Und ich empfinde diese südamerikanischen Rituale als „lebendiger“. Rituale sind meiner Meinung nach bei derartigen Lebenseinschnitten, wie dem Verlust eines geliebten Menschen wichtig. Für den Trauernden, aber auch für die, die mit dem Trauernden umgehen müssen, das ist alles andere als leicht und es ist eine große Herausforderung, immer wieder individuelle Lösungen dafür suchen zu müssen.
        Natürlich können wir den Toten nur noch über die Erinnerung nahe sein, aber die Erinnerung ist ein Teil von uns, unserer Lebensgeschichte und somit sind und bleiben die Toten ein Teil unserer Geschichte und ich finde es schön, das zu feiern, mit aller Lebensfreude und Melancholie, die dazu gehört.

  4. Ich möchte noch gerne hinzufügen, dass ich nicht nur über die Erinnerung den „Toten“ nahe sein kann, sondern auch neue Erfahrungen mache. Das hört sich freaky an, aber ich bin mir sicher, dass es vielen so geht, aber kaum jemand darüber sprechen kann / mag.

    1. Das sehe ich ganz ähnlich.
      Und grundsätzlich, liebe mützenfalterin, finde ich ganz wichtig, den Tod immer mehr „ins Leben“ zu holen, ihn, wie auch die Trauer erlebbar und lebbarer zu machen.
      Herzliche Grüße, mb

  5. ich lese dich erst heute (die Kommentare lese ich später) … und denke auch, dass ein solches Fest helfen könnte die Trauer anders zu integrieren – von diesem Fest sah ich schon Fotos, am meisten hat mich beeindruckt, dass die Angehörigen zum Teil auf den Gräbern saßen und symbolisch mit den Toten picknickten …

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