Kritik, Zeitgeist und die Notwendigkeit sich im eigenen Zweifel souverän zu geben

Jetzt habe ich zwei Bücher, in die ich vielleicht nicht große, aber doch Erwartungen gesetzt hatte, die enttäuscht wurden, verrissen. Hätte ich sie nicht zu rezensieren gehabt, ich hätte sie nicht zu Ende gelesen. In der Rezension steckt somit meine Rache für die Last, etwas zu Ende zu bringen, von dem ich längst wusste, dass es nichts mit mir zu tun hat. Alles, was ich geschrieben habe, meine ich wirklich so, ich habe Belege dafür, ich habe versucht, mein Urteil nachvollziehbar zu machen. Trotzdem war ich ungerecht. Ich habe die Bücher nicht gewürdigt, als das, was sie sein wollten, was sie vermutlich auch sind. Literatur, die dem Zeitgeist entspricht, die viele andere Menschen unterhält. Die somit ihr gutes Recht hat.

Vielleicht hätte ich die Form von Inhalt trennen sollen, oder vielleicht war gerade das das Ärgerliche, das, was eine Besprechung (und das Lesen) für mich so ausweglos gemacht hat; dass Form und Inhalt nicht zu trennen waren. Denn insofern erfüllten die Bücher die Anforderung an „gute Literatur“, die Sprache korrespondierte mit dem Inhalt, mit dem was transportiert werden sollte. Warum kann (und will) ich mich nicht darauf beschränken, Inhalt und Form wiederzugeben, ohne wertend einzugreifen? Wertend, bereits beim Lesen. Es gelingt mir nicht, mich herauszuhalten, meine Erwartungen, die ich an Literatur habe, zurück zu stellen, um vorurteilsfrei an das jeweilige Buch herangehen zu können.

Das und die Notwendigkeit, sich zu beschränken, einen Punkt auszuwählen, an dem man sich abarbeitet, dabei eine Souveränität beanspruchen (behaupten), die ich mir eigentlich nicht zugestehe. Ich nehme mir ein Recht, ohne daran zu glauben, dass ich es verdient habe. Und muss mir das Recht zugestehen, mich zu irren. Mir ein Recht auf Irrtum einräumen.