Grafitti

Grafitti

 

Als ich die teilweise wunderschönen Grafitties im Tunnel des Bahnhofs entdeckte, habe ich mich erinnert, vor nicht allzu langer Zeit davon gehört oder gelesen zu haben, dass jemand damit begonnen hatte, ein weltweites Graffiti Archiv zu errichten. Dieser Mann reiste nur noch durch die Welt, um Graffiti zu fotografieren. Leider kann ich mich nicht an den Namen erinnern.

 

Was mir noch in den Sinn kam, war Harald Naegli, der in Köln Totentänze an öffentliche Orte gesprayt hat. Das war vor gut zehn Jahren und gerade die Tatsache, dass Naeglis Totentänze nur sehr kurz bestanden, weil Putzkolonnen anrückten, um sie zu entfernen, machte einen Teil der Sinnhaftigkeit dieses Unternehmens aus. Der Tod gehörte nicht in den öffentlichen Raum, wo er auftauchte, musste er sofort verdrängt und weggewischt werden. Heute wird scheinbar mehr und offener über Tod und Sterben gesprochen. Scheinbar. Denn Antworten, Lösungen und Rituale, die in der Lage wären, die Angst zu besänftigen gibt es heute so wenig wie vor zehn Jahren.

 

Das alles hat natürlich gar nichts mit den Grafittis zu tun, die ich im Tunnel gefunden habe, oder vielleicht ja doch. Vielleicht sind diese Grafitties immer auch ein Gesprächsangebot. Eine schönere Art von Tweet sozusagen.