Schiffe und Verluste

Die Stimmen sind hoch und schwingen sich ein. Wenig später verschmelzen sie mit den Wellen.

Das Schiff ist nur noch ein kleiner Punkt am Horizont, von dem ich nach kurzer Zeit nicht mehr weiß, ob ich ihn sehe, weil es ihn gibt, oder nur, weil ich es mir einbilde.

 

Hätte nicht, denke ich mir, meine Großmutter ein Schiff besteigen können? Oder wenigstens einen Zug, der sie ans Meer gebracht hätte? Der Wind, die Möwen, die Brandung, hätten sie nicht zwangsläufig dazu beitragen müssen, ihr neuen Lebensmut zu verleihen, und die Kraft zu finden, auszubrechen, jetzt endlich für sich da zu sein, nach all den Jahren?

Aber was wusste ich schon von ihr, außer dem, was sie verloren hatte. Kann ein Mensch die Summe seiner Verluste sein?

 

Ich habe ja nie mit ihr geredet. Oder ich habe mit ihr geredet, aber nicht verstehen können, was sie sagt. Weil man manche Sprachen nur mit der Zeit lernt, mit dem Alter, mit dem Voranschreiten der Vergänglichkeit. Und das ist gut so. Und unendlich traurig ist es auch.