Geschichten

Auf der Treppe
Auf der Treppe

 

Ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass sie diese Geschichten häufiger erzählt hat als andere. Es muss einen anderen Grund geben, warum ich mich als erstes und mit der größten Sicherheit an diese zwei Geschichten erinnere, die mir meine Mutter unter vielen anderen erzählt hat.

Die erste Geschichte handelt von der Flucht aus Bartenstein. Nicht vom langen, beschwerlichen und gefährlichem Weg über die gefrorene Ostsee, sondern von dem Moment des Weggehens, des Aufbruchs, und meine Mutter spielt darin nur die rolle der Beobachtenden, Erzählenden.

Ihre Freundin H., so erzählte sie, sei als sie schon ein Stück weit gegangen waren, nur mit dem allernötigsten bestückt, das meiste davon in mehreren Schichten direkt am Leib getragen, H. also sei nach einigen Metern plötzlich wieder umgekehrt, in Richtung des Dorfes, das sie doch gerade erst in höchster Eile und in letzter Sekunde verlassen hatten. Ungeachtet der Gefahr und der Beschwörungen lief sie zurück zu ihrem Haus. Sie hatte vergessen, die Tür abzuschließen.

 

Die andere Geschichte spielt bereits hier, an dem Ort, an dem ich später geboren werden sollte. Meine Mutter ist längst erwachsen und es ist auch keine richtige Geschichte. Für mich hat es sich immer wie ein Vorwurf angehört. Die Sätze haben mich immer verletzt und noch störrischer gemacht, weil ich aus ihnen nur heraushörte, dass ich nicht richtig sei. Den Schmerz meiner Mutter, der eigentlich in dieser Mitteilung lag, habe ich erst viel später verstanden.