07. Januar 2013

Beim Schreiben jedenfalls, ist es die Neigung zu verschwinden, der Schrift alles und mir selbst nichts zuzutrauen. Eine Hemmung, die Zeit zu verschwenden. Angst vor dem Scheitern, der ich mich nicht stelle. Also enge Grenzen, Zeitverlust, tatsächliches Scheitern. Aber immerhin die Hoffnung, es könnte ganz anders werden, sollte ich irgendwann die Kraft und den Mut aufbringen, die Umstände (mich?) wirklich zu ändern.

Ich bin weicher geworden (noch weicher), geduldiger, sogar ein wenig beharrlich. Nachsichtig (sogar mit mir selbst). Ehrgeizig. Aber auf eine neue Art, die besser zu mir zu passen scheint. Aber ich hasse es nach wie vor, die Worte zu streichen, mit ihnen zu kämpfen. Um sie werben, das ja, aber sie benutzen, anpassen, begradigen, in Form bringen – das missfällt mir nach wie vor.

18 Gedanken zu “07. Januar 2013

  1. Ich bin mir unsicher, was den anderen Bloggern an deinem Posting gefällt. Mir gefallen oft deine Worte. Einige hängen sogar an der Kühlschranktür, ein ehrenvoller Platz:-).
    Aber ob mir an den obigen Text etwas gefällt? Vielleicht die Reflektion, sie mach weicher und wenn der Ehrgeiz dem Fluss Platz macht, hört der Kampf auf und die Worte sammeln sich an den Ufern oder werden zu Inseln.

    1. das hast du mir schon einmal geschrieben, dass einige meiner worte am kühlschrank hängen, dass sie immer noch dort hängen, macht mich ein bisschen stolz.
      und der text oben ist ja keine literatur, nur ein stück tagebuch, das ich teilen wollte, vielleicht in der hoffnung, dadurch so ein ufer oder eine insel zu finden, von der du schreibst.

      1. ja, so dachte ich es mir, jetzt stehen hier ja auch ein wenig mehr inseln, aber womöglich ergeben ein Anzahl likes auch ein Ufer .-)

  2. Eine ernste und, wie ich finde, respektvolle Weise, mit Worten umzugehen. Eher noch, sie zu behandeln. Das schätze ich.
    Aber ist es nicht auch legitim: wenn man um WORTE wirbt, dafür einige WÖRTER zu streichen, in Form zu bringen?
    Herzlich, mb

    1. schön, dass in deinem kommentar wieder die form auftaucht, denn diese überlegung von susan sontag, die unterscheidung zwischen form und inhalt wirkt durchaus noch nach bei mir, und ganz langsam finde ich hier und dort fehlende puzzleteile, um sie besser zu begreifen. gerade lese ich „wozu lyrik heute?“ von hilde domin, in den 70er verfasst, aber an vielen stellen noch immer aktuell, und auch dort fand ich gestern einiges, das sehr erhellend für mein problem und die frage der form ist. davon später mehr in einem eigenen artikel. bis dahin gebe ich dir natürlich recht, dass es nicht nur legetim, sondern unerlässlich ist, die umworbenen worte vor nicht passenden nachbarn zu schützen. nur verlangt das immer eine entscheidung, und darin bin ich nach wie vor nicht besonders gut.
      vielen dank für deine worte
      herzlich m.

      1. Danke Dir, dass Du so ausführlich dazu schreibst … aber das dann doch noch: „nur verlangt das immer eine entscheidung, und darin bin ich nach wie vor nicht besonders gut.“ Das sehe ich so ganz anders bei Dir!
        Herzliche Grüße, mb

  3. vor ein paar Tagen schrieb ich: wie lange es doch dauert, bis die Worte das tun, was ich will … dabei dachte ich an einen Maler, der seine Werkzeuge: Pinsel, Feder, Stifte etc. kennenlernen muss. Was gelingt mit wem, ist die Frage dahinter. Beim Schreiben sind es die Buchstaben, die Worte, dann die Sätze, die Satzzeichen. Den Raum nicht zu vergessen …

    Worte streichen … Worte beugen …. hin zu dem was wirklich gesagt werden will, das ist auch der Prozess in meinen Augen. Manch Wort fließt fast voreilig aufs Papier oder in die Tastatur. Beim erneuten lesen erweist es sie sich nicht als zielsicher genug, als schwammig oder was weiß ich wie nicht passend, also streiche ich es dann. Es weiß, dass es in anderem Zusammenhang eine Bedeutung erhalten wird 😉

    weicher zu werden, geduldiger kann kein Fehler sein, auch kein Ehrgeiz, aber hüten wir uns vor dem Perfektionismus, dem Messen an anderen, dem Vergleich … es geht um den Prozess- etwas will hinaus. Ihm Raum schenken, auf Papier, in Form von Worten und, oder Bildern, Musik, Figuren, das erscheint mir das Eigentliche.
    Ich habe in den letzten Tagen viel über das Publikum nachgedacht (angestoßen durch Marina Abramovic und deine Berichte, die Diskussionen in den Kommentarsträngen) – das Publikum ist natürlich dasjenige was des Künstlers Werk honoriert oder nicht und doch darf es in dem Moment des Schaffens selbst keine Rolle spielen, weil sonst Authentizität verloren geht.

    herzliche Abendgrüße
    Ulli

    1. schön, was du da schreibst, von den gestrichenen worten, dass sie die sicherheit haben, in einem anderen zusammenhang zu ihrem recht zu kommen. das gefällt mir wirklich sehr, weil es die entscheidung leichter macht, sie ist ja dann keine entscheidung mehr gegen diese worte, nur gegen den zeitpunkt.
      auch was du vom publikum und dem verhältnis des schaffenden zum publikum schreibst, ist natürlich richtig. aber es ist noch immer so ein großer unterschied zwischen theorie und praxis für mich. es nur zu verstehen genügt nicht. aber du hast recht, abramovic und die beschäftigung mit ihr, kann in diesem prozess nur hilfreich sein. und die kommentare meiner leser.
      danke m.

  4. Doch noch einen kleinen Nachtrag zum Lächelsmiley:
    Auch hier wieder der Prozess, um den es geht. Der Wunsch, es perfekt, aber mindestens wirklich gut zu machen, es zu einem Abschluss zu bringen, streitet villeicht tief in uns mit der Furcht vor einem Ende und dem Wunsch, auf ewig weitermachen zu können. Und auch die Herausforderung soll ja bleiben. Aber es gibt immer wieder Teilerfolge, deren Umfang nicht zuletzt von unserer Definition von Erfolg abhängt, denke ich.
    Was Frau Blau sagt über das Publikum, sehe ich genauso: So sehr wir uns sein Interesse und seinen Applaus wünschen, im Moment des Schaffens darf es keine Rolle spielen. (Leichter eingesehen als umgesetzt. :-))

    1. das gefällt mir sehr, dieser gedanke von dir, dass der wunsch nach perfektion vielleicht nur eine versteckte angst vor dem ende ist. ja, das leuchtet mir ein, das trifft ganz häufig auf mich zu. mir hilft aber in diesem zusammenhang ganz viel auch die schöne diskussion, die gerade bei dir drüben stattfindet.

      1. Ich meinte es nicht ganz so, also dass der Wunsch nach Perfektion eine versteckte Angst vor dem Ende sei, sondern dass beides wie auf zwei Waagschalen in uns wohnt, der Wunsch, etwas zu einem Abschluss zu bringen und als Gegengewicht dazu die Angst vor einem Abschluss.
        Vielleicht unterstützen sie oder besteht sogar genau daraus der Balanceakt, den rittiner&gomez anspricht.
        Ja, die Diskussion – bei mir wie bei Dir – hilft mir auch.

  5. es ist wie mit flüssen: zu viel begradigung lässt sie eines tages über die ufer treten. zähme nicht zu viel, liebe mützenfalterin.

    schön, dein liebevoller umgang mit dir und dem leben. ein sehr berührender text!

  6. Ich bin ganz überwältigt über die Vielzahl eurer schönen Kommentare. Ich persönlich fand ja den Beitrag über Marina Abramovic weitaus interessanter ;-). Danke schon einmal. Ich gehe auch noch auf jeden einzelnen Kommentar ein, nur gerade frisst mich der Alltag…

  7. Die Beharrlichkeit ist, glaube ich, das Wichtigste. Zumindest gilt das für mich. Vorzeitig Aufgeben, statt – erst recht – weiterzumachen. Aber ich arbeite daran. Schön zu hören wie es bei dir vorangeht. Es wird, es wird.

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