Marina Abramovic 1946 – 1975

Das ist nicht die Geschichte von Marina Abramovic, es ist nicht die Geschichte ihrer Aktionen und davon wie und warum sie Performance Künstlerin geworden ist, es ist nur die Geschichte davon, wie ich Marina Abramovic sehe, was ich von ihren Aussagen und Performances verstanden zu haben meine.

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg, 1946, wurde in Belgrad ein Mädchen geboren, in militärischen Würden. Man küsste sie nicht, umarmte sie nicht, weckte sie aber mitunter Nachts auf, weil sie zu unordentlich schlief.

Von ihren Eltern lernte sie wie man ohne Zärtlichkeit heranwachsen kann und ließ sich die Disziplin in den Körper pflanzen, von ihrer Großmutter lernte sie, die Seele vom Körper zu trennen. Sie begann zu malen. 1959 Marina ist dreizehn Jahre alt, lassen sich die Eltern scheiden. Zwei Jahre darauf beginnt sie ihre Träume zu zeichnen. Vom Vater wünscht sie sich Ölfarben, um eine „ernsthafte“ Künstlerin zu werden. Der zieht einen ehemaligen Kollegen zu Rate, von dem Marina die erste (und sehr nachhaltige) Lektion in Sachen Kunst erhält. Das Resultat dessen, was dieser „Lektor“ ihr gezeigt hat, ist nach wenigen Wochen zu Schutt und Asche zerfallen. Genau das führt Marina auf den Weg, den sie im Laufe ihres Lebens immer konsequenter gehen soll. Es ist nicht das Resultat, sondern der Weg dorthin, der zählt, Kunst findet im Moment statt.

Seit 1968 entstehen Texte, Zeichnungen und konzeptuelle Arbeiten. Marina beginnt Kunst zu studieren. Seit 1973 verschreibt sich Marina Abramovic der Performance. Von 1973 bis 1975 geht sie einer Lehrtätigkeit an der Akademie der Bildenden Künste in Novi Sad nach.

Seit ihrem Debüt als Performance Künstlerin mit 27 Jahren in Belgrad, sagt Abramovic, habe sie realisiert, „dass die Grenzen des Körpers das Grundthema meiner Arbeit bilden musste.“

In Rhythem 10 aus dem Jahr 1973, spielt Abramovic russisch Roulette mit ihren Fingern, nach jedem „Treffer“ benutzt sie ein neues Messer. Es scheint als hätte jede Aktion einen biografischen Hintergrund. So scheint Rhythem 10 vom Andenken an den Großvater inspiriert zu sein, der sich als Patriarch der orthodoxen Kirche dem königlichen Befehl der Wiedervereinigung der orthodoxen mit der katholischen Kirche widersetzte, woraufhin er zu einem qualvollen Tod verurteilt wurde.

Rhythem 5 nennt Abramovic eine ihrer spektakulärsten Performances: Sie übergießt einen Sowjetstern mit Benzin, legt sich hinein, lässt ihn anzünden – und wird ohnmächtig, weil das Feuer den Sauerstoff verbraucht hat.

Den Höhepunkt der Selbstgefährdung erreicht Abramovic 1974 in Neapel mit Rhythem 0. Bei dieser Performance konnten Galeriebesucher zuvor bereit gestellte Gegenstände von einem Tisch nehmen und mit Marina Abramovic tun, was sie wollten. Die Künsterlin selbst hatte sie von jeglicher Verantwortung freigesprochen.

Die Zeit schreibt über diese Performance: „Die Performance von Marina Abramovic wirkt gerade deshalb so verstörend und aktuell, weil sie die Besucher nicht mit Unfreiheit, sondern mit Freiheit konfrontierte. Die Künstlerin befreite sie selbst von den möglichen Folgen ihres Handelns.“

Die Lage eskalierte, die Menschen verletzten Abramovic und tranken ihr Blut.

1975 verstösst Marina Abramovic zum ersten Mal gegen das sechste Gebot ihres Manifestes, und verliebt sich in einen anderen Künstler. Sie begegnet Ulay in einer Amsterdamer Galerie und eine große Liebe und wunderbare Zusammenarbeit beginnt.

Ein Art Abschied von den ersten zehn Jahren Arbeit markieren 1975 drei Performances, die auf dem Bildschirm der Amsterdamer Galerie de Appel laufen:

Freeing the voice“

Freeing the body“

Freeing the memory“

heißen die drei Aktionen, die Marina Abramovic als „house cleaning“ bezeichnet. Als reinigende Zäsur, bevor sie die Zusammenarbeit mit Ulay beginnt.

In diesen „Befreiungsaktionen“ geht es darum, einen Zustand der Leere zu finden. In freeing the voice, schreit Abramovic so lange, bis ihr die Stimme versagt, in freeing the body, tanzt sie, bis sie zusammenbricht und in freeing the memory spricht sie Worte aus, bis ihr keine mehr einfallen.

Was fasziniert mich an dieser Künstlerin, die ihren Körper (ihr Leben) zum Kunstwerk macht, die radikal ist, den Schmerz sucht, statt ihm auszuweichen, die ihr gesamtes Leben ihrer Kunst unterordnet?

In einem Stern-Interview aus dem Jahr 2010 sagt sie: „Mein ganzes Leben hatte ich immer ein Gefühl für den Sinn meines Daseins, warum ich hier bin, was ich tue, warum es wichtig ist, sein Leben einer Idee zu opfern.“

Das alles ist mir fremd und doch nicht so fremd, wie es auf den ersten Blick scheint, denn die Art der Ausführung ist einmalig, ist Marina Abramovic, aber die Ansprüche, Thesen und Glaubenssätze, die sie formuliert, sind universell. Und vielleicht liegt genau in diesem Abstand die große Anziehungskraft, die Marina Abramovic und ihre Kunst auf mich ausüben.

17 Gedanken zu “Marina Abramovic 1946 – 1975

  1. ich betrachte mit gewisser befremdung meine faszination zu dem, was du schreibst. es durch und durch wahrhaftige kunst, die abramovic zeigt und lebt und ist. ja, ich bin fasziniert. aber das wird ihr so gar nicht gerecht, dünkt es mich. ich möchte es tiefer verstehen.

    unter die haut geht mir der von dir zitierte stern-interview-satz und ich beneide sie beim lesen um dieses gefühl für den sinn ihres daseins.

    wirre gedanken zu einer spannenden spurensuche … danke fürs forschen und teilen!

    herzlich, soso

    1. Du sprichst etwas an, dass mich gerade im Zusammenhang mit meiner (man kann es fast schon Obsession nennen) Beschäftigung mit Abramovic, beschäftigt hat: Neid.
      Ich bin normalerweise ständig neidisch, auf ein gut geschriebenes Buch, einen großartigen Satz, immer denke ich, das möchte ich auch können, wäre doch mir das eingefallen, etc. pp. Und so ist meine Bewunderung selten frei von Neidgefühlen. Und das wunderbare am Lesen und Sehen und Forschen über Abramovic ist für mich, dass ich sie großartig finde, bewundernswert, aber ich strebe in keinem Punkt irgendeine Nachahmung an, ich denke an keinem Punkt, das möchte ich auch. Ich denke eigentlich immerzu nur: Danke! Danke, dass sie das alles auf sich nimmt, das sie uns ihre Kunst und ihre Weisheit und ihre Kraft gibt, dass sie das alles mit uns teilt.
      Befreiender als diese Beschäftigung mit Marina Abramovic war noch keine Auseinandersetzung mit einem anderen Künstler für mich.
      Danke, dass Du mir durch deinen Kommentar dazu verholfen hast, das noch einmal für mich zu klären.
      herzlich m.

  2. Es ist immer interessant, sich mit interessanten Leuten zu beschäftigen. Das schätze ich auch an gegenwärtiger Kunst, dass sie tatsächlich auf unsere Zeitproblematik Bezug nimmt, nicht nur so drumrum tätschelt. Ich lernte mal einen chinesischen Künstler kennen, dessen Name Nagel hieß. Ich dachte: das passt.

    1. Ja manchmal sind Namen wirklich aussagekräfig.
      Bei Abramovic kann ich das bestätigen, dass sie sich sehr mit der Zeitproblematik beschäftigt. Im doppelten Wortsinn. Sie sagt z.B., dass eines der größten Probleme des modernen Menschen die permanente Rastlosigkeit ist, die Hetze und Hektik, die uns immer und ständig und überall umgibt, und dem setzt sie ihre Performances entgegen, Aktionen bei denen sie tut, was den meisten von uns am allerschwersten fällt: nichts.

  3. Liebe Mützenfalterin,
    gerade las ich diesen Artikel von Dir zum ersten Mal, und ich weiß, dass ich ihn noch einige Male lesen muss … und möchte! Jetzt nur schon: mir gefällt sehr, mit wie viel Faszination, Kenntnis und (auch im Kommentar) ganz eigenen, mutigen Selbstäußerungen Du hier schreibst! Es rührt mich eigentlich sogar an.
    Mich selbst irritiert und hemmt mitunter diese Art der Performance, wenn sie so nah und erbarmungslos mit dem eigenen Körper der Künstlerinnen und Künstler verbunden ist. Ich scheine da eine Scheu oder eine Grenze in mir zu haben, aufgrund derer ich beispielsweise kaum nachvollziehen kann, wie eine Performance so eskalieren kann, dass das Blut der Künstlerin getrunken wird.
    Ich freue mich an Deiner intensiven Beschäftigung mit ihr, die mich tatsächlich, wie ich Dir schon schrieb, zu einer weiteren Auseinandersetzung mit der Künstlerin inspiriert. Unter anderem habe ich mich eigentlich erstmals intensiver mit dieser Scheu, die ich empfinde, vertraut gemacht. Das finde ich spannend. Vor allem, warum das wohl so ist.
    Danke dafür,
    herzliche Grüße, mb

    1. Liebe mb,
      herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Das zu lesen, tut mir gut. Es gibt eine kleine Geschichte dazu, dass ich relativ viel persönliches in diesen Artikel gepackt habe. Willst Du sie lesen?
      Vor einigen Monaten habe ich einen kleinen Aufsatz von Josef Hasslinger gelesen, u.a. erzählte er darin von den Schulerfahrungen, die seine Kinder in Amerika gemacht hätten, über ein Schulsytem, das sich gründlich von unserem unterscheidet. Am meisten beeindruckt hat mich, dass er von einem Lehrer erzählte, der die Kinder Aufsätze zu aktuellen Phänomenen schreiben ließ, also z.B. zu Computer, Raumfahrt etc. pp. Neben den allgemeinen und technischen Aspekten, legte er aber großen Wert darauf, dass die Kinder auch schrieben, was dieses Phänomen mit ihnen zu tun habe. Erst so lernten sie seiner Meinung nach, wirklich verstehen, wovon sie redeten. Und so kam es, dass ich mir nach dem eigentlichen „Lebenslauf“ der Marina Abramovic noch einmal explizit die Frage stellte, was das alles eigentlich mit mir zu tun hat.
      Diese Neapel Performance, die dermaßen aus dem Ruder gelaufen ist, irritiert mich auch über die Maßen. Ich glaube, ich möchte einfach nicht wahrhaben, wie dünn der Mantel der Zivilisation ist und wie schnell er reissen kann.
      Worin genau äußert sich diese Scheu in Dir, von der Du schreibst? Magst Du das erzählen?
      herzlich m.

  4. es ist ja kein Geheimnis mehr, dass du mich mit deiner Faszination angesteckt hast- seitdem ich ihr Manifesto gehört habe, sie sah und Ausschnitte aus ihren vielen performances sah, vergeht kein Tag, an dem nicht etwas in mir resoniert. Sie stößt wirklich etwas an mir.
    Sie zeigt mir eine so klare Haltung zu sich und dem was sie tut, dass ich denke, DARUM geht es. Was halte ich mich doch mit Zweifeln und Ängsten und ja auch Neid auf. Wieso nicht all diese verschwendete Energie mir und meinen Werken widmen!?
    Herzblut braucht es, das ist auch so ein Fazit, was ich zu Marina Abramovic und ihrem Werk ziehe.

    So, wie sie mit ihrem Körper und ihren Grenzen umgeht, ist für mich selbst erst einmal unvorstellbar. Vieles, bei dem sie ihrer Kunst gedient hat, würde ich absolut nicht aushalten … aber ihre körperliche Nacktheit kann ich übertragen und mir erlauben mich zu fragen, wieso denn nicht nackt sein, wieso denn nicht mein Gesicht zeigen?

    Ja … sie stößt unglaublich viel in mir an. Ich bin dir so dankbar, dass du sie uns vorgestellt hast. Eine Vorstellung, die wirklich Folgen hat.

    herzliche Grüße
    Ulli

    1. Liebe Ulli,
      ich finde es außerordentlich schön, dass ich Dich angesteckt habe. Weil ich sonst vermutlich nicht so bald, diesen Satz von Dir gelesen hätte: „Was halte ich mich doch mit Zweifeln und Ängsten und ja auch Neid auf. Wieso
      nicht all diese verschwendete Energie mir und meinen Werken widmen!?“
      Ja, das stimmt, denke ich mir, Zweifel, Ängste und auch Neid verbrauchen eine Menge Energie, die an anderer Stelle fehlt, aber sie sind ja auch wichtig. Sogar der Neid, glaube ich. Dennoch, das habe ich ja schon geschrieben, ist es ein herrlich befreiendes Gefühl, ihn einmal nicht zu empfinden und statt dessen Gefühle zu haben, die einen geradezu mit neuer Energie aufladen. Darum geht es ja auch ganz viel bei Marina Abramovic, um Transformation.
      Ich finde es wirklich wunderschön, hier so eine „folgenschwere“ Beschäftigung mit einer außergewöhnlichen Künsterlin teilen zu können.
      Danke dafür
      m.

  5. Ich habe die anderen Kommentare noch nicht gelesen, das mache ich oft gerne im Bett mit dem iPhone. Aber ich möchte hierzu etwas schreiben, auch wenn ich noch nicht genau weiß, was. Meine erste und dringendste Frage, die sich mir entgegenschleuderte war: Hat diese Frau Kinder? Die Zweite ist: Wenn ja, wie kann sie den Spagat zwischen Verantwortung als Mutter und ihrer Kunst hinbekommen, wie kann sie sich selbst ihrer Verantwortung entziehen, wenn sie davon ausgeht, dass ihre Kinder a) ihr Tun sehen und b) ihre Mutter vielleicht Verletzungen davon trägt, an denen sie zerbrechen wird? (auch wenn sie alles andere als zerbrechlich ist.)

    Ich glaube deshalb, sie hat keine Kinder. Ich glaube, hätte sie welche, hätte sie sich diesem Körper, mit dem sie zeigen will, was die Grenzen sind und wie wenig Dualismus zwischen Körper und Seele wir eigentlich tragen (genau das impliziert für mich ihre Kunst nämlich, dass diese Körper-Seele-Dichotomie nichts als Schein ist) nicht in dieser destruktiven Form hingeben können. Ich glaube, dass Kinder uns automatisch dazu bringen, auf uns selbst zu achten, und Selbstachtsamkeit wäre ihrer Kunst nicht zuträglich gewesen.

    Mein Mann hat mit mir diesen Film gesehen, und er formulierte sehr vorsichtig und zögerlich folgenden Satz: „Wie soll man bei dieser Frau oder dieser Art von Kunst zwischen psychischer Störung und Künstlerdasein unterscheiden?“ Ich antwortete kurz und knapp: „Gar nicht.“

    Marina Abramovic hat für mich durch „The Artist is Present“ den Kreislauf der Härte und Lieblosigkeit fortgeführt (gegen sich selbst), aber ihn gleichzeitig durchbrochen, indem sie sich selbst an die Menschen geschenkt hat. Für mich hat diese Frau sich in einem sehr hohen Maße verschenkt. Sie verlangte nichts dafür außer, dass die Zuschauer selbst ein Teil ihrer Kunst werden.

    Die Perfomance, die davor war, hört sich für mich an wie ein sehr störrischer Versuch, die Disziplin von Innen und Außen zu durchbrechen, indem sie sich einem Strom (dem Publikum) hingibt, ohne auf Regeln und Ordnung zu achten und indem sie durch das Entbinden der Verantwortung anderer den Zuschauern die Freiheit gibt. Diese Perfomance löst in mir Wut und Respekt aus, ich will sie einerseits schütteln andererseits will ich ihr glauben (und bin fast davon überzeugt), dass das, was sie tut, von unermesslichem Wert ist/wäre, wenn es nicht diese einigen wenigen Zuschauer gäbe, die sie für ihre eigenen Zwecke nutzen würden. (Was auch bei „The Artist is Present“ sichtbar war vor allem bei dieser Frau, die sich unbedingt ausziehen wollte, auch wenn einige andere gerne nun einen tieferen Sinn darin sehen möchten, ich habe sie als Aufmerksamkeitshascherin auf Kosten von M.A. gesehen).

    Ich weiß nicht, was ich sagen soll, nur, dass ich mehr über sie erfahren möchte. Was treibt sie? Glaubt sie denn, wir verstehen sie? Glaubt sie das? Extreme werden fast nie verstanden und werden irgendwann in die Kategorie „verrückt“, „geisteskrank“, „gefährlich“ oder „verzweifelt“ wahrgenommen. Vor allem aber kann sie so als groteskes, realitätsfremdes Bild gesehen werden, das weit weg von uns und unserer Realität ist.

    Wie konnten die Zuschauer sich so von ihr entfremden, dass sie sie ernsthaft verletzten und ihr Blut tranken? Oder war es Begehren?

    Soweit ich mich erinnere, sagte Marina Abramovic, dass sie damit zeigen wollte, was Menschen tun, wenn sie es tun können und dürfen.

    Was ich mich noch frage ist: Schloss sie da Mord mit ein? Waren die Menschen in dem Moment vom juristischen System ausgeschlossen? Hätte ein Verrückter sie ermordet, was wäre passiert? Und warum war sie bereit, für diese Erkenntnis, die vielleicht nur ein paar Menschen „gegönnt“ gewesen wäre, zu sterben?

    Ein Teil von mir, der, der für sich lebt, der, der sich denkt, was er tun würde, wenn er keine Verantwortung hätte, versteht sie. Der andere, der, der hier in dieser Realität lebt, der, der funktionieren, leben und überleben muss, weil er Verantwortung hat, will schreiend weglaufen.

    Ich habe große Empfindungen, wenn ich an ihr Gesicht denke. Ich möchte sie pausenlos umarmen. Das ist alles, was am Ende übrig bleibt, wenn ich an sie denke.

    1. Danke für diesen sehr ausführlichen, sehr überlegten Kommentar, Sherry. Ich fange mal mit den Kindern an: nein, Abramovic hat keine Kinder, ich unterstelle ihr, nach dem, was ich von ihr gelesen und gesehen habe, dass sich die Frage in ihrem Leben nie gestellt hat. Sie hat sehr früh ganz klar den Sinn ihres Lebens in der Kunst, in ihrer Art der Kunst, gesehen und ich bin sicher, wer sich so radikal einem Ziel verschreibt, weiß was er tut, und dass in so einem Leben Kinder, nicht einmal eine „normale“ Beziehung einen Platz haben. Und ich bin mir sicher, sie war bereit, diesen Preis zu bezahlen,so wie ich bereit bin, nie wirklich radikal zu werden, weil ich mich für meine Kinder entschieden habe.
      Ich bin mir nicht sicher, ob ich Deiner Aussage, dass ihre Kunst destruktiv ist, zustimme. Ist es denn wirklich weniger destruktiv, nur auf sein Wohl zu achten? Sie selbst hat irgendwo gesagt; dass sie während der Performances nie Schmerzen gehabt hat, obwohl sie oft voller blauer Flecken war, körperlich ganz sicher am Ende, für sie, so sagte sie es, sei es immer eine Form von Glück gewesen. Ich sage nicht, dass ich das verstehe, ich kann es vermutlich auch nicht nachvollziehen, aber ich glaube ihr. Ich meine, Du hast ihr Gesicht selbst gesehen: sieht so eine Frau aus, die sich und andere belügt?
      Und ich glaube es ist möglich zwischen Kunst und psychischer Störung zu unterscheiden. Ehrlich gesagt, verstehe ich nicht, wie Dein Mann zu dieser Aussage kommt und Du zu dieser Antwort. Aber das kann natürlich auch an unserer unterschiedlichen Perspektive auf das Phänomen der Performances von Abramovic liegen. Ihr kennt Schmerzen und Gefährdung, seelische wie körperliche aus ganz anderen Zusammenhängen und Du bist noch dazu Pschologin, während ich vermutlich viel unbelasteter und naiver an ihre Kunst herangehe.
      Ich kann natürlich niemals für Abramovic antworten, aber auch zu Deiner nächsten Frage habe ich eine Haltung, die mir mehr scheint als eine Vermutung, ich glaube nicht, dass Marina Abramovic sich die Frage stellt, ob sie verstanden wird, sie erlebt, dass sie etwas bewirkt, sie hat z.B. vor dieser MoMa Sache mitten in New York in einem kleinen Zimmer gelebt und dort nichts getan, außer drei Mal am Tag zu duschen und die übrige Zeit nichts zu tun, und hat dabei erlebt, wie immer häufiger Menschen, erst minuten, später stundenlang stehenblieben, um sie zu beobachten. Da war auf einmal die Möglichkeit der Ruhe, des Sich Zeit lassens, des sich einlassens, und das in einer hektischen Stadt wie New York. Ich meine, was ist denn „verrückter“; sich dieser ganzen Hektik hinzugeben und zu funktionieren, oder sein Leben einem tief empfundenen Sinn zu weihen, unabhängig davon, ob andere das verstehen?
      Diese Neapel Performance ist ein Kapitel für sich. Ich habe schon mb geschrieben, dass ich damit auch große Schwierigkeiten habe. Klar kann man sich bei dieser Aktion die Frage stellen, ob Abramovic lebensmüde oder naiv gewesen ist, und was sie eigentlich damit erreichen wollte. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, gelesen zu haben, dass es zunächst sehr friedlich zuging, dass die Besucher sehr gut zu ihr waren und dann kippte die Stimmung. Vielleicht hatte Abramovic so viel Vertrauen, dass sie glaube, ihr werde nichts geschehen, irgendwie so ein Vertrauen, das nur auf den ersten Blick wie Fatalismus aussieht. Verstehst Du, was ich damit meine?
      Und erreicht hat sie doch einiges damit, oder? Wir denken jetzt und hier, Jahrzehnte später, darüber nach, was da eigentlich passiert ist, und ich glaube heute wäre die Situation vermutlich noch schneller eskaliert. Da ist so viel Aggression in unserer Welt und so wenig, was uns davon abhält, sie auszuleben.
      Ich finde es ganz wunderschön, so tolle Diskutanten hier zu haben, mit denen ich mich über Abramovic austauschen kann.
      Ich hoffe mein Vorhaben am Wochenende den zweiten Teil ihrer „Biografie“ zu schreiben, verwirklichen zu können. Bis dahin noch einmal danke für Deinen Beitrag zu dieser Diskussion.

      1. Vielen Dank für deine Antwort, liebe Mützenfalterin. Ich glaube nicht (ganz), dass speziell Marina psychisch krank ist (und wäre sie es aufgrund ihrer Kompromisslosigkeit geworden, würde ich sie nur umso mehr bewundern), aber ich glaube schon, dass es verständlich ist, wenn man sie oder ihre Kollegen und Kolleginnen, die z.B. mit Anlauf gegeneinander laufen und aneinander abprallen, sich schneiden oder anderweitig selbst verletzen, auf dem ersten Blick grenzwertig als psychisch krank gesehen werden können. Für mich ist das zwar nicht der wichtigste Aspekt meines Kommentares gewesen, aber vielleicht ist er das ja doch und ich merke es jetzt, wo ich darauf antworten muss: Das ist das, was ich mit Extremen meine. Für mich ist Marina Abramovic kein normaler Mensch, für mich als Mensch und gerade als Psychologin ist es auch nicht normal, dass jemand körperliche Schmerzen ohne Schmerzen aushält (also dissoziiert in einem Maße, was man sonst nur bei Traumaopfern kennt). Das sind Skills, die man normalerweise in lebensgefährlichen Extremsituationen „lernt“ und später eher unfreiwillig weiter durchleben muss, ohne Kontrolle. Deshalb muss ich mich natürlich fragen, was der Hintergrund dieser Fähigkeit (wenn sie sie denn wirklich in dem Maße hat) ist. (Übrigens: Normal wird hier nicht wertend benutzt, sondern im Sinne von „eine Seltenheit“).

        Ob ich glaube, dass sie keine Schmerzen hat? Nie? Nein, tue ich nicht. Ich glaube aber auch nicht, dass sie lügt, denn man kann mehr als nur eine Empfindung haben. Empfindungen können konträr und simultan ablaufen und gerade gemeinsam zu dem werden, was man braucht. Sie kann pures Glück empfinden bei ihrer Performance, aber sie kann danach oder währenddessen Schmerzen haben und gerade diese körperliche Erfahrung als Glück empfinden. Sie hatte nach dem Sitzen oft Schmerzen, sie schienen manchmal fast unerträglich zu sein, so dass sie unruhig wurde und nicht wusste wohin mit ihrem müden Körper. Ich glaube sogar, dass sie diese Art von Schmerz braucht, gerade, um die Grenzen ihres Körpers zu erfahren. Und ich glaube nicht, dass sie vollkommen davon ausging, dass man den Menschen vertrauen kann, als sie ihnen erlaubte, zu tun, was immer sie auch wollten. Irgendetwas in mir sagt, dass sie zumindest kleinere Eskalationen vorausgesehen oder sogar erhofft hat, denn sie wollte etwas zeigen (auch hier sind wir wohl verschiedener Meinung. Ich glaube nämlich sehr wohl, dass sie etwas sagen will). Wenn Menschen etwas tun können – also die Macht dazu erhalten -, dann kann es sein, dass sie es auch wirklich tun. Sagte sie nicht so etwas?

        Marina Abramovic scheint durch ihre Herkunft einen Bezug zu Krieg und menschlichen Abgründen zu haben. Ich greife da vielleicht etwas zu weit in die Interpretationsschiene, aber ich glaube, dass sie trotz ihrer Liebe zu Menschen kein naives Urvertrauen ihnen gegenüber hegt. Ich glaube viel eher, dass sie um die destruktive Energie von Menschen weiß, aber diese akzeptiert, sie als vollwertigen Teil der menschlichen Geschichte sieht und sie aufdecken und vielleicht sogar verletzlich und liebevoll erscheinen lassen möchte. (Nur ein Gedanke, kann sich gleich auch ändern).

        Du fragst, was seltsamer ist: In sich zu ruhen oder hektisch durch die Straße zu rennen. Wie kann ich auf diese Frage antworten, ohne den Kontext zu betrachten? In einer Welt, in der du arbeiten und rennen musst, um zu überleben und deinen Kindern ihr College zu bezahlen und Zuhause etwas zu Essen nach Hause zu bringen, ist der Mensch, der sich hetzen lässt, der weniger Seltsame, denn er kämpft um’s Überleben. Das „weniger Seltsame“ kommt aus der Notwendigkeit der Hektik zustande, die „vollzogen“ werden muss, um mitzuhalten und zu überleben. Wenn wir aber die Rahmenbedingungen (das System an sich) betrachten, das uns Menschen sagt, wir müssen 12 Stunden am Tag arbeiten und hetzen, um zu überleben, dann würde ich sagen: Ja, dieses System ist krank und nicht ganz artgerecht. Wenn nun ein Mensch dort still weilt und nur drei Mal am Tag duscht und sonst nichts tut, dann ist das zwar etwas Wunderbares, aber in Anbetracht all der „Überlebenwollenden“ und in dem zwingenden Kontext eher das seltsamere Bild (wenn auch schönere Welt) neben denen, die laufen, um zu überleben. Seltsam im Sinne von selten und erst einmal anders und nicht verständlich. Und genau deshalb bleiben die Menschen auch stehen und beobachten sie. (Es ist übrigens wunderbar, wie sie Menschen aus ihrem falschen (?) Rhythmus schleudert, einfach, indem sie sie dazu bringt, sie bei ihrer Ruhe zu beobachten. Das nur am Rande.)

        Ich sehe in ihrem Handeln immer noch etwas Destruktives. Nicht, weil ich Destruktivität per se als schlecht ansehe (nein, denn ohne Destruktivität kann es keine Aufopferung geben), sondern weil ich nicht umhin kann, zu sehen, dass hier jemand sich nicht nur in Bezug auf Zeit, Gedanken und Gefühle für eine Sache aufopfert, sondern auch körperlich. Wir Menschen haben noch immer ein sehr starkes Alarm- und Schutzsystem, wenn es um unsere körperliche Unversehrtheit geht. Wenn man das umgehen kann bis zu einem gewissen Grad, dann ist etwas in einem Bereich, das ich erst einmal abnorm nennen muss (auch das eher wertfrei, nur bezogen auf dem, wie Menschen normalerweise funktionieren). Irgendetwas in Marina Abramovic hat eine Hemmschwelle so weit hoch gelegt, dass es für uns selbst nicht mehr erreichbar ist und bei uns Fragen und Staunen oder Befremdung auslöst. Wie ist sie dazu gekommen, eine so andere Schmerzgrenze zu haben als wir? Ist sie eine solche Künstlerin geworden, weil diese Schmerzgrenze vorher schon anders war, oder ist diese Schmerzgrenze und Extremität entstanden durch ihre Kunst?

        Ich finde, ganz anders als du, dass kompromisslose Künstler’innen im Grunde Grenzgänger sind zwischen Gesundheit und Abdriften, immer einen Fuß im Bereich der eigenen Dunkelheit, die sie verschlingen könnte. Nur so können sie es schaffen, ein Thema viel tiefer als der normale Mensch zu umkreisen (wir sprachen darüber, über das Umkreisen). Sie sind es, die durch ihren Mut, sich mit ihren beängstigenden Anteilen auseinanderzusetzen, uns ein wenig mehr über uns selbst und unsere Zeit zu erzählen, als wir es tun könnten. Wären sie nicht diese mehreren Schritte tiefer gegangen als wir, bräuchten wir entweder keine Künstler mehr oder wir wären alle welche (es hätte keinen „Mehrwert“ im Sinne einer weiteren Erkenntnis gegeben, gingen sie nicht so weit). Und wie du weißt, gehöre ich zu den Menschen, die nicht jeden und alles für Künstler oder Kunst halten. (Ich finde aber auch nicht, dass man destruktiv sein muss in dem Maße, um als echter Künstler zu gelten!)

        Doch Marina Abramovic ist für mich eine Künstlerin, durch und durch. Und das sage ich als jemand, der sich noch nie in ihrem Leben mit Performance Kunst beschäftigt hat. Und wenn ich ihr auch 10 psychische Störungen bescheinigen würde (was ich nicht wage), wertet sie das für mich nicht ab, im Gegenteil, für mich wird sie so zu einer Exotin, die genau dadurch die Fähigkeit bekommt, uns anzuziehen.

        Um mehr schreiben zu können, muss ich mehr über sie erfahren. Das hier sind erste und sehr unstrukturierte Eindrücke. Sie können sich ändern, sie können abflauen oder sich noch mehr begeistern und Feuer fangen … Ich freue mich sehr auf deinen zweiten Teil. Aber bitte setz‘ dich nicht zu sehr unter Druck. Und danke für diese intensive Auseinandersetzung. ❤

      2. Liebe Sherry, jetzt will ich versuchen auf Deinen Kommentar näher einzugehen. Ich empfinde es als schwierig, weil wir uns weniger über ein Thema unterhalten, als über eine Frau, die wir unterschiedlich sehen und beurteilen, bzw. eben nicht so unterschiedlich, wie es scheint. Nein, natürlich ist Marina Abramovic keine „normale“ Frau. Sie ist eine Künstlerin, die es geschafft hat, Performance in die ganz großen Museen, in die Kinos und in die Köpfe von ganz vielen Menschen zu bringen, die sich niemals zuvor für Performance interessiert haben. Und natürlich hast Du Recht, sie empfindet Schmerzen, aber sie schafft es diese Schmerzen zu überwinden. Ich habe dazu ein Zitat in meinem zweiten Teil (der aber vermutlich leider doch noch nicht dieses Wochenende fertig wird).
        Du schreibst: Ich glaube sogar, dass sie diese Art von Schmerz braucht, gerade, um die Grenzen ihres Körpers zu erfahren. Und fast genau dasselbe sagt sie selbst in einem Interview, was mir nur wieder einmal beweist, wie unglaublich sensibel Du bist, was für eine große Fähigkeit Du hast, Dich in andere Personen einzufühlen.
        Was das Neapel Ding angeht, meinte ich nicht Marina Abramovics Vertrauen in die Menschen, nein für naiv halte ich sie sicher nicht, eher ein großes Vertrauen in sich und ihr Leben, so etwas wie Glaube an Schicksal. Sie, und das ist jetzt reine Vermutung von mir, und hat deswegen u.U. weitaus mehr mit mir als mit Marina Abramovic zu tun, so stelle ich es mir vor, hat diese Auffassung, der Sinn ihres Lebens ist ihre Kunst, also, dass sie dafür auf der Welt ist, und daher vertraut sie ihren Ideen, wenn sie glaubt, sie muss sich jetzt den Menschen aussetzen auf diese höchst riskante Weise, dann tut sie es, weil sie es ein Stück weit für ihre Bestimmung hält, und darauf vertraut, dass es gut gehen wird, wenn es gut gehen soll. Verstehst Du, wie ich das meine?
        Bezüglich der Hektik sprichst Du vom Kontext, der notwendig sei, um eine Beurteilung vorzunehmen. Das ist rein wissenschaftlich natürlich richtig. Rein künstlerisch aber wäre genau das verkehrt. Der Künstler muss sich eben über den Kontext erheben können, muss sich diese Aussage zutrauen und trauen, dass der Kontext falsch ist und das Funktionieren in so einem Kontext erst recht. Wofür sonst, wenn nicht als Möglichkeit Alternativen und Widerstand aufzuzeigen, bräuchten wir sonst Kunst?
        Du sprichst die Schmerzgrenze von Marina Abramovic an. Auch dazu glaube ich im zweiten Teil mehr sagen zu können. Sie selbst ist durchaus der Ansicht, dass sie rein genetisch von ihren sehr speziellen Eltern etwas mitbekommen hat, und dann war da noch diese beinahe soldatische Erziehung, die sie sehr geprägt hat. Und dann die Tatsache, dass sie überzeugt davon ist, dass man körperliche Schmerzen überwinden kann, dass es notwendig (und zwar im wahrsten Sinne des Wortes) ist, an die Grenzen zu gehen, weil sonst keine Veränderung, keine Transformation stattfindet.
        Du sprichst ja selbst über die Bedeutung und Sinmhaftigkeit von Kunst, die eben über das „Normale“ hinausgeht und hinausgehen muss. Und im besten Fall bringt sie Menschen dazu, sich wirklich ausführlich mit ihren Auswirkungen, Thesen, Erscheinungsformen zu beschäftigen, und bei der Gelegenheit vielleicht ein wenig über sich und die anderen zu erfahren.
        Noch mal ganz herzlichen Dank für Deinen Beitrag.

      3. Es gibt hier eigentlich nichts, dem ich irgendetwas entgegensetzen wollen würde. Genau so sehe ich das ja auch: Sie erhebt sich aus unserer „kranken“ Normalität und zeigt auf, dass unsere Uhr falsch tickt, während wir erst noch stehen bleiben, weil wir denken, dass ihre falsch tickt. Ich freue mich so sehr, noch mehr über sie zu erfahren. Hat sie denn gar kein Buch geschrieben? Ich hoffe, sie wird eines Tages ihre Gedanken auf Papier bringen … Das wäre doch großartig, oder?

        Danke dir von Herzen, dass du sie uns so näher gebracht hast. Ich habe heute morgen mit meinem Mann eine dreiviertelstunde geredet. *lach*

  6. Danke Sherry, für diese Klarstellungen, die mir viel Stoff zum Nachdenken geben. Ich musste stellenweise schmunzeln, weil, wie schon so manches Mal bei unseren Diskussionen, sich im Nachhinein herausstellt, dass in manchen Punkten unsere Meinungen gar nicht so weit auseinander liegen, wie es erst einmal scheint, jedenfalls nachdem Du erklärt hast, was Du meinst. Ich will sagen, manche Dinge verstehe ich einfach „oberflächlicher“ oder einfach anders, als Du sie offenbar gemeint hast.
    Was den Druck angeht: ich setzte mich unter Druck nicht weiter an Abramovic zu schreiben, sondern zu tun, was der Alltag verlangt, Dir jetzt keine lange Antwort zu schreiben, sondern zu arbeiten, so herum ist das 🙂
    Also bis später ❤

  7. Liebe Mützenfalterin! Ein Beitrag feinster Gedanken, danke! ich habe Marina Abramovic vor drei Jahren in New York mit eigenen Augen gesehen. Ich war stundenlang durch Manhattan spaziert, abertausende Stimmen, Blicke, Ohren, Schrittgeräusche, das Heulen der Sirenen, das Kreischen der Subwaywagons, das Tosen der Luftturbinen – und dann plötzlich diese Stille, und in dieser Stille eine Frau in einem roten Kleid, fast ohne Bewegung. Ich erinnere insbesondere ihr bleiches Gesicht, und ich erinnere, dass mich nur selten zuvor eine menschliche Geste so intensiv berührte, wie jene der Künstlerin im MOMA. Viele Menschen weinten, nicht nur jene, die vor Marina Abramovic auf einem Stuhl Platz genommen hatten, auch beobachtende Menschen weinten. Von Zeit zu Zeit, mit einer unvergleichlich langsamen und anmutigen Bewegung, verlagerte die Künstlerin ihren Schwerpunkt. Hier in eine Fotografie, die ich damals aufgenommen habe : http://andreas-louis-seyerlein.de/air/marina-abramovic/

    Herzliche Grüße sendet
    Louis

  8. Lieber Louis, ganz herzlichen Dank für diese schöne Ergänzung durch eigene Erfahrungen samt Bildmaterial, über die ich mich aufrichtig freue, gerade weil Du dieses Talent hast, den Leser auf unvergleichliche Art mitzunehmen in die Orte und Welten, die Du bereist.
    Herzlich m.

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