Sansibar und das vorläufige Ende der Welt

Dezember 2012, Brackwede
Dezember 2012, Brackwede

Ein Satz, der sich nicht fortführen lässt.

Als Kind wünschte sich meine Schwester ein Pferd, sagt Sansibar.

[ich musste bei den Klassenarbeiten einen Rand im Heft lassen, den die Lehrerin mit roten Mustern verzierte, während meine Mutter Rotwein trank. Ich dachte immer sie trinkt Blut. Aber in Wirklichkeit war mir egal, was sie trank, ich hätte nur gerne gewusst, wessen Blut es war.]

Du bist so ehrgeizig, dass Du über Leichen gehen würdest, sagte meine Mutter zu meinem Vater, jedes Mal, wenn er vorhatte, uns zu verlassen. Das leuchtete mir ein. Daher also kam das Blut. Mein Vater ging über die Leichen, denen er vorher das Blut abnahm, damit meine Mutter ihren sogenannten Rotwein trinken konnte.

Hier und da gab es jemanden, der mir helfen wollte, aber am Ende wurde nie etwas daraus, schrieb meine Schwester in ihr Tagebuch. Auf dem Deckel waren Pferde. Man konnte es abschliessen. Den Schlüssel trug sie stets um den Hals, aber das Tagebuch lag offen auf dem Tisch.

Welches Tier würdest du gerne sein, wenn du die Wahl hättest, fragte sie mich. Ich sagte: Ein Regenwurm.

In diesem Jahr hatte es in Sibirien weit über 40 Grad unter dem Gefrierpunkt und die elektrischen Leitungen froren ein.