Susan Sontag „Kunst und Antikunst“

Gegen Interpretation

Ich habe vor einiger Zeit im Zusammenhang mit Mariana Abramovic schon einmal über dieses Buch gesprochen, über den Aufsatz „Gegen Interpretation“. Abramovic läuft immer noch nicht irgendwo in der Nähe, aber ich bin ja demnächst in Berlin und kann ihn hoffentlich dort sehen. Sontags Essay enthält aber so viele bedenkenswerte Gedanken, dass ich einige davon festhalten möchte.

Was ist der Wert von Kunst? Hat Kunst überhaupt einen Wert? Das ist die Ausgangsfrage und Sontag führt Plato an, der Kunst schlichtweg als Lüge bezeichnete, aber auch Aristoteles, der der Kunst immerhin einen „therapeutischen“ Wert zugestand, „da sie gefährliche Emotionen zutage fördert und läutert.“

Auch heute beherrscht diese Fragestellung die Einschätzung von Kunst. Es herrscht die Vorstellung, „daß das Kunstwerk mit seinem Inhalt identisch ist.“

Da der Inhalt dermaßen im Vordergrund steht, ergibt sich die Notwendigkeit der Interpretation, die dann wiederum die Vorstellung, dass es einen Inhalt der Kunst gibt, verfestigt.

Nun könnte man fragen, was denn bedenklich oder überhaupt bemerkenswert daran sein sollte, dass Kunstwerke interpretiert werden. Auf ein Werk einzugehen und es mit Sinn zu füllen, sollte doch genau das sein, was sich jeder Künstler wünscht.

Sontag setzt dem entgegen, dass die Interpetation den Text verändert, das Kunstwerk zähmt. Sie schreibt: „Wirkliche Kunst hat die Eigenschaft, uns nervös zu machen. Indem man das Kunstwerk auf seinen Inhalt reduziert und diesen dann interpretiert, zähmt man es.“

Ihrer Meinung nach, wäre eine entgegengesetzte Herangehensweise die richtige: „Unsere Aufgabe ist es vielmehr, den Inhalt zurückzuschneiden, damit die Sache selbst zum Vorschein kommt.“

Und das sollte auch der Grundsatz sein, nach dem die Kritik arbeiten sollte: „Die Funktion der Kritik sollte darin bestehen aufzuzeigen, wie die Phänomene beschaffen sind, ja selbst, daß sie existieren, aber nicht darin, sie zu deuten.“

Aber ist das überhaupt möglich? Ist nicht die bloße Beschreibung, die Wiedergabe der Form, bereits Interpretation? Eine Verschiebung von der inhaltlichen zur formalen Interpretation?

Kunst ist, wenn sich der Inhalt in Form auflöst, wenn die Form den Inhalt in den Hintergrund treten lässt, erläutert Sontag in folgenden Aufsatz „Über Stil“ am Beispiel der Filme von Leni Riefenstahl, die in den gelungensten Fällen über Nazipropaganda hinausgehen. „Leni Riefenstahls Genie bewirkte, daß der „Inhalt“ – wenn auch vielleicht gegen ihre eigene Absicht – eine rein formale Rolle spielt.“

21 Gedanken zu “Susan Sontag „Kunst und Antikunst“

  1. Die Frage um die Kunst geschäftigt uns immer wieder!
    Ein interessanter Beitrag.
    Meines Erachtens nach gehören, Form, Inhalt, Künstler und Rezipient zusammen. Und jeder Rezipient wird eine eigene Sichtweise für das Werk herausfinden. Und auch das gehört wieder zum Kunstwerk.
    Das mit Leni Riefenstahl finde ich sehr interessant.
    Es gibt soviele Wege ein Werk zu betrachten.
    Jeder Historiker hat seine eigene Methode.
    Einen schönen ABend wünscht dir Susanne

    1. Ja, die Frage beschäftigt uns immer wieder, weil es vermutlich keine Antwort gibt, die univeral gilt. Du sprichst es ja selbst an, ein Historiker wird ein Werk nicht nur ganz anders interpretieren, sondern überhaupt eine unterschiedliche Wahrnehmung haben als ich. Ich glaube auch tatsächlich, wie Petra es ja auch anspricht, dass es Sontag nicht generell um die Verteufelung von Interpretationen ging, sondern um diese Art wie die Kritik sie immer noch viel zu häufig anwendet, nämlich nicht nur wertend, sondern absolut, so dass ich als Betrachter gar keine Chance mehr habe, mir eine andere, eigene, abweichende Meinung zu bilden, ohne mich gleichzeitig als naiv und unwissend zu qualifizieren. Denn Freiheit ist etwas, was für mich vielleicht den größten (oder jedenfalls wichtigsten) Bestandteil von Kunst ausmacht.
      Vielen Dank für Deine Gedanken zu dem kleinen Artikel und ein schönes Restwochenende
      m.

      1. Ich denke, ich sehe die Kunstkritik, auch wenn es scheint, sie würde absolut herüberkommen, nicht absolut.
        Unser Wissen sollte das verhindern und ist eine Kritik nicht schon gelungen, wenn sie provoziert und zum Denken anregt?
        Ein Weg ein Bild zu ergründen ist, sich die verschiedenen Kunstkritiken vielleicht sogar aus verschiedenen Jahren anzuschauen und selber einen neutralen Blick darauf zu werfen.
        Ich höre das oft, dass die Leser sich nicht trauen, zu kommentieren oder zu schreiben aus Angst, etwas falsches zu sagen.
        Aber diese Angst muss niemand haben…. vielleicht ist es auch ein Problem des Selbstbewußtseins…..
        ich wünsche dir auch ein schönes Restwochenende,
        lg Susanne

  2. Einer meiner Lieblingsessays von Susan Sontag, liebe Mützenfalterin! Dem Thema haben sich auch viele andere Autoren gewidmet, z. B. Alberto Manguel, den ich auch sehr schätze. Ich habe mich dazu in Ganz weit weg etwas ausführlicher geäußert, dabei ging es vor allem um Texte und Lesen, das meiner Ansicht nach immer eine Interpretation durch uns nach sich zieht:
    „Beim Lesen interpretiere ich den Text, knüpfe seine Aussage in mein Gedankennetz ein und mache ihn mir zueigen. Damit habe ich daraus womöglich schon etwas anderes gemacht als ein anderer Leser desselben Textes.“
    Etwas weiter im Text heißt es:
    „Führt man diesen Gedanken weiter, könnte man daraus schließen, dass der Versuch, einem literarischen Text eine allgemeingültige Interpretation abzuringen, vergeblich ist, da er subjektiven Kriterien unterliegt. Dass er stets gefangen bleiben wird in den Grenzen der Person, die einen solchen Versuch unternimmt, und in denen der Zeit, in der sie es versucht. Natürlich ist es vollkommen in Ordnung, Texte verstehen und interpretieren zu wollen. Zumal ein Text durchaus weitere Bedeutungsebenen enthalten kann und beispielsweise nicht nur einen Tag im Leben eines Menschen beschreibt, sondern zugleich die Zustände der Zeit und der Gesellschaft skizziert oder sich auf andere Texte wie die Odyssee bezieht. Es ist erhellend, ihn im Blick auf seine Entstehungszeit, auf politische Vorgänge oder das Leben des Verfassers zu lesen oder ihn in Bezug zu anderen Texten zu setzen, die sich mit einem ähnlichen Thema befassen. Aber wer voraussetzt, ein Text meine eigentlich etwas ganz anderes als das, was er sagt, begibt sich in jene vagen Gefilde der Spekulation und der ‚Umformung des Textes‘ in dem Sinne, wie ihn Susan Sontag schon in ‚Gegen Interpretation‘ kritisiert hat.“
    Ich verstehe Susan Sontag eher so, dass sie nicht gegen Interpretation überhaupt ist, sondern gegen die völlige Vereinnahmung, Umformung, die das eigentliche sprachliche Kunstwerk in den Hintergrund drängt, es, wie du auch schreibst, zähmen will.
    Liebe Grüße
    Petra

    1. Vielen Dank Petra, für diese überaus interessanten und wertvollen Ergänzungen. Ich finde die von Dir zitierten Stellen verdeutlichen sehr schön, dass ein Dialog mit dem Autor, wie er beim lesen gewollt und nötig ist, nicht das selbe ist, wie eine allgemeingültige Sichtweise, oder gar die „Suche nach dem wahren Sinn“, der sogar dem Autor selbst verborgen geblieben ist. Ich verstehe Sontag ähnlich wie Du, dass sie nichts gegen den Dialog mit dem Kunstwerk hat, nur gegen dessen Überformung und Zähmung in Interesse einer bestimmten Macht.
      vielen Dank für Deinen Beitrag
      m.

  3. mein kopf kann das gerade nicht fassen, ich merke nur diese tage, dass etwas nicht an seiner begrenzung aufhören darf, das bild nicht an seinem rahmen…und ich höre „berlin“ und frage mich wie es wäre, wenn wir zwei tee trinken würden.

  4. ihr habt das meiste schon gesagt, sodass ich jetzt nichts wiederhole-
    interessant finde ich, dass Plato die Kunst für eine Lüge hält und Aristoteles ihr einen therapeutischen Wert gibt … letzterem stimme ich zu, wenn ich es auch gerne erweitern möchte, denn es kommen ja nicht nur gefährliche Emotionen zutage und was sind überhaupt gefährliche Emotionen? Genau diese Aussage müsste ich, um sie wirklich verstehen zu können, im Kontext der Zeit lesen.
    Die Zeit in der Kunst spielt eine wesentliche Rolle, bzw. der Zeitgeist, veränderte Seh- und Hörgewohnheiten kommen zum tragen. Ich fand damals interessant, dass mit dem Bau und der Nutzung von Eisenbahnen der Impressionismus entstand. Die Sicht auf „verwischte“ Landschaften wurde auf die Leinwand gebracht … Pointismus allerdings, ging dem Pixelismus voraus 😉

    herzliche Grüße
    Ulli

    1. Und eben diese Zeitgeistabhängigkeit bedeutet ja, dass es universell gültige Interpretationen kaum geben kann. Man kann von der Form reden, von der Wirkung auf den Betrachter, aber der Inhalt ändert sich eigentlich fortwährend, das ist ja gerade das Schöne, und die Freiheit, die Kunst ausmacht.
      Danke für Deine Meinung
      m.

      1. ich deke gerade an eine kurze Anekdote von Cees Nooteboom, als er, nach vielen Jahren, wieder in Barcelona vor einem Bild stand, das Bild hatte sich verändert, weil er sich verändert hatte und er wusste gleichzeitig, dass der Betrachter neben ihm nicht das selbe Bild in diesem Moment sah.
        und ja, es kann nicht um Interpration im engsten Sinne gehen, so wie wir es einst in der Schule lernten, was mich damals schon aufregte, weil es darum ging die Meinung der Lehrerin runterzuschreiben, dann war einem die gute Note gesichert … nein, jeder Text, jedes Bild etc.trifft auf mich in diesem währenden Moment … morgen kann es schon ganz anders sein-

  5. Ich entschuldige mich im Voraus dafür, dass meine Gedanken etwas diffus und meine Erläuterungen etwas chaotisch wirken könnten; ich habe etwas hohes Fieber.

    Wenn wir fragen, ob Kunst einen Wert habe, können wir sie nicht von der Interpretation und Bewertung abkapseln. Wert und Interpretation gehören für mich zusammen. Wert ist im Grunde nicht nur materiell, sondern etwas, das einen „Mehrwert“ hat, eine neue Information, etwas, mit dem man etwas tun kann oder es mit einem selbst etwas tut. Mir würde unglaublich viel verloren gehen, wenn ich den Automatismus in mir stoppen müsste, der einfach in Gang gesetzt wird, wenn ich in einem Museum vor einem Bild stehe, das mich sprachlos macht. Sprachlos macht mich immer etwas, das der Künstler oder die Künstlerin ausdrücken konnte, wozu ich nicht in der Lage wäre oder über das ich noch nicht nachgedacht habe, obwohl es so elementar ist. Und hier ist der Punkt, an dem das Werk eines Künstlers auch ein wenig durch mich als Betrachterin lebt, erweckt wird, in eine Biografie verwoben wird. Der Betrachter kann ein Werk zähmen, ja, aber er kann ihm auch einen unendlichen Rahmen verleihen durch all die unzähligen Geschichten, die mit den Betrachtern mit in die Interpretation fließen.

    Und wäre ich eine Künstlerin, wäre es mir mehr als eine Ehre, wenn jemand sagen würde: „Das, was du geschrieben oder gemalt hast, ist ein Teil meiner Gedanken und Gefühle geworden. Daraus ist etwas Neues entstanden. Darf ich dir das zeigen?“ … Dieses „Zeigen“ ist dann die Interpretation des Betrachters. Für mich wäre es ein Geschenk, wenn diese Interpretation pur wäre, was Berufskritiker per se nicht leisten können. Deshalb bin ich sogar so frech zu behaupten: Ein Kunstkritiker versteht die Kunst vielleicht noch weniger als wir naiven Betrachter, die wir mit weniger Wissen, aber dafür auch mit umso weniger Rastern an ein Werk herangehen.

    Warum der Wert der Kunst so schwer auszumachen ist, frage ich mich. Die Antwort weiß ich teilweise, teilweise aber auch nicht: Die Wirkung der Kunst – oder ihr Wert in der Epoche – macht sich nicht direkt bemerkbar so wie der Wert einer Fabrik, die pausenlos Gegenstände produziert, die man sofort nutzen kann. Aber im Grunde sind Künstler Zeitzeugen, die eine Kultur oder eine Atmosphäre vielleicht noch besser erfassen können als die Tageszeitungen jener Zeit. Zumindest vervollständigen sie es um ein Vielfaches um einen anderen Blickwinkel, vielleicht um einen ganz besonderen. Einen, der nicht vorgibt, nicht subjektiv zu sein, sondern gerade die Subjektivität in den Vordergrund stellt und uns deshalb so nahe ist, weil Objektivität doch nur eine Lüge der Medien ist. Aber gerade das Interpretierendürfen ist doch auch das, was uns nicht nur eine kurze intensive Beziehung mit dem Künstler eingehen lässt, sondern auch zur jeweiligen Zeit, zu uns selbst und auch zur Zukunft.

    1. Erst einmal gute Besserung für Dich, obwohl Deine Gedanken klar und klug wie immer sind. Ich hoffe, das Fieber ist gesunken inzwischen und es geht dir besser.
      Was Du schreibst, ist die Interpretation, die mit einer Betrachtung eingeht, die nichts zähmen will, sondern das Kunstwerk wirken lässt, um sich dann mit ihm zu verbinden, in einen Dialog zu treten, das ist natürlich das, was ich mir wünsche, was sich vermutlich jeder Künstler wünscht und ich denke das ist nicht, was Susan Sontag meint. Ich glaube sie wollte darauf hinaus, dass Kritik in die Richtung geht, eine Rahmen vorzugeben in dem die Betrachtung stattfinden soll, was in Ordnung wäre, wenn sie nicht mit dem Anspruch der Allgemeingültigkeit auftreten würde. Aber Kritik legt Schubladen an, sortiert und bewertet nach ihren ganz eigenen (dennoch subjektiven) Kriterien, ohne sie als subjektiv kenntlich zu machen. Letztendlich behaupten nicht wenige Literatur- und Kunstkritiker die einzigen zu sein, die den Inhalt der Kunst verstehen und gegen diese Verengung wendet sich Sontag, jedenfalls habe ich es so verstanden und dagegen wende ich mich auch.
      Ich bin, wie Du, nicht für eine Wertfreiheit, aber ich bin dafür, dass man es dem Betrachter überlässt, zu entscheiden, was ihn anspricht, wie es ihn anspricht, und ich bin auch dafür zu sagen, diese Sache macht mich ratlos, die andere wütend und die nächste nervös. Auch das ist ein Wert.
      Im übrigen freue ich mich, dass Du das ansprichst, diese Gefangenschaft in der Zeit, und dass die Künstler häufig ein sehr feines Gespür haben, und damit etwas ausdrücken können, was andere Zeitgenossen noch nicht so formulieren können, also dass es einen Inhalt gibt, der eigentlich erst retrospektiv „entschlüsselt“ werden kann, obwohl die Form dafür, in Form des jeweiligen Kunstwerkes, schon da ist. Es gab hier mal eine Ausstellung, die sich mit der Kunst befasste, die kurz vor dem zweiten Weltkrieg entstanden ist, da war das sehr anschaulich.
      Danke für Deine Anregungen und Weiterführungen und nochmal Gute Besserung!

  6. oh, was für ein äusserst spannendes thema und die diskussion erst. danke fürs teilen. ich habe keine ergänzungen … bin grad ein bisschen von dem vielen erfüllt und will das erst einmal verdauen.

  7. Die Schwierigkeit besteht ja wirklich darin, ein Werk zubeschreiben, zunächst mal, ohne eine Bewertung einfießen zu lassen. Das heißt, über Bilder reden, ohne über die eigene Befindlichkeit zu reden.

    Heinz von Foerster sagte: „Ich zeige jemandem ein Bild und frage ihn, ob es obszön sei. Er sagt: „Ja.“ Ich weiß jetzt etwas über ihn, aber nichts über das Bild.

    Einerseits brauchen wir die Wertung & den Vergleich, um uns sozusagen zu verorten, um unseren Standpunkt klarzumachen. Aber diese Wertung sollte – wenn überhaupt – erst nach eingängiger Beobachtung über die formale Beschreibung eines Werkes gefällt werden.

    Und tatsächlich: Die Werke sich – verändern je nach räumlichem & zeitlichem Kontext. Mir passiert es häufig, dass ich die Arbeit an einem Bild einstelle, weil ich nicht mehr weiterkomme oder einfach nur müde bin. Nach einem Spaziergang oder auch nachdem ich darübergeschlafen habe, hat sich bei neuerlicher Betrachtung das Bild verändert. Manchmal war es am nächsten Tag fertig, ohne dass ich in der Zwischenzeit noch etwas daran gearbeitet habe.

    Eben: Weil ich in der Zeit meiner Abwesenheit mich verändert habe.
    Das heißt, Kunstwerke verändern sich im Wandel der Zeit. Sie verändern auch ihre Bedeutungen.

    Eine Aktzeichnung von Bruno Bruni über meinem Sofa wird in aller Regel ein müdes Gähnen hervorrufen.

    Die gleiche Aktzeichnung am Tabernakel einer katholischen Kirche löst unter Umständen einen Skandal hervor.

  8. danke für deinen kommentar, armin, der mich einige aspekte von sontags kritik an der interpretation noch besser verstehen lässt.
    das zitat von heinz von foerster ist erhellend, und es ist gut und vollkommen gerechtfertigt, dass subjektive wertung in eine kritik einfliesst, nur sollte das dem kritiker bewusst sein. [oder wenigstens dem leser, der dann merkt, dass er etwas über den rezensenten, den kritiker erfährt, aber nichts über das werk]
    was mir besonders gefällt, ist dieser satz von dir: „Aber diese Wertung sollte – wenn überhaupt – erst nach eingängiger Beobachtung über die formale Beschreibung eines Werkes gefällt werden.“
    andererseits bleibt immer die schwierigkeit die grenze zu ziehen, zwischen form, inhalt und bewertung, das sind ja nie feststehende, sondern immer sehr fliessende grenzen.
    was vielleicht am bedeutendsten ist, an einem kunstwerk, ist das gefühl, dass der künstler darin anwesend ist, denke ich mit bezug auf marina abramovic, dann macht es den betrachter nervös, löst etwas aus, weil er fühlt, das bild (buch, musikstück, oder was auch immer) geht über die grenzen des gefallens hinaus, über die grenzen des „guten geschmacks“ und der unterhaltung, da ist etwas, das lebt und das in beziehung treten will zu dem, der es ansieht.
    nochmals danke, dass du diese diskussion noch einmal belebt hast.
    m.

  9. Kunst…Antikunst…Gegenkunst?…Co.-Kunst?…1 Kunstraum oder mehrere?
    Der objektive Dialog-Wert von (Menschen-)Kunst ist der gleiche,
    wie der der Natur, der Evolution, nämlich erleben, wahrnehmen mit meinem
    „Ich“.
    Mich auf einen „Dialog“ in Form von hören, sehen, schmecken, riechen, sehen,
    Kunst-Text…denken…einlassen…oder eben nicht.
    Die subjektive, mehr oder weniger focussierte „Beachtung“, entscheidet
    über den subjektiven „Dialog-Wert“ des „Kunst-Objekt-Erleben“.
    Das ganze Universum ist Kunst-Objekt, mit allem Inhalt.
    Die zum „Dialog“ bereit stehenden „Evolution(s)-Melodien“
    erlebend wahrnehmen zu dürfen und zu können
    ist wahrlich auch eine Kunst, die Kunst der Kunst-Wahrnehmung
    als Co.-Kunst:=), die dann mit dem Tode endet.
    Also ausnutzen, die „Leben(s)-Zeit“…carpe diem…
    zur „Schöpfung(s)-Kunst-Wahrnehmung“
    mit individuellem „Erlebnis-Wahrnehmung(s)-Wert“.
    So einfach sehe ich das:=)

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