Uwe Kolbe

Im September hatte ich das große Glück ein Lyrikseminar mit Uwe Kolbe besuchen zu dürfen. Es fand in einem ehemaligen Schweinestall auf einem im Wald gelegenen Hof statt und war einfach schön.

Kolbe las Gedichte, u.a. auch aus dem neuen Band Lietzenlieder, das Jan Kuhlbrodt heute in einer lesenswerten Rezension bei fixpoetry bespricht. Eines der Gedichte, die Kolbe an diesem Abend las und das dann diskutiert wurde, war aus eben jenem Band. Das Gedicht „Eisvogel“, das Jean-Yves Klein gewidmet ist, weil er maßgeblich zu dessen Entstehung beigetragen hat. Eisvogel ist Teil eines Sonettkranzes, also einer sehr strengen Form. Jan Kuhlbrodt schreibt dazu in seiner Besprechung:

Und was macht Kolbe?!  Er legt sich neue, diesmal formale Ketten an, und schreibt Sonette. Als hielte er die Freiheit nicht aus. Was dabei aber geschieht ist einzigartig, der äußere Zwang, die Macht der vierzehn Zeilen schafft innerhalb der Texte Luft, macht Räume auf. Souveränität.

Beides, erst die gekonnte Besprechung, dann die Gedichte selbst, sind ein hervorragendes Mittel gut gelaunt, ja sogar glücklich, durch diesen naßkalten Tag zu kommen.

 

Ausgezeichnet

Es ging mir gut. Die Zeit gab mir Recht. Verwischte meine Bedenken. Vergaß die Vorbehalte. Ich reiste fern, ohne mich von der Stelle zu bewegen. Mein Gesicht veränderte sich, mein Körper auch, aber ich blieb immer diesselbe. Ich hielt es für Treue. Das zeichnete mich aus. Es ging mir ausgezeichnet. Die Zeit verging. Aber ich war nicht so dumm, ihr zu folgen.