Philipp Ottendörfer – Truth or Dare

Philipp Ottendörfer Truth or Dare – Kunsthalle Bielefeld
Philipp Ottendörfer – Truth or Dare, 2012, Kunsthalle Bielefeld

Seton Smith

Seton Smith (geb. 1955) bezieht sich unmittelbarer auf das Werk ihres Vaters. Sie begann sehr früh, die Architektur ihres Vaters zu fotografieren, woraus die Leitmotive von Häusern, Korridoren, Fenstern entstanden.

Ihre Bilder haben etwas Geheimnisvolles, dem man nicht auf die Spur kommt.

Seton Smith, Houses, 2006, Kunsthalle Bielefeld November 2012

Claribel Alegría

Nachdem ich kürzlich dank des Hochroth Verlages Luis Chaves entdecken durfte, und mit ihm und seinen Gedichten, meine Liebe zur spanischen Sprache, habe ich wenige Tage später einen mir bislang unbekannten Blog und auf eben dem eine ganz große Dichterin entdeckt. Die Rede ist von Claribel Alegría, einer lateinamerikanischen Dichterin, die auf der Homepage des Verlages schreibt:

Esta antología es más o menos, la síntesis de mi vida.  Recojo en ella mis inquietudes de adolescente, mi trayectoria en Santa Ana, el descubrimiento del amor, mis desencantos, mis obsesiones (la liberación de nuestros pueblos, por ejemplo), el exilio y, finalmente mi encuentro con la vejez y la presencia inexorable de la muerte.

Espero que algún poema o dos, le sirvan a alguien para iluminar su camino o embalsamar su herida.

Moriría así feliz de haber nacido.

Frei und mehr schlecht als recht übersetzt:

„Diese Anthologie ist mehr oder weniger die Essenz meines Lebens. In ihr habe ich die Unruhe meiner Jugendzeit dokumentiert, meinen Lebensweg in Santa Ana, die Entdeckung der Liebe, meine Enttäuschungen und Obsessionen (die Befreiung unseres Volkes zum Beispiel), das Exil und, schlussendlich, meine Bekanntschaft mit dem Alter und der unerbittlichen Gegenwart des Todes.

Ich hoffe, das ein oder zwei der Gedichte, jemandem helfen, sein Leben besser zu verstehen, oder die eine oder andere Verletzung zu heilen.

Dann werde ich sterben, glücklich darüber, geboren worden zu sein. „

Lee Miller – Die Nachkriegszeit

Beinahe zehn Jahre lang wurde Miller vom MI 5 überwacht. Der Britische Geheimdienst wurde zunächst wegen Roland Penrose, Millers zweiten Ehemann, auf sie aufmerksam. Penrose wurde verdächtigt mit dem stalinistischen Regime Russlands zu sympathisieren. Auch die Freundschaft Millers zu Wilfred McCartney, einem ehemaligen Mitglied der KPD, der wegen Spionage für Russland jahrelang inhaftiert war, machte Miller dem MI 5 verdächtig. In den Berichten des Geheimdienstes wird Miller als „violently anti-Nazi“ beschrieben.

Chris Andrew, Geschichtswissenschaftler beim MI 5 schreibt über Lee Miller: „What is not sufficiently realises is that her career was absolutely unique in British History. There had never been anybody like her before, there’s no reason to think there will be anyone like her again.“

Während Miller die Zeit als Kriegsberichterstatterin scheinbar schadlos überstand, begann das Leiden in den Friedenszeiten. Nach Ende des Krieges reiste sie noch eine Weile durch Europa, um die Folgen des Krieges zu dokumentieren.

Die Trennung von Sherman, ihrem Partner während der Kriegsreportagezeit, verstärkte ihre Lethargie. Erst als Sherman ihr telegrafiert, „Go home“, kehrt sie endlich zurück zu Penrose.

1947 wurde sie schwanger und heiratete Penrose. Im September 1947 wird ihr Sohn Antony geboren. Im April schreibt sie einen Artikel über die Geburt für die Vogue. Gelgentlich macht sie noch Modeaufnahmen. Sie beginnt über Kunst zu schreiben und macht Porträtaufnahmen, überweigend von Künstlern. Eine wirkliche Neuorientierung gelang ihr jedoch nicht.

Lee Miller und ihr Sohn Anthony

Ihr Arzt diagnostizierte [in offener Verkennung des posttraumatischen Zustandes, unter dem Miller mit ziemlicher Sicherheit litt]: „Ihnen fehlt nichts. Aber wir können die Welt nicht permanent im Kriegszustand halten, damit Ihr Leben aufregend bleibt.“

Miller leidet unter Depressionen, vermutlich aufgrund der nicht erkannten posttraumatischen Belastungsstörungen, die sie mit Alkohol „behandelt“. Die Arbeit fällt ihr schwerer, es wird immer unmöglicher, Termine einzuhalten, so dass Penrose Whiters schließlich überredet, Lee keine Aufträge mehr zukommen zu lassen.

Millers Depression verstärkt sich, als Penrose sich ernsthaft in eine andere Frau verliebt. Erst ein längerer Aufenthalt Lees in Amerika bringt Entspannung. Während der Arbeit von Roland Penrose an einer Picasso Biografie, begleitet Miller ihren Mann bei der Recherche und bei Besuchen bei Picasso, dabei entstehen eindrucksvolle Fotos. Dennoch ist ihre Foto-Karriere weitesgehend Vergangenheit. Nach und nach gelingt es ihr,  den Alkohol in den Griff zu bekommen. Die fehlenden Fotoaufträge kompensiert sie durch eine neue Leidenschaft, das Kochen surrealistisch inspirierter Speisen.

1977 stirbt Lee Miller auf Farley Farm an Magenkrebs.

Glückmomente

Vor einigen Tagen, habe ich einen kleinen Tagebucheintrag veröffentlicht, es ging darum, dass ich zufrieden bin, aber nicht glücklich. Heute hat Sherry, einen kleinen Artikel über das Glück geschrieben, darüber, was sie glücklich macht. Und sie hat mir damit die Augen geöffnet. Ja, Glück ist auch eine Haltung, eine Art, auf die Dinge und das Leben zu sehen. Dank ihrer Zeilen, habe ich mich erinnert (und zwar durchaus körperlich), wie viele Kleinigkeiten, mich glücklich machen. Und jetzt sitze ich hier und versuche ein paar schöne Sätze einer großen Dichterin, die ich euch demnächst vorstellen möchte, zu übersetzen, und bin (ungelogen und unübertrieben) glücklich.

Danke Sherry.

Wasser

Die Faszination des Wassers

Ich verlaufe mich in mir selbst bis die Zeit mich frisst. Mich über bekommt und ausspuckt.
Wir bestiegen ein Schiff. Das Ufer entfernte sich. Das Schiff war groß. Das Meer war größer. Naturgemäß stand über allem der Himmel. Manches wurde durchsichtig auf dieser Reise. Bereit jederzeit die Farbe des Himmels anzunehmen. Vieles hörte auf eine Bedeutung zu haben. Die Möwen verfolgten uns eine Zeitlang. Dann waren wir allein. Mit dem Rauschen, den Wellen, der Nacht. Ich stand an der Reling und sah so allerlei. Ich sah mein Leben verschwinden. Durchsichtig werden, ohne an Undeutlichkeit zu verlieren. Die Welle brach sich am Bug und trieb uns weiter hinaus.

Lee Miller – Kriegsreporterin

Wie sehr sich in dieser Beziehung ihr eigenes Werk von denen anderer unterschied, konnte Lee Miller nicht nur in ihrer Zeit als Kriegsreporterin, die Akkreditierung erhielt sie 1942, beweisen. Die Herausgeberin der Vogue, Audrey Withers unterstützte Lee bei ihrem Vorhaben, den Krieg und seine Folgen zu dokumentieren.

Als Kriegsberichterstatterin zeichnete sich Lee Miller sowohl durch ihre ungewöhnliche Bildgestaltung als auch durch ihre unsentimentalen Kommentare zu den menschlichen Schicksalen aus. Immer wieder hat Lee Miller die bizarren Seiten des Krieges wahrgenommen und beschrieben: „Wir fuhren an Jeeps vorbei, die Müll transportierten und auf deren Kühlerhauben stapelweise Verwundete lagen, an Munitionslastern mit zynischen Aufschriften wie „Sudden Death“, „Amen“, oder „You’ve had it“.

Trotz schlechter Bedingungen (mangelhafte technische Ausrüstung, kein Belichtungsmesser, kein automatisches Rückspulen, nur 11 Fotos pro Film), lieferte Lee Miller stets ästhetisch komponierte Bilder, denen man ihre surrealistische Ausbildung anmerkte.

In jeden Film steckt ein Funken Poesie, der sich oft allein der Bewegung verdankt. Das kann die Art sein, wie sich ein Arm bewegt, ein Schatten fällt, oder etwas Staub zu Boden sinkt.“

Auch während des Krieges galt Millers Interesse hauptsächlich den Frauen (und ihren Kindern). So fotografierte sie eine Serie über Frauen in Männerberufen, dokumentierte die Lage der Frauen im von den Nazis besetzten Europa. Richard Calvocoressi bezeichnet Millers Porträt von Eva Braun als „klassische Darstellung der Banalität des Bösen im Reich Hitlers.“

Eines der beeindruckendsten Fotos von Miller aus der Kriegszeit, ist für mich, das der kahl geschorenen weiblichen Kollaborateure. Vielleicht weil es mich an eine Szene aus Hiroshima mon amour von Marguerite Duras erinnert. Miller selbst schrieb zu diesem Foto an Whiters: „In Rennes habe ich heute die Bestrafung weiblicher französischer Kollaborateure miterlebt – man hatte den Mädchen den Kopf geschoren.“

Mit einer Mauer aus Hass und Verachtung um mich herum fuhr ich durch Deutschland“, schrieb Miller in einer 1945 in der Vogue veröffentlichten Reportage.

Die Geschehnisse des Krieges als einzige (oder wenigstens als Erste) dokumentieren zu können, euphorisierte Miller und ließ sie ihre Angst eine Zeitlang vergessen. Häufig war Miller die einzige Kriegskorrespondentin. So z.B. bei der Belagerung von St. Malo, als zum ersten Mal Napalm eingesetzt wurde.

Im April 1945 schrieb sie an Whiters:

Ich mache in der Regel keine Aufnahmen (Kriegslager, Konzentrationslager) von diesen Dingen, da ich weiß, dass sie sie sowieso nicht veröffentlichen. Denken Sie aber deshalb nicht, dass es sie nicht in jeder Stadt und in jedem Gebiet massenhaft gäbe. Jede Gemeinde verfügt über ihre großen Konzentrationslager, einige davon in Form von Folter- und Vernichtungslagern.“

Lee Miller war eine der Ersten, die Dachau, nach Einnahme durch die 4. US -Division betrat.

Wir näherten uns dem Lager in einer kleinen Truppe mit Jeeps. Der Weg führte durch ein Waldstück, und das Erste, was uns auffiel, war, dass es keine Vögel oder Tiere gab. Es war ein schlechtes Zeichen, und die Jungs wurden nervös. Dann kamen wir an einigen toten SS-Offizieren vorbei. Man hatte sie wohl zu Tode geprügelt oder erdrosselt. Es war nicht normal, Menschen auf diese Weise zu töten – die Jungs reagierten unruhig. Dann erreichten wir den Drahtzaun. Dahinter waren unzählige Menschen in gestreifter Sträflingskleidung, die uns schweigend anstarrten. Wir konnten nicht verstehen, warum sie nicht reagierten, uns nicht entgegenkamen, waren uns aber sicher, dass dies das Lager sein musste, und suchten nach dem Eingang. Einer unserer Kumpel, der Wache stand, ließ uns hinein. Als die Gefangenen drinnen begriffen, dass wir Amerikaner waren, umringten sie unseren Jeep, hoben unsere Jungs auf die Schultern und rannten mit ihnen um das Lager herum. Sie waren so schwach und erschöpft, dass manche unter der Anstrengung wie tot umfielen, aber andere drängten hinterher und lösten sie ab. Erst nach lautstarken Ermahnungen und Drohungen kehrte wieder Ordnung ein.“ (Das Haus der Surrealisten. Der Freundeskreis um Lee Miller und Roland Penrose. Antony Penrose. Nicolaische Verlagsbuchhandlung GmbH, Berlin 2002.)

You better believe it“, schrieb Miller an Whiters, als sie die Fotos aus den befreiten Konzentrationslagern schickte.

Eines der berühmtesten Fotos von Lee Miller hat ihr Partner Sherman gemacht, es handelt sich um das Foto von Lee in Hitlers Badewanne. Miller selbst schrieb dazu an Audrey Winters: „I was living in Hitler’s private apartment when his death was announced, midnight of Mayday … Well, alright, he was dead. He’d never really been alive to me until today. He’d been an evil-machine-monster all these years, until I visited the places he made famous, talked to people who knew him, dug into backstairs gossip and ate and slept in his house. He became less fabulous and therefore more terrible, along with a little evidence of his having some almost human habits; like an ape who embarrasses and humbles you with his gestures, mirroring yourself in caricature. “There, but for the Grace of God, walks I.”

Was Lee Millers Kriegsfotografien auszeichnet, ist vermutlich nicht so sehr eine moralische Frage, wahrscheinlich hat Miller zuerst das Bild, die Komposition gesehen, und sich erst dann, anschliessend, Gedanken über das, was sie gesehen und festgehalten hatte, gemacht.

Lee Miller I

Über Lee Miller, eine der außergewöhnlichsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts, habe ich vor geraumer Zeit, einen viel zu kurzen Artikel geschrieben.

Obwohl Miller mittlerweile zu den wichtigsten Fotografinnen gezählt wird, hat ihre “Wiederentdeckung” erst kürzlich stattgefunden. Lange Zeit war sie fast vollkommen in Vergessenheit geraten.

Möglicherweise auch deshalb, weil sie lange als Modell und Modefotografin tätig war. Vielleicht aber auch, weil sie selbst kein großes Interesse daran hatte, sich um die Präsentation ihrer Werke zu kümmern. Ihre einzige Einzelausstellung hatte Miller 1933.

Richard Calvocoressi äußert einen dritten Verdacht als möglichen Grund für den geringen Bekanntheitsgrad Lee Millers als Fotografin.

Der dritte und mögicherweise wichtigste Grund für das mangelnde Interesse, das ihr als Fotografin entgegengebracht wurde, dürfte die Faszination sein, die von ihrer unkonventionellen Persönlichkeit ausging. Ihre legendäre Schönheit, eindrucksvoll festgehalten in Aufnahmen von Streichen, Hoyningen, Huene und, am sinnlichsten, von Man Ray, der Umstand, dass sie im Kindesalter von dem Sohn eines Freundes der Familie [an anderer Stelle ist von einem Cousin oder Onkel die Rede] missbraucht wurde, eine eigentümlich innige Beziehung zu ihrem Vater, zahlreiche Liebesaffären und ihre von Alkohol und Depression gekennzeichneten mittleren Lebensjahre – all das nahm die ganze Aufmerksamkeit der Medien in Anspruch und verhinderte eine echte Wertschätzung ihrer Künstlerischen Gaben“ (R. Calvocoressi: Lee Miller| Begegnungen, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2002).

Lee Miller ist schon früh mit dem Medium der Fotografie vertraut gewesen, ihr Vater war ein begeisterter Amateurfotograf, der besonders seine schöne Tochter sehr gerne und häufig fotografierte. Im Alter von sieben Jahren wurde Lee vergewaltigt. Neben den seelischen Qualen infizierte sich Lee mit einer Geschlechtskrankheit. Einzelheiten wurden totgeschwiegen. Allerdings zogen die Eltern einen Kinderpsychologen hinzu.

Lees erster Verlobter verunglückte tödlich, drei Jahre später verunglückte ihr nächster Geliebter.

1926 wurde sie in New York von Condé Nast entdeckt und erhielt ihre ersten Aufträge als Model für die Vogue. Die Karriere als Fotomodell endete als eine Werbekampagne für Damenbinden mit Lees Bild erschien. In der prüden Zeit der 30er Jahre konnte ein derartiger Vorfall den Ruf als Model zerstören.

Lee hatte allerdings die Fotografie längst für sich selbst entdeckt und wechselte die Seiten, statt sich fotografieren zu lassen, ging sie dazu über, selbst zu fotografieren.

Was das Werk eines Menschen in seiner Qualität von dem anderer unterscheidet, ist seine Aufrichtigkeit.“ (Lee Miller, zitiert nach Ruth Seinfel, „Jeder kann sich darstellen. New York Evening Post. 24.10. 1932).