Anna und ich

Ist es denn Annas Schuld dass nichts so ist

wie es sein könnte?

Keine anliegenden Ohren

keine elfenbeinfarbene Haut

nur Mann und Kind

und ein Ballon der platzt

obwohl ihn niemand in die Luft geworfen hat

Als dürfte man nur Menschen lieben

die nach Kleingeld riechen

 

Mamatschi schenk mir ein Pferdchen

mit dem ich durch die Felder sprengen kann

Alraunen und Akazien

Zartbitterschokolade

für den Schlaf der Vögel

scharf wie gebrochene Versprechen

 

Die Bettler verkaufen Knoten

auf denen man Akkordeon spielen kann

zum Gelächter im Dorf

weil der silberne Löffel endlich laufen lernt

 

Wie schön sich Annas feine Stimme

in den Teppich webt

als wäre Schönheit eine Entschuldigung

als gäbe Liebe einem das Recht

auf mehr

auf mehr als schiefertafelig angekreidete Unschuldsbrüche

und Stolz wäre mehr als ein Fleck

auf der Landkarte eines nicht ganz so reinen Gewissens

wie weiße Bettwäsche

mit hässlichen Rändern

und Pantoffeln

die verloren in der Ecke stehen

und vergebens versuchen die Vorwürfe zu überhören

 

Als ich Anna traf

war ihr die Saumseligkeit längst aus den Augen gefallen

Sie war zwei Männern begegnet

Einer versuchte sich für sie umzubringen

Der andere ihr zu vergeben

 

Der Zweifel wächst wie ein Holunderbusch

er vertrocknet als Anna zum Bahnhof geht

und jemand sagt

man braucht einen anderen um sich selbst zu erkennen

wer sagt das denn

und was fangen wir an

mit so einem Satz

Anna und ich

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