Novembernebel

Sie schluckt diese Tabletten und der Nebel kommt. Wohltuend weicher Nebel. Fast zärtlich. Die Feststellungen verlieren das Feste, ohne ins Wanken zu geraten. Alles wird diesig und dunstig, weich und fließend wie ein Aquarell.

Sie verschwimmt und vergisst, dass sie zurück fließen muss. Sie ist der Novembernebel für den es keine Jahreswechsel gibt.

 

Wie wäre das, wenn alles gleich bliebe, nur sie würde sich verändern? Oder andersherum: alles veränderte sich, außer ihr? Wäre das Stillstand? Gibt es das überhaupt; Stillstand? Ist nicht immerzu alles in Bewegung in das Nichts hinein, aus dem Nebel hinaus.

Nebel. Als wäre das ein Ziel.

 

Wie viel Gewicht der eigene Körper bekommt, wenn er verlassen wird. Erleichtert um das Versprechen des Gemeinsamen.

13 Gedanken zu “Novembernebel

  1. Manchmal ist es ist als wohnte ich in deinen Worten, nicht da zu sein, um zu verstehen, eine Welt, die ihre Häuser aus Stimmungen baut, in der die Bedeutungen mit allen möglichen mitteln ihre Freiheit suchen.

  2. Und ich hoffe, wenn Du dort wohnst, in meinen Worten, ist es ein Haus ohne Wächter. Freiheit, das habe ich letztens gelesen, ist die Verantwortung für sich und sein Handeln zu übernehmen. Schließt das nicht die Beanspruchung aller Mittel aus?
    Ich freue mich sehr über Deine Worte, Miriam, gerade weil es mir mit Deinen Texten häufig sehr ähnlich geht.

  3. „Nebel. Als wäre das ein Ziel.“

    Ja, warum nicht Nebel. Es gibt vo viele Ziele, die temporär einen richtigen Weg bedeuten können. Manche als Flucht. Untertauchen. Eintauchen (in Nebel), um nicht unterzugehen.

    „Wie viel Gewicht der eigene Körper bekommt, wenn er verlassen wird. Erleichtert um das Versprechen des Gemeinsamen.“

    Mit dem ersten Satz entstand das Bild eines Ohnächtigen oder Toten. Wie schwer es ist, einen Körper zu bergen, wenn der Mensch nicht mehr Spannung hält und mithelfen kann.
    Dann der zweite Satzteil. Nun die Erleichterung, ich sehe eine kleine Frau (oder einen kleinen Mann). Eine Trennung ist vollzogen. Das, was zum Ballast wurde, ist weggenommen. Tiefe Ruhe. Dann Schwerelosigkeit.

    Mit Grüßen
    B.

  4. Ich habe es mir vorgestellt. Ganz genau. Würde sie sich verändern, nur alle anderen nicht, wäre es Stillstand. Würde alles andere sich verändern, nur sie nicht, wäre es Hektik, Raserei.

    Das Verlassen, das Gehen, das Zurücklassen, das Sterben, das hat keinen Namen.

    1. Gerade heute habe ich über Ilse Aichinger und ihre Literatur gelesen, dass sie sich in der Sprachlosigkeit bewegt, zwischen diesen unsagbaren Ereignissen Geburt und Tod. Schreiben sei ihre Art zu schweigen hat sie selbst gesagt.

  5. Pingback: Novemberstrudel |

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