Punkt

Eine seltsam, mich entwürdigende Zeit (die Welle, die nichts vom Wasser weiß).

Die Einbildungskraft der Naiven (was man verliert, wenn man Vernunft gewinnt; Verstand, Läuterung).

All diese (leeren) Begriffe, an denen ich festhalte (weil ich meine Ratlosigkeit darin verbergen kann).

Begegnungen und Gespräche, die abbrechen, noch ehe sie eigentlich begonnen haben (weil wir auch daran glauben: an Anfang und Ende und die Winkel der Zeit).

Die Ratlosigkeit, die ein Leben annimmt, weil die Zeit verrinnt und doch nichts vergeht. Weil die Verluste wachsen mit dem verminderten Abstand vom Tod.

Weil es nicht Anfang, noch Ende gibt. Nur Kreise, die sich zusammenziehen auf einen Punkt.

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13 Gedanken zu “Punkt

  1. Liebe Mützenfalterin,

    seit ein paar Tagen sitze ich an der Überarbeitung diverser Texte, schau mal, was ich heute schrieb:
    Jegliche Nähe spricht im selben Atemzug von Abschied. Jeder Anfang von einem Ende. Was aber, wenn es weder Anfang, noch Ende gibt, nur Kreise, die sich auf einen Punkt zusammenziehen?

    verrückte Synchronizitäten!

    Du schreibst: Die Ratlosigkeit, die ein Leben annimmt, weil die Zeit verrinnt und doch nichts vergeht. … vergeht wirklich nichts? geht einfach nur manchmal etwas vorüber und bleibt dennoch bestehen? Darüber werde ich noch sinnieren.

    herzliche Grüße
    Frau Blau

  2. Liebe Mützenfalterin, Du bringst auf den Punkt, was auch mich seit Monaten verstärkt beschäftigt.

    Und: „Weil die Verluste wachsen mit dem verminderten Abstand vom Tod.“ Eine mehrdeutige Aussage, die mir ganz besonders gefällt. Wie viel in einem Satz enthalten sein kann. Immer wieder erkenne ich diese Stärke bei dir und bewundere das.

    Mehr möchte ich von mir nicht zeigen — faltest Du eigentlich auch Mützen, die ganz bis zum Boden gehen, aber mit einem schicken Bommel am Kopp, der davon ablenkt? 😉

  3. Gerade dieser Satz mit der Ratlosigkeit trifft mein Denken genau. Vielen Dank- es ist mir eine Bereicherung, so gute Texte zu lesen.

  4. ist, was vorüber ist, weg? unwiderbriinglich? wie viel ist erinnerung? ist sie nicht so ähnlich wie eine datei auf einer festplatte, die sich mit dem richtigen programm öffnen lässt.
    hm. du und die kommentatorinnen vor mir lösen grad eine flut von solchen und noch mehr fragen aus.
    danke, dass du das immer wieder schaffst …
    herzlich, soso

  5. Oh Gott, was ist das nur für ein geniales Stück. Nüchtern und fragend zugleich. Sich der Einbahnstraße bewusst und trotzdem mit zitternder Hoffnung drin. Natürlich alles nur das, was ich dabei empfinde. Ich liebe diesen Text. Er ist so schmerzvoll, und er versteht meinen Schmerz. Dafür danke ich ihm. Dafür danke ich dir.

  6. Manches geht vorüber und ist doch nicht vorbei, bleibt bestehen, in anderem Kleid, anderer „Qualität“ vielleicht – und als Erinnerung sowieso. Danke für den Text, in dem es viel zu entdecken gibt und der nachdenklich stimmt.

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