11 Gedanken zu “Die Geschlechterlüge

  1. liebe Mützenfalterin, für beide Artikel möchte ich mich bei dir bedanken. Als ich gerade die Rezension las, dachte ich zunächst selbst an all die subtilen Mechansimen, die greifen, sobald ein Menschlein auf diesem Erdenball erscheint. Als meine Enkelin vor einem halben Jahr geboren wurde, stellte meine Tochter fest, dass es außer rosa, hellblau und weiß kaum andere Farben für Babybekleidung gibt und wenn, dann ist diese gleich sehr viel teurer! So wird von Beginn an manipuliert und in Schemen gepresst. Noch perfider finde ich die Ausrichtung der Spielzeuge, aber gut, die kann man ignorieren!
    Weiter denke ich zum wiederholten Male an das Buch: Im Tempel meines Herzens, in dem Frau Alice Walker in einer humorvollen Anekdote den Neid der Männer auf die Frauen beschreibt und was sie daraufhin alles unternahmen um ihr gleich zu sein. Auch in der Mythologie von Inanna findet sich schon dieser Neid, hier ist Gilgamesch der Widersacher …
    die Geschichte von Adam und Eva spricht Bände – bei Joseph Campbell fand ich den Hinweis, dass es auch in anderen Kulturen das Paar gab und auch den Apfelbaum, allerdings naschten dort beide davon …
    na klar, es geht um Macht, immer wieder und ich frage mich wie dies durchbrochen werden kann. Jede und jeder für sich hat dazu die Möglichkeit .. ja, aber gesellschaftlich ist die Manipulation schon sehr heftig und zementiert eher Frauen- und Männerbilder, als dass sie aufgeweicht würden, was ich immer schon sehr bedauert habe.

    Ich selbst habe schon immer das Verbindende gesucht und bin durchaus fündig geworden. Wie es schon viele vor mir geschrieben haben, es gilt in sich selbst die männlichen und weiblichen Anteile zu leben und zu entwickeln, wobei ich mich auch hier frage, was sind denn eigentlich wirklich männliche Anteile und was wirklich weibliche? Ist dies nicht widerum eine Festlegung auf Unterschiedlichkeiten, wo es im Grunde genommen keine gäbe, wenn wir sie nicht seit Jahrhunderten aufgedrückt bekämen? Manchmal denke ich, dass der einzig wirkliche Unterschied die Biologie ist.

    ui … das ist jetzt lang geworden! Hoffe nicht ZU lang?!

    herzliche Grüße
    Frau Blau

    1. nein, ganz sicher nicht zu lang, frau blau, im gegenteil, ich freue mich über die eindrücke und beobachtungen von dir. das problem ist nicht einmal das differenzieren, sondern dass damit urteile verbunden werden, dass die menschen keine (oder jedenfalls unnotwenig eingeschränkte) möglichkeiten erhalten, sie selbst zu sein, und statt dessen in die rollenkorsetts gepresst werden. immer noch. immer neu.

      1. ja … daran kaue ich auch zeitlebens, sei es als Autorin, sei es als Bidgestalterin, die Herren werden in der Regl vorgezogen … allerdings habe ich mich auch oft klein gemachen/machen lassen … mit zunehmendem Selbstwert gelingt einiges besser. Aber du hast schon Recht gesantgesellschaftlich gibt es noch viel zu tun, bis Frauen und Männer gleichermaßen einfach nur eins sind: Menschen!

        herzlichgrüß

  2. Vielen Dank, vielen vielen Dank. Die Rezension muss ich mal verteilen. (Darf ich das bei Facebook tun?)

    Meine Hausarbeit über Geschlechterunterschiede ist in die selbe Richtung gegangen. Es gibt eigentlich sehr viele Stimmen, die genau so argumentieren. Gerade die Plastizität unseres Gehirns lässt eigentlich keine Rückschlüsse auf „festgefahrene weiblich-männlich-Muster“. Ich sag’s immer wieder: Es gab die letzten hundert Jahre keinen stärkeren Zusammenhang zwischen Bildungs-/Berufserfolg von Frauen und der sozialen Öffnung für sie.

  3. Solange Frauen und Männer mit gleicher Qualifikation nicht das gleiche Gehalt bekommen, ist die Gleichberechtigung noch nicht ganz angekommen bzw. es gibt noch Ungerechtigkeiten, keine Frage.
    Nachdem ich nun aber diese und einige andere Rezensionen über „Die Geschlechterlüge“ gelesen habe, bin ich skeptisch, ob die Autorin richtig liegt mit ihrer Kritik. Ich empfinde es als nicht besonders seriös und objektiv, sich – so scheint es, ich habe das Buch ja nicht selbst gelesen und beziehe mich nur auf Inhaltsangaben und Rezensionen – vor allem auf populärwissenschaftliche Studien und Bücher zu beziehen (à la „Warum Frauen nicht einparken können…“), die man sowieso nicht ernst nehmen kann – das kann doch nicht das Maß sein, an dem sie den Stand der Forschung misst. Vielleicht hat Fine seriöse Studien nicht ausreichend beachtet oder aber nur die herausgesucht, die IHRE These untermauern (also das getan, was sie anderen vorwirft)…)
    Die Überzeugung der Autorin ist offenbar, dass Männer und Frauen gleich sind, dass es (außer den nun einmal nicht zu leugnenden offensichtlichen biologischen Unterschieden) keinerlei Unterschiede zwischen Frauen und Männern gäbe, nicht im Denken, nicht im Fühlen, nicht im Verhalten, wenn wir nicht von außen manipuliert würden?
    Ich dachte, es stünde inzwischen zweifelsfrei fest, dass sowohl die Biologie als auch die Sozialisierung eine Rolle spielen…? Selbst bin ich jedenfalls davon überzeugt, mir erscheint das schlüssig zu sein. Es ist doch wohl nicht zu leugnen, dass zum Beispiel der unterschiedliche Hormonstatus von Frauen und Männern auch eine Auswirkung hat, zu Unterschieden im Verhalten der Geschlechter führt? Und die Tatsache, dass Frauen Kinder bekommen und stillen können, soll keine Bedeutung haben? Und was ist mit dem Testosteron, dass die Männer eben „aggressiver“ macht? Das ergibt ja auch insofern einen Sinn, als die Frau biologisch die Empfangende ist, sie kann nicht penetrieren. Schon allein daraus ergeben sich meiner Meinung nach Unterschiede auf das Fühlen und Verhalten, die, je nach Sozialisation, natürlich unterschiedlich stark ausgeprägt sind.
    Ich war früher anderer Meinung, wollte alle einfach nur als Menschen sehen, quasi neutral, alle Unterschiede sozialisationsbedingt. Doch woher soll die gegenseitige sexuelle Anziehung und die Spannung kommen, wenn wir alle gleich sind, uns alle gleich verhalten, wie Neutren? Frau sein heißt deshalb doch nicht, hilf- und wehrloses und nur empfangendes Weibchen zu sein. Ich will keinen Mann, der Kleider trägt und rasiere mir die Beine, weil ich es schöner finde. Früher habe ich das aus „Protest“ nicht getan, eine Zeit lang, ich wollte emanzipiert sein – nun lache ich darüber. Ich wollte auch nicht, dass mir ein Mann in den Mantel hilft oder die Autotür aufhält – heute schüttele ich den Kopf darüber, verstehe, warum Männer so unaufmerksam geworden sind, genieße solche selten gewordenen Aufmerksamkeiten stattdessen und fühle mich dadurch in keiner Weise unemanzipiert.
    Mein persönliches Fazit: Gleichwertig und gleichberechtigt auf jeden Fall, aber nicht völlig gleich.
    Sorry, ich habe das jetzt einfach mal so runtergeschrieben, ganz unwissenschaftlich.

  4. Es geht nicht um Gleichmacherrei. Niemand streitet ab, dass Frauen andere Körper haben als Männer. Fine geht es darum, dass die Neurowissenschaft leichtfertige zitiert wird, dass sie (die Wissenschaft) es denjenigen, die sie zitieren aber häufig auch sehr leicht macht, falsch und leichtfertig zitiert zu werden. Ihr geht es u.a. darum, darauf aufmerksam zu machen, welche Verantwortung die Wissenschaft trägt, wenn sie Ergebnisse über Gender veröffentlicht, die eine neurowissenschaftliche (also absolut unantastbare) Grundlage haben. Im Grunde geht es ihr um genau dein Fazit: jeder soll sich selbst „verwirklichen“ können, um dieses ausgelutschte Wort noch einmal zu bemühen, und das ist eben nicht der Fall, wenn Jungen nach wie vor suggeriert wird, fürsorglich zu sein, sich in andere hineinzudenken und miteinander zu reden, seien Mädchenkram und Mädchen im anderen Fall davon abgehalten werden, Dinge auseinander zu nehmen, und auch mal etwas kaputtzuhauen. Als kann dumme klischeehafte Beispiele. Und zwar sind es weder die Eltern, noch die Schule, es ist niemand da, der das bewusst tut, das alles geschieht „automatisch“, unhinterfragt, es beginnt mit dem roas versus blauen Bändchen am Handgelenk und ist dann scheinbar nicht mehr aufzuhalten. Darüber sollten wir nachdenken, statt pseudowissenschaftlichen Ratgebern, die die Neurowissenschaften falsch oder jedenfalls allzu unkritisch zitieren, zu leichtfertig Glauben zu schenken.
    Und zu Deinem Eingangseinwand: nein, sie hat neurowissenschaftliche Studien überprüft, keine Pseudoratgeber, vielmehr zitieren ja auch diese Ratgeber „seriöse“ Studien, die Fine dann auf ihre Seriosität untersucht hat. Aber bei allem Widerspruch kann ich gut verstehen, dass dieses Missverständnis bei Dir aufgetreten ist, es ist auch wirklich schwer darüber zu schreiben, es klar zu benennen, worum es in dem Buch geht, was nicht an dem Buch liegt, sondern an der verqueren Lage, wenn über Gender und Gleichberechtigung gesprochen wird. Ich freue mich jedenfalls, dass Du Deine Zweifel ausgedrückt hast.

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