Elisabeth Masé

Entdeckt habe ich Elisabeth Masé 2007 bei der Ausstellung „Die Unsterblichen“ in der Bielefelder Studiengalerie. Ausgestellt wurden damals hauptsächlich Portraits. Daher auch der Titel „Die Unsterblichen“. Allerdings sind Masés Portraits keine Idealbilder, vielmehr macht sie das Verborgene sichtbar.

Sie selbst sagt dazu: „Die Menschen, die ich porträtiere, inspirieren mich. Sie sind meine Muse. Sie werden zu einem Buch, in dem ich lese. (…) Von einem gewissen Moment an beginne ich, zu träumen und vertraue dem Unbewussten. Meine Modelle sind für mich eigentlich Schauspieler, für die ich ein Stück kreire, oder ein Bühnenbild male.“

Elisabeth Masé „Das 20. Jahrhundert

Ähnlich geht Elisabeth Masé auch mit einem Selbstbildnis um, das, wie sie sagt, nur entstanden ist, weil ihr Mann sich gewünscht hatte, sie solle sich doch einmal selbst malen. „Ich musste mir überlegen, was ich tun sollte. Meinen Mann habe ich als Bild gemalt. Das geschah nicht geplant. Ich fing damit an, mich mit Hilfe eines Spiegels zu malen. Erst danach entstand die andere weibliche Figur, eine Malerin ohne Kopf, aber mit nacktem Körper. Dann kam die Staffelei mit dem Bild, auf dem das Profil meines Mannes erscheint. Das Ergebnis ist die geschlechtliche Umkehrung des klassischen Motivs Maler und Modell. Ich selbst wollte mich im Bild nicht schonen, ich wollte mich weder schön noch heroisch malen. Ich malte mich als Festgewachsene und Zerzauste und Erschöpfte. Die erschöpfte Figur mit dem aufrechten Kopf kann nicht einfach weg. Sie trägt die Schuhe in der Hand, aber ihre Beine sind wie bei einer Pflanze festgewachsen. Sie zieht ihre Säfte aus dem Untergrund oder, wie ein Parasit aus dem Kopf des mannes. Der Mann wiederum trinkt die Milch der kopflosen Nackten. Das Bild ist also sehr ambivalent. Es gibt Hingabe und Aggression. Die Sexualität und die Inspiration stehen in einem spannungsvollen Verhältnis zueinander. Sie scheinen schier auseinander zu brechen. Das Bild stellt auch einen Kreislauf dar: Die Malerin nährt den Mann im Bild mit ihrer Milch. Aus dem Kopf des Mannes wachsen zwei schmale Baumstämme, die wiederum als Beine in den Rumpf meines Spiegelbildes hineinwachsen. In meinem Bild nähren sich Mann und Frau also gegenseitig. Für mich ist das wie ein Perpetuum Mobile, wobei das Körperliche eine wichtige Rolle spielt.“ (Elisabeth Masé im Gespräch mit Stefanie Heraeus, zitiert nach Elistabeth Masé Die Unsterblichen, Kerber Verlag 2007)

5 Gedanken zu “Elisabeth Masé

  1. Danke Petra, das freut mich. Ich finde Elisabeth Masé und insbesondere ihre Portraits aus zwei Gründen sehr interessant, zum einen, weil sie, wie eine andere meiner Lieblingskünstlerinen Elisabeth Peyton, Portraits malt, aber anders (doch nicht weniger liebevoll) an diese Aufgabe herangeht und zum anderen, weil ich dieses Bild der Quelle, gemeinsam mit ihrer Erklärung, wie sich Mann und Frau gegenseitig nähren, als wunderbare Ergänzung zur „Geschlechterfrage“ empfinde.
    Mir fällt gerade auf, dass ausschließlich Frauen diesen Beitrag mögen 😉

  2. ich denke, aber eher gefühlsmässig, auch an frida kahlo … obwohl sehr anders.
    das bild und der text sind sehr nachvollziehbar. mir gefällt der gedankengang und mir gefällt der malstil. es löst in mir eine spannung aus. dieser kreislauf fasziniert mich …
    und ja, es ist eine art idealbild von mann und frau und dem austausch zwischen ihnen.
    danke fürs teilen, ich kannte elisabeth masé nicht.

    1. Frida Kahlo passt auch, weil alle miteinander diese surrealen Elemente in ihren Bildern haben. Überhaupt interessiert mich das gerade sehr, Frauen und Surrealismus. Ich werde demnächst eine kleine Reihe darüber starten.

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