Räume

Ein Mann fährt im perfekten Einklang neben der Stadtbahn, während mich die Erinnerungen überfallen. Erinnerungen an Orte, an denen ich etwas Bedeutendes hätte schreiben können.

Der kleine Resopaltisch in der engen Küche meines so früh verwaisten Elternhauses. Ein Jahr hielt ich es dort aus, nach dem Tod meiner Mutter. Sobald ich das Haus verließ, den Unfallort vor Augen.

Das Zimmer in der ersten WG, Glühwürmchen vor dem Fenster und Hunde vor dem Bett, die zweite WG, in der zu viel Nähe in zu viel Hass umschlug. Das alte Sprossenfenster vor dem ich – immer frierend – mit einer Tasse Kaffee in der Hand die schönsten Sonnenaufgänge beobachtete. Das dunkle Schlauchzimmer in einer unangenehmen Untermietersituation.

Die erste Wohnung mit meinem Mann, in der mein Zimmer hallenbadblau war, weil ich den Mischton vor dem Streichen nicht getestet hatte. Die winzig kleine Dachgeschoßwohung in der Nähe der Uni, die wir danach hatten. Unsere schönste Wohnung, Altbau, stadtnah, aber furchtbar dunkel, zu keiner Tageszeit konnte ich ohne Licht am Schreibtisch arbeiten. Die sehr helle Wohnung mit der Mansarde, in der mein erster Sohn geboren wurde. Unser erstes Haus mit dem riesigen Garten und den grauenhaften Nachbarn, und jetzt dieses Haus, seit Jahren zum ersten Mal wieder ein eigenes Arbeitszimmer.

Aber immer noch sitze ich am liebsten in der Küche, warte auf die Herbstrosen, darauf, dass der Schnee fällt und wieder schmilzt, auf die ersten Krokusse, die Tulpen, die Blütenpracht des Sommers. Bis wieder Herbst wird und ein weiterer Kreis sich schließt.