Der schwarze Hund – Les Murray

Der schwarze Hund ist gestern eingetroffen.

Der Mann, der solche Gedichte schreibt, schreibt darin von seiner Depression, davon wie unvorstellbar grauenhaft das Leben wird unter der Herrschaft des schwarzen Hundes, wie schon Churchill seine Depression genannt hat. Aber auch, und das hat mich vielleicht am meisten betroffen, davon, wie destruktiv Sexualität sein kann, bzw. die Angst und die Scham mit der Sexualität überfrachtet wird. Dass dann ein Vater nicht über die Lippen bringt, dass seine Frau aufgrund einer erneuten Fehlgeburt verblutet, und der Krankenwagen nicht rechtzeitig eintrifft, dass daraufhin das Kind, das diese Frau geboren hat, vor den Fehlgeburten, sich schuldig fühlt am Tod der Mutter und lange Zeit mit der Überzeugung lebt, dass Sex tödlich ist.

Aber auch die sanfte Seite, die Möglichkeit sich dennoch auszusöhnen, mit den Vätern, den Müttern und sogar mit sich selbst. Die Einsicht wie viel Schmerz die Klarheit seiner Gedichte ihn gekostet hat und wie wertvoll sie sind, für die, die immer abseits stehen, aber auch für diejenigen, die diese ins Abseits drängen. Wenn sie sie lesen würden. Eines Tages. Vielleicht.

Robert Lebeck

Grau. Wenn man sich Fotografien aus den deutschen Nachkriegsjahren anschaut, überfällt einen diese Farbe geradezu: Graue Mäntel, grauer Staub, graue Trümmer, graue Äcker, graue Häuser, ja, sogar die Menschen wirken irgendwie grau. Grauenvoll. Trümmerdeutschland war aber gar nicht so.

Ich hatte nach dem Krieg lange genug in den USA zugebracht, um die Gemütslage einer satten, siegreichen Nation kennenzulernen, die zu ahnen beginnt, daß ihre besten Zeiten vorbei sind. Genau umgekehrt war es in Deutschland. Dort herrschte eine Aufbauatmosphäre, ein „Hurra wir leben noch!“ und die euphorisierende Gewißheit, daß nun das Schlimmste überstanden war.“

Robert Lebeck

Frau entdeckt ihren Sohn – Robert Lebeck