Der weibliche Blick II

Ich bin keine erklärte Feministin, ich habe diesen ganzen theoretischen Hintergrund nicht, Judith Butler z.B. habe ich nie gelesen, aber ich bin eine Frau, und deswegen, vermute ich, muss ich solche Erklärungen vorausschicken, wenn ich mir das Recht nehme, für mich zu klären, was einen weiblichen Blick ausmacht, die weibliche Sicht auf die Welt. Denn das, so scheint mir, ist ganz tief verwurzelt weiblich (anerzogen), sich zurückzunehmen, seine eigene Meinung nicht zu wichtig zu nehmen, sondern eben nach Mustern zu suchen, nach Vorbildern und dann Dinge zu tun und zu sagen, die anderen gefallen, die den Blick nicht gerade auf einen Konflikt lenken, sondern auf etwas, das Wohlgefallen auslöst. Harmonie.

So schaden wir einander immer noch, statt uns etwas zuzutrauen, statt uns auch ein Scheitern und Irrtümer zu erlauben, statt zu sagen, wie Melusine es in ihrem Kommentar vorschlägt, dass Kochen nicht nur in der 5 Sterne Gastronomie, sondern auch in der häuslichen Küche, Kunst ist, dass das was wir tun, durchaus Vorbildcharakter haben kann, oder jedenfalls bestehen kann, jeden Vergleich bestehen kann. Statt dessen rechtfertigen wir uns und machen uns auf diese Weise angreifbar. Wir betrachten uns selbst und die andere mit Zweifel und Angst. Warum nicht mit Neugier? Mit Stolz darauf, was erreicht worden ist, auch wenn das Ziel noch in einiger Entfernung liegt. Dass Frauen ehrgeizig sind, oder sich unterordnen, dass sie aber wählen können zwischen Möglichkeiten, die ihnen sehr lange verwehrt gewesen sind. Die Frau, die nicht länger im wahrsten Sinne Hausfrau sein muss (auch wenn sie es noch sein darf, obwohl das ja auch so nicht stimmt), die jedenfalls nicht mehr notwendigerweise so verwachsen sein muss mit dem Haus, wie Louise Bourgeoise es in ihren Skulpturen zur Hausfrau verdeutlicht hat.

Aber was ist mit dem Ansehen, wenn Frau den Kopf aus dem Haus befreit. Wie wirken sich die Veränderungen darauf aus, wie Frauen angesehen werden?

„Man stelle sich ein Buch mit Bildern von Frauen vor“, schreibt Susan Sontag, „in denen keine der Frauen als schön zu bezeichnen wäre. Hätten wir nicht den Eindruck, daß der Photograph etwas falsch gemacht hat? Niederträchtig war? Ein Frauenfeind ist? Uns um etwas gebracht hat, das zu sehen uns zustand? Niemand würde dasselbe über ein Buch mit Portraits von Männer sagen.“

Schönheit als Ausdruck der Tugend, des reinen Charakters, während ein Mann nur stark sein muss, oder mächtig? Ist das noch so? Sind wir wirklich darüber hinweg?

Schönheit, bzw. die Identifikation der Frau mit ihrem Aussehen „war ein Mittel, Frauen zu inmobilisieren“, schreibt Susan Sontag. „Während der Charakter sich entwickelt, hervortritt, ist Schönheit statisch, eine Maske, ein Magnet für Projektionen.“

Aber zurück zu den Fotos. Das, was uns auf Fotos gegenübertritt, erklärt Sontag, ist das, was eine unterschiedliche Machtverteilung uns vorgibt, also nicht Frauen und Männern, sondern Bilder von Frauen und Männern. Insofern ist ein Foto eine Meinung. Was aber wenn sich die Meinung ändert, ändern sich dann auch die Fotos und der Blick auf die Bilder? Zunächst der weibliche und dann der Blick überhaupt?

„Eine der Aufgaben der Photographie besteht darin, die Mannigfaltigkeit der Welt zu erschließen und unsere Sinne dafür auszubilden. Es geht nicht darum, Ideale zu präsentieren. Es gibt kein Programm, außer Vielfalt und Interessantheit. Es gibt keine Wertungen, was natürlich in sich eine Wertung ist.

Und die Mannigfaltigkeit ist selbst ein Ideal. Wir wollen heutzutage wissen, daß es für jedes dies auch ein das gibt. Wir wollen eine Pluralität von Mustern.“ (Sontag)

Genau das löst das Fotobuch „Women“ ein. Weil es eben dies Ideal feiert.

Mit solchen Bildern.

Louise Borgeois, Annie Leibovitz, aus dem Fotoband „Women“

Ohne die Augen zu verschließen vor solchen Bildern:

Victim of domestic violence – Annie Leibovitz, aus dem Fotoband „Women“

Vielfalt.

Women – Annie Leibovitz

Und das könnte ein Anfang sein. Die Vielfalt zu feiern. Des weiblichen Blicks.

27 Gedanken zu “Der weibliche Blick II

  1. egal, wer was zum weiblichen blick sagt, theoretisiert oder dazu empfindet. das allerwichtigste ist, finde ich, dass es ihn in seiner (ja, idealen) mannigfaltigkeit gibt. und, dass er auf andere frauen fällt. denn zu lange wurden frauen nur durch den männlichen blick (re)produziert – und werden es v.a. in der popkultur immer noch. ich mag die fotos von francesca woodman (http://aufzehenspitzen.wordpress.com/2012/03/27/wann-hast-du-dich-verloren/) sehr – und die porträts von marion post wolcott: http://everyday-i-show.livejournal.com/178014.html

  2. ich besitze seit fast einem Jahr eine Postkarte mit eben diesem Porträt von Louise Borgouis, es hängt schräg gegenüber auf meiner Pinnwand und will mir Mut machen, die zu sein und zu werden, die ich schon immer bin, IMMER. Es gibt für mich keinen Halt vor einer gezogenen Altersgrenze, schffen bis zum Ende, ist mein Motto… auch das tat Louise B. und sie ist schön, weil sie Authentizität ausstrahlt. Schönheit ist ein Begriff, der auch immer dem Zeitgeist und der Kultur, in der mensch aufwächst, unterliegt. Darum ändern sich die Bilder und Blicke von Frauen und Männern.

    Ist dir schon einmal aufgefallen, dass Nachrichtensprecher immer auch das Aussehen von PolitikerInnen (u.a.) kommentieren? Das wird bei Männern nie gemacht. Als ob das Aussehen eine Rolle für die politische Aufgabe und deren Lösungen spielen würde.

    In der Fotografie geht es mir um den Spiegel und darin sollte doch alles Raum haben… auch z.B. eine Frau mit Blessuren (das zweite Bild). Ja, dieses Foto schmerzt und webt eine traurige Geschichte. That`s life, isn`t it?!

    herzlich grüßt dich Frau Blau

    1. Louise Bourgeois ist auch für mich wie kaum eine zweite Frau geeignet, Mut zu machen. Wie sie ihre Verletzungen und Erniedrigungen, Enttäuschungen in Kunst verwandelt hat, das hat wirklich Vorbildcharakter für mich, und macht Mut. Nicht zuletzt, weil sie bis zuletzt nicht aufgehört hat, die zu sein, die sie immer schon war, auch wenn andere das nicht immer sehen wollten und ihr Gesicht, egal in welchem Alter, diese Kraft ausstrahlt, an sich selbst zu glauben, und daran, dass man jedem zusteht, sich zu wehren, wenn man in der persönlichen Entfaltung behindert wird. Durch Vorurteile z.b., oder falsche (männliche) Bilder.

  3. JA! und so… genau darum geht es: Die Vielfalt.

    Und wegen „Feminismus“ – das ist auch Vielfalt. Ich habe Butler gelesen, aber mit viel weniger Gewinn als die unbekannteren italienischen Autorinnen, die als Diotima-Gruppe publizieren. Deren Überlegungen, die „von sich ausgehen“, gerade um nicht in die Falle des Schein-Objektivierenden zu geraten, der/die immer nur bei sich ankommt, weil er seinen Blick auf die Welt mit der Welt verwechselt. Das hat mir geholfen, mein Begehren besser zu verstehen, auch ganz pragmatisch geholfen, meine eigene Mutter anerkennen zu können, ohne mich mit ihr identifizieren zu müssen. Und ich glaube inzwischen, dass dieser Blick der entscheidende und der befreiende ist: Sich selbst und andere Frauen nicht mehr mit den Augen von Männern (oder einer patriarchalischen Ordnung) zu sehen, sondern die Vielfalt der Frauen zu erleben, indem sie aufeinander schauen und Blicke wechseln.

    LG
    M.

  4. Das ist schön, dieser letzte Satz, des auf einander Schauens und Blicke wechseln. Ich finde hier und heute (und gestern) ist das schon sehr gut gelungen.
    Aber es ist schon verrückt, wie man sich immer wieder dafür rechtfertigt, wenn man einfach nur „von sich selber ausgeht“, als gäbe es eine Alternative, als wäre da die Möglichkeit eines anderen Ausgangspunktes, der nicht sofort zur Sackgasse wird. Ich werde trotzdem nicht anfangen, die Diotima Gruppe zu lesen, dafür liegt hier noch viel zu viel wunderbare Literatur und die Zeit ist sowieso immer viel zu knapp, aber ich lese weiterhin bei Ihnen mit, wenn Sie sich wieder um diese Themen kümmern und sonst gehe ich einfach weiter von mir selbst aus und pflege die Vielfalt des weiblichen Blicks.

  5. Du schreibst, das sei tief verwurzelt und uns „(anerzogen), sich zurückzunehmen, seine eigene Meinung nicht zu wichtig zu nehmen, sondern eben nach Mustern zu suchen, nach Vorbildern und dann Dinge zu tun und zu sagen, die anderen gefallen, die den Blick nicht gerade auf einen Konflikt lenken, sondern auf etwas, das Wohlgefallen auslöst. Harmonie“. Ich arbeite in einem Team mit 10 weiteren Frauen, die alle sehr unterschiedlich sind. Sie, als auch meine Freundinnen, meine Schwester, Nachbarinnen, die ich näher kenne, selbst die Schwiegermutter und die alte Klassenlehrerin hätten sich selbst nie so verstanden.

  6. Das ist doch großartig. Ich glaube, es gibt auch wirklich viele Frauen, die sich so nicht verstehen, und das ist gut. Sehr gut. Aber es sind, meiner Meinung nach, priviligierte Frauen, weil ich tatsächlich glaube, dass immer noch viele Mädchen so erzogen worden sind, ich kann mich z.B. an eine Schulfreundin erinnern, die eine hervorragende Schülerin war und nicht auf das Gymnasium wechseln durfte, weil die Eltern es für überflüssig fanden, einem Mädchen so viel Bildung zukommen zu lassen, das war immerhin in den 80er Jahren, also nicht ganz so lange her und auch wenn sie sicher eine Ausnahme war, und es derartiges heute vielleicht kaum noch gibt, sind meine Freundinen und Cousinen auf diese Art und Weise erzogen worden. Ich habe noch heute nicht nur einen großen Respekt, sondern es macht mich regelrecht froh, wenn Frauen so zu sich selbst stehen, es einfach in Kauf nehmen anzuecken und eben nicht in erster Linie nett und unauffällig sein wollen. Wir können von euch nur lernen.
    Danke für diesen Widerspruch.

  7. Viele wissen heute – geschlechtsunabhängig – nicht mehr wer sie eigentlich sind, ist meine These. Weil Persönlichkeit, also echte Persönlichkeit, nicht die künstilich durch Moden geschaffene, im Grunde nicht gefragt ist. Stil ist Anpassung an Strömungen mit der Illusion ein Individuum darzustellen. Persönlichkeit ist das genaue Gegenteil. Oft unbequem. Und deshalb unerwünscht. Unisex.

    1. Da gebe ich Dir vollkommen Recht, Frau S., ich habe vor einiger Zeit einen Beitrag angefangen, in dem es u.a. darum geht, dass Persönlichkeit weniger denn je gefragt zu sein scheint, andererseits beklagt man sich darüber, dass es z.B. keine Politiker mit Charisma mehr gibt. Und ich glaube in diesem Falle dürfte es Frauen leichter fallen, Widerstand zu leisten, weil die Tradition eine Persönlichkeit erst gar nicht zu entwickeln, bei ihnen eine viel längere Tradition hat.
      Sibylle Berg hat ja in ihrem neuen Roman „Vielen Dank für das Leben“ so eine „Unisex“ bzw. Gar-kein-Sex Figur geschaffen, den Hermaphroditen Toto, aber, wen wundert es, auch dieser entschließt sich, aufgrund seiner Sanftheit und unerschütterlichen Güte, eine Frau zu werden.
      Was ich wirklich merke, schon bei der Auseinandersetzung mit dem Thema, beim Schreiben also, noch viel mehr aber in der jetzt folgenden Diskussion, die erfreulich rege ist, ist wie viel da bei mir noch im Unklaren liegt, wie viel Klärungsbedarf ich noch habe und das die Antwort hinter die ich mich lange zurückgezogen habe, nämlich, dass ich das eigentlich gar nicht will, diese Unterscheidung in männlich und weiblich, dass ich Emanzipation, gelungene Emanzipation immer für eine Aufhebung der Attribute männlich und weiblich halten wollte, grundverkehrt ist, nicht zuletzt, weil sie um die Vielfalt bringt, die Mensch braucht, um seine Persönlichkeit voll zu entwickeln.

      1. Auch wenn es unpopulär ist, die Meinung zu vertreten: Du hast Recht. Die Aufhebung von männlich und weiblich ist nicht förderlich für das Bilden von Persönlichkeit.
        Übrigens gebe ich dir auch völlig recht, wenn du in dem ursprünglichen Blogtext schreibst, dass Frauen, das Gefühl von Anpassung viel mehr verinnerlicht haben. Ich empfinde es auch so. Das wiederum ist eine Sache der Erziehung. Und die braucht man nicht.
        Deinen Beitrag über die nicht mehr gefragte Persönlichkeit möchte ich sehr gerne bald lesen!

  8. Die Bezeichnung männlicher/weiblicher Blick finde furchtbar. Es suggeriert, dass ein männlicher/weiblicher Blick eine typische männliche/weibliche Eigenschaft ist und verstärkt meiner Meinung nach Stereotype. Oder gibt es deiner Meinung nach keine Frauen mit männlichen Blick bzw. Männer mit weiblichen Blick?

    1. ich lese das so, dass weiblich und männlich nicht unbedingt gekoppelt sein müssen an frau (=weiblich) und mann (=männlich) – auch, wenn das eben früher meist so war (und heute meist noch erwartet wird).

      1. Dann sollte man meiner Meinung nach diese Begriffe auch nicht benutzen. Ich fühl mich (als Mann) vorverurteilt, wenn diese Sicht als männlich bezeichnet wird.

  9. Ich kann diese Reaktion verstehen, trotzdem ist die Bezeichnung für mich richtig. Männer sind nicht wie Frauen und darum finde ich es ganz folgerichtig und logisch, dass Frauen Frauen anders ansehen, als Männer das tun. Das ist kein Stereotyp und schließt auch gar nicht aus, dass es auch Männer gibt, die mit einem weiblichen Blick auf die Welt blicken, ebenso wie es sicher Frauen gibt, die versuchen ausschließlich ihre männlichen Anteile zu pflegen.
    Klar besteht bei solchen Diskussionen immer auch die Gefahr in Stereotype zu rutschen, alles fein säuberlich in Schubladen zu stecken, um so eine Ordnung herzustellen, nur um der Ordnung wegen. Ich habe ja selber lange geglaubt, es sollte eigentlich gar keine Unterscheidung geben zwischen Männern und Frauen, dann erst wäre die Emanzipation wirklich vollzogen. Dabei ist es doch wunderbar, zu unterscheiden, sobald es gelingt mit dieser Unterscheidung nicht automatisch auch eine Wertung vorzunehmen.

    1. Da muss ich widersprechen! Eine Sicht(weise) ist sicher nichts angeborenes sondern meiner Meinung nach etwas anerzogenes.
      Klar gibt es eine typisch-männliche Sicht und eine typisch-weibliche Sicht, wie du das ja auch beschreibst. Aber, wie aufZehenspitzen auch schreibt, muss ein Mann nicht zwangsweise eine männliche Sichtweise haben und eine Frau nicht zwangsweise eine weibliche.

      Ich möchte auch gar keine Wortklauberei hier betreieben. Worum es mir geht ist folgendes: Bei Diskussionen kommt es mir immer wieder vor, dass (möglicherweise) typisch männliche Eigenschaften kurzerhand als männlich abgestempelt werden. Und das, obwohl andere Atribute (meist „dumm“ und „dämlich“) viel geeigneter wären… Und das nervt mich gewaltig und deshalb reagiere ich hier (möglicherweise) unangemessen stark. 😉 Einen schönen Abend wünsche ich aber auf jeden Fall!

      1. Ja, danke für diese Klarstellung. Jetzt verstehe ich die Kritik besser. Aber das ist im Grunde genau das, was ich mit meinem letzten Satz meinte, eine Unterscheidung, die eben keine Wertung beinhaltet. Und glaub mir, ich bemühe mich bestimmt darum, nichts männlich zu nennen, was ich einfach nur dumm finde. Schließlich lebe ich mit ganz wunderbaren Männern zusammen, die ich ganz bestimmt nicht angreifen möchte.

  10. Ich glaube auch, dass sich viele Frauen nicht so verstehen und sich dennoch im Kontrast zu Männern genauso verhalten, wie du das beschrieben hast: Wir nehmen uns zurück. Wir verhalten uns abgeschwächter als Männer. Wir halten uns zurück, und die innere Zweiflerin ist viel größer. Das merkt man schon an unserer Art, Entscheidungen zu treffen. Wir tun uns schwerer, wir gehen alles 1000 Mal nach und misstrauen unserer Intuition noch viel mehr als unserem Verstand, obwohl sie eigentlich unsere Stärke ist. [Doch sie wurde zu oft belächelt, eben jene Intuition]. Selbst, wenn wir keine Hausfrauen sein wollen und uns für eine Karriere entscheiden, werden wir niemals keine Hausfrau sein können, denn im Falle einer Partnerschaft sind wir es meistens, die sich im Ästhetikempfinden gestört fühlen, wenn heillose Unordnung herrscht. Und wenn Kinder kommen, werden wir beides sein, fleißige Arbeiterinnen und fleißige Haushaltsmanagerinnen, und die Mutter sind wir auch, die, die hütet und pflegt.

    Auch, wenn wir uns nicht so empfinden, weil uns viele Strukturen offen gelegt werden, die wir gehen dürfen, viele gehen wir noch nicht. Weil laut, sehr selbstsicher, auf den Tisch hauend und fordernd eben unweiblich ist. Und unweiblich = unattraktiv [seelisch und sexuell]. Und das wiederum macht uns Angst, weil wir nicht einsam sein wollen.

    1. Mit Deiner Schlussfolgerung ist es mir ganz merkwürdig ergangen. Ich wollte protestieren, ich habe geschrieben, dass ich Dir nicht zustimmen kann, dass Frauen doch besser damit zurecht kommen allein zu sein als Männer (hatte ich gerade heute irgendwo gelesen) und dann gab es noch andere Argumente, aber sobald ich sie weiter ausführen wollte, merkte ich, wie ich mich selbst widerlegte. Also stimme ich dem, was Du geschrieben hast, nach anfänglicher Abwehr 😉 jetzt voll und ganz zu und nicht nur dem, was Du über das Ästhetikempfinden, wie du es so hübsch ausdrückst, geschrieben hast, das manche von uns immer wieder den kürzeren ziehen lässt, wenn es um häusliche Gleichberechtigung geht.

      1. Guten Morgen, liebe Mützenfalterin …

        Natürlich hättest du auch protestieren dürfen. Denn: Nach einer Trennung kommen Frauen tatsächlich besser zurecht als Männer. Und während einer Beziehung geht es Männern auch besser als Frauen. Die Gründe hierfür würde ich gerne irgendwann einmal näher erläutern, weil sie für unser Selbstverständnis eigentlich wichtig sind, aber du hast da nichts Falsches gelesen.

        Die Trennung an sich geht meistens von den Frauen aus, nachdem sie mindestens 1 Jahr versucht haben, zu erklären, wie wichtig es sei, dass „wir nun miteinander reden und etwas ändern.“ Da das oft nichts bringt, weil Männer „solche Probleme“ als nicht so dramatisch empfinden, fangen Frauen an, sehr viel zu nörgeln. Da schalten Männer aber komplett auf Durchzug, weil sie Nebenstress oft abschalten, um im Beruf klarzukommen. Und dann sind sie meistens absolut geschockt, wenn die Frau die Koffer packt. Es kommt nicht selten vor, dass sie sagen: „Was? Wieso? Was ist denn ‚plötzlich‘ passiert?“ Das ist dann natürlich nochmal ein Schlag ins Gesicht für die Frau, die soviele Monate lang versucht hat, zu erklären, warum sie so unglücklich ist.

        Frauen haben für sich also oft „klar“, dass sie gehen werden, die psychische und auch organisatorische Vorbereitung läuft schon Monate vorher als „Hypothetischer Überlebensversuch“ im Hintergrund. Außerdem haben sie oft mindestens 1-2 Freundinnen in ihrer Krise involviert, die Entlastung ist also größer als beim Mann. Frauen können Gefühle zeigen, ohne sich unbedingt „schämen“ zu müssen, Männer jedoch nicht. Sie stehen erst einmal alleine da, sind fassungslos, gehen dann trinken, reden immer noch zuwenig und wenn, versuchen sie die „Sache“ zu „verharmlosen“. Aber der Selbstmord und das selbstschädigende Verhalten nach Trennungen ist bei Männern viel viel viel höher ausgeprägt als bei Frauen. Da widerspreche ich dir nicht.

        Aber während Beziehungen geht es Frauen oft schlechter als Männern. Und das liegt an ihrer Unterschiedlichkeit [ob nun genetisch oder sozialisationsbedingt, macht keinen Unterschied]. Während sehr viele Frauen irgendwann im Laufe einer Ehe eien Depression entwickeln, wo sie vorher keine entwickelt hatten, geht es Männern gesundheitlich und psychisch oft besser. Lass mich den Grund ganz „oberflächlich“ erklären: Männern reicht es oft, wenn Frau und Kind, Familie und Heim einfach „in Ordnung“ ist, alles da ist, wo es sein soll, die Frau sich kümmert, da ist, ihm einfach mal einen Kuss gibt, die Kinder ihm nach der Arbeit auf den Schoß wollen, wenn alles „läuft“. Frauen hingegen haben von einer Beziehung noch andere Vorstellungen. Sie wollen viel mehr über „Gefühle reden“, kommunizieren, die Romantik wieder „aufleuchten“ lassen, mit ihrem Mann träumen. Männer wollen „sich ausruhen im wohligen Nest ihrer Ehe“, Frauen wollen „an dieser Ehe arbeiten“. Und Arbeit – so denkt sich der Mann – „hab ich doch genug!“ Das ist jetzt sehr grob vereinfacht, aber diese Strukturen findet man in der Paartherapie sehr sehr oft.

        Aber was das Berufliche angeht, da sind Frauen von ambivalenten Gefühlen nur so durchschwemmt. Das ist keine klare Angelegenheit für sie. Oft haben Frauen sogar ein schlechtes Gewissen, wenn sie beruflich erfolgreich sind, sie denken dann, dass sie automatisch ihre Kinder dafür vernachlässigt haben müssen. Aber das ist ein sehr sehr großes Feld.

        P.S.: Bitte beachte, dass ich hier zwar „Frauen“ und „Männer“ schreibe, aber damit nicht alle meinen kann. Alles, was ich schreibe, ist tendenziös gemeint; und ist auch belegt. Was nicht heißt, dass sich das nicht verändern kann im Laufe der Zeit.

  11. Guten Morgen, Sherry 😉
    Nein, ich habe da nichts Falsches gelesen, aber ich merkte bei meiner Antwort, dass es unterschiedliche Dinge sind; die Tatsache mit dem Alleinsein zurecht zu kommen und die Angst vor der Einsamkeit an sich, vielleicht auch die Art und Weise wie Frauen Einsamkeit definieren, dass es Frauen eben, wie Du ja auch beschreibst, nicht genügt, nur zusammen zu sein, rein körperlich anwesend, dass Frauen möglicherweise einsamer sind, wenn sie in einer (für sie unbefriedigt empfundenen) Beziehung stecken, als wenn sie allein sind, auf sich gestellt.
    Ich weiß nicht einmal, ob sich die Eigenschaften, die „Vorlieben“ oder wie immer man es nennen mag von Frauen und Männern ändern müssen (ich weiß, davon schreibst Du auch nichts), wichtiger wäre doch, einen Weg zu finden, wie sie einander verstehen können, Partnerschaft heißt ja nicht Gleichheit, sondern Gleichberechtigung. Und es ist ja auch nicht so, dass Frau nicht auch etwas lernen kann von den Männern. In der Erziehung z.B. finde ich es immer wieder sehr wohltuend, dass mein Mann einen Ausgleich bereitstellt für das überbesorgte Muttertier, das ich manchmal bin.

    1. Das ist total schön, dass du deinen Mann überhaupt einen Ausgleich bei der Erziehung sein lässt. Viele Frauen trauen ihren Männern so wenig das Vatersein zu, dass sie da ganz oft „reinstören“, wenn Männer sich intensiv mit ihren Kindern beschäftigen wollen. Tun sie’s dann immer seltener, weil die Mutter eben nicht kurz abschalten kann und ihrem Mann so wenig zutraut, fangen sie an, sich zu beschweren „Nur die Arbeit ist dir wichtig. Die Kinder und ich sind dir egal …“ Auch Frauen üben Macht aus, es ist die Macht der „Ratschlagenden“, der, die dem Mann eh nichts zutraut, weil das Haus und die Kinder „ihr Revier“ sind. Das sind echt Muster, die sind bei vielen Familien von schwach bis stark ausgeprägt.

      Ich empfehle dir ein Buch, falls du Lust auf so etwas hast, das viele Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Frauen und Männern sehr schön veranschaulicht, ohne dass da so etwas populärwissenschaftliches wie „Frauen können nicht einparken und Männer nicht zuhören“ bei rauskommt: Er sagt, sie sagt: Kommunikationspsychologie für Partnerschaft, Familie und Beruf

      1. Das Schöne ist: Es geht hier nicht um „Ändere dich so und so“, sondern um „Wenn Männer lieben, dann zeigen sie das anders … Versuch‘ das wahrzunehmen, das Andere.“ Und auch für Männer: „Wenn deine Frau dich fragt ‚Liebst du mich‘? Dann meint sie damit nicht ‚Du bist ein mich vernachlässigender Mann und du bist mir nicht genug‘, sondern dass sie einfach hören möchte, direkt, dass du es noch tust.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s