Neunter Tag

Seltsam, wie es mir beim Lesen des zweiten Teils, dem „Buch der Erinnerung“, immer schwerer fällt, eigene Gedanken zu dem Gelesenen niederzuschreiben.

Geschichten erzählen als lebensverlängernde bzw. lebensrettende Maßnahme. Die Geschichten aus 1001 Nacht, aber auch der Titel von Joan Didions Essaysammlung: Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben. Die Bedeutung des Erzählens, und wie wenig man sie im normalen Ablauf des Alltags erkennt. „Denn das ist die Funktion des Erzählens“, schreibt Auster, „jemandem eine bestimmte Sache vor Augen halten, indem man ihm eine andere zeigt.“ Verständnis ermöglichen für die, die nicht für sich selbst sprechen können, für die, denen wir niemals begegnen werden (vielleicht auch gar nicht begegnen wollen), eine Offenheit schaffen, indem jeder in der Sicherheit seines Zimmers bleiben darf, während das Buch, die Erzählung, die Fenster weit öffnet und Wirklichkeit eindringen lässt.

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11 Gedanken zu “Neunter Tag

  1. das erinnert mich an propheten und proleten
    die bilder zu konfigurieren um sie zu mögen oder eben nicht
    allerdings ixt sprachlosigkeit auch nur eine falle von vielen..hihi

  2. Du hast gesagt, du magst solche Zufälle. Und wieder kann ich dir so einen erwähnen. In der Gruppentherapie wollte mein Chef, dass ein Patient ein bestimmtes Erlebnis als Geschichte erzählt. Er erklärte, dass in „Sherry’s Kultur zum Beispiel Geschichten einen viel höheren Stellenwert haben als in unserer …“ und dann wollte er, dass ich erkläre, welche Funktion Geschichten und Märchen bei uns haben. Und neben meiner Erklärung, dass wir es ohne soviele Märchen, Mythen und Geschichten nicht schaffen würden, 8000 Jahre Kultur und Moral in irgendeiner Weise nur durch das Erklären von Konventionen zu erfassen, und dass diese Märchen im Grunde Lebenslektionen sind, moralische Prinzipien beinhalten, die uns helfen, zu ändern, was wir ändern können und Demut vor dem zu zeigen, was wir nicht ändern können, habe ich Austers „eine Offenheit schaffen, indem jeder in der Sicherheit seines Zimmers bleiben darf, während das Buch, die Erzählung, die Fenster weit öffnet und Wirklichkeit eindringen lässt“ sinngemäß erwähnt.

      1. Ich wusste natürlich nicht, dass das von ihm war, also, es waren meine eigenen, ähnlichen Gedanken. Dass Geschichten auch dann noch verbleiben, wenn man selbst nicht mehr ist. Oder, dass sie auch an Orten weiterleben, die weit weg von uns sind.

  3. Die Blogger, die mögen das, wie Worte und Geschichten sich bewegen. Gutes Weiterbloggen!- Witzig, das letzte Wort ist von Zeit oder Ort zu verstehen. Auf irgendeiner Liste habe ich gelesen, dass jemand in Australien bei mir mitliest, ich vermute auch, wer das ist.

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