Achter Tag

Betrachtungen über die Einsamkeit. Jona als Paradebeispiel für Einsamkeit. Einer, der sich der Gemeinschaft verweigert,indem er schweigt. Seinen von Gott erteilten Auftrag nicht ausführt, weil seine Rede Wirkungen hätte, die ihn zum falschen Propheten machen würde. Seine Besinnung in der Dunkelheit des Walbauches. Seine Rettung und Läuterung.

Der gescheiterte Versuch, Collodis Pinocchio auszuleihen, weil der Standort nicht eindeutig war und die Zeit zur Suche fehlte.

Selbst als die Kinder schon 5 und 6 Jahre, oder sogar älter waren, fürchteten sie sich vor Geschichten, in denen große Fische vorkamen, vor der Geschichte von Jona und auch vor der von Pinocchio.

Die einzige Art, auf die ich mit dem Schmerz der Erinnerung (als unweigerlich Vergangenem) umgehen kann, ist darauf zu beharren, dass all diese Erinnerungen da sind, lebendig, als Teil von uns, von dem, was aus uns geworden ist.

Auster dazu:

Erinnerung also nicht als die Vergangenheit in uns, sondern als Beweis für unser Leben in der Gegenwart. Wer wirklich in seiner Umgebung anwesend sein will, darf nicht an sich selbst, sondern muß an das denken, was er sieht. Um da zu sein, muß er sich vergessen. Und aus diesem Vergessen kommt das Erinnerungsvermögen. Auf diese Weise kann man sein Leben so leben, daß nichts davon verlorengeht.“

Die Vergangenheit vergessen, um präsent zu sein, obwohl sie immerzu ein Teil ist, ein Teil des Lebendigen, die Perspektive bestimmt, das was wir sehen, wie wir es sehen. Aber was mir wirklich gefällt, ist dieser Gedanke, dass erst aus dem Vergessen Erinnerung entsteht. Erst wenn ich mich vergesse, von mir absehe, kann ich die Einsamkeit der Erinnerungslosigkeit überwinden.

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7 Gedanken zu “Achter Tag

  1. na ja.auch die philosophen werden immer jünger ..mit gestylter schwulität betreten sie die waschküchen dieser welt und hadern niht mit ihrem schiksal der schläue
    wenn auch ein wenig mir das gruseln kommt wenn die da so sitzen und sich freuen wenn es endlich losgeht mit dem wissen
    was ich sagen wollte ..
    blöd bleint schlau..hihi

  2. „…um da zu sein, muss man sich vergessen“, da steckt für mich viel Wahrheit drin, immer dann, wenn mir das gelingt habe ich das Gefühl von Weite und Präsenz für das was gerade ist, der andere Mensch, die Natur, das Leben im Jetzt…

    du nimmst hier ein Buch zur Grundlage, das ich noch nicht von Paul Auster kenne, den ich aber sehr schätze, genauso wie seine Frau Siri Hustvedt, zwei moderne AutorInnen mit besonderem Tiefgang und besonderer Offenheit, wie es mir erscheint mit ihrem und Fiktiven Neues zu weben.

    Gerade eben las ich mich vom ersten bis zum achten Tag hier durch und einige Fragen schwingen noch in mir nach; wie z.B. die, ob Einsamkeit etwas mit der Abwesenheit von Erinnerungen zu tun hat… ohne diese jetzt endgültig beantworten zu wollen oder zu können, erinnere ich mich an mich selbst als Kleine, als mein Vater, mein Großvater und die heißgeliebte Großmutter starben (es geschah in dem Zeitraum zwischen 4 und 8 Jahre alt sein) und die darauf alles bestimmende Einsamkeit, die ich allerdings im Laufe des voranschreitenden Lebens auch wieder überwunden habe. Einsamkeit hat für mich auch immer etwas damit zu tun, ob ich mich verstanden fühle oder nicht.

    Die Frage wer die Eltern wirklich waren, stellt sich dann irgendwann auch wieder umgekehrt, wenn wir auf unsere erwachsen gewordenen Kinder schauen und uns fragen müssen wie gut wir sie eigentlich wirklich kennen. Manchmal bin ich wirklich verblüfft. Daran schließt sich für mich auch die Frage, wie gut können wir überhaupt unser Gegenüber kennen, sei es nun der Partner, die Partnerin, seien es die FreundInnen und… wieviel geben wir wirklich von uns preis und was sieht dann überhaupt wer?

    Spuren hinterlassen… das ist wohl den KünstlerInnen unter den Menschen vergönnt und dann denen, die einen FreundInnenkreis haben oder überhaupt Charisma, solche, wenn sie gehen, hinterlassen etwas, was aber mit denen ist, die sich nicht zeigen, nicht äußern? -m- vielleicht ist ihre Abwesenheit, ihr NichtGesicht ihre Spur?!

    Danke dir für diese wieder einmal sehr anregenden Artikel, herzliche Grüße an dich von Frau Blau

      1. nun hast du mich so neugierig aufs Buch gemacht, das ich es soeben bestellt habe, fahre ja in 2 Wochen in die Ferien und da brauche ich auch unbedingt Lesefutter… danke für diese Insoiration
        gerade lese ich von Hakan Nesser: die Perspektive des Gärtners, in diesem Buch erinnert mich im Stil desöfteren an Paul Auster
        lieb grüßt dich Frau Blau

  3. Dieses verzwickte, wenn man denkt: klar und verstanden und im nächsten Moment: wie war das jetzt? gehört beim Lesen wohl dazu. Interessant, was herausgegriffen wird.

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