Sechster Tag

Die Details der Beerdigung. Alles ist wieder da. Von diesen Stunden habe ich seltsamerweise eine lückenlose Erinnerung. Als wäre ich in dem Moment erwacht und hätte begriffen, dass der Albtraum real war, die einzige Realität, die ich hatte.

Der zweite Teil: das Buch der Erinnerung. Das Herantasten. Das Umkreisen des Themas. Wie ein Raubtier. Das Bild eines Raubtiers, der geschmeidige Gang, die Bereitschaft jeden Moment anzugreifen, ist da, obwohl auch das Gefühl von Unsicherheit aus dem Gelesenen hervortritt. Was natürlich mit mir zu tun hat. Darum mag ich solche Bücher, die gleichzeitig in Frage stellen, was sie schreiben. Die sich herantasten. Unsicher. Und auf diese Art angreifen. Wie Demokratie von Joan Didion, wie Das Buch von Blanche und Marie von Per Olov Enquist, wie Die Erfindung der Einsamkeit.

„Angesichts außerordentlicher Wirklichkeit nimmt das Bewußtsein den Platz der Phantasie ein.“ (Wallace Stevens)

Ich versuche den Satz zu verstehen; die Fantasie braucht den geschützten Raum der Normalität, oder die Wirklichkeit in der das Bewusstsein den Platz der Fantasie einnimmt, ist derart außerordentlich, dass sie die Möglichkeiten der Fantasie überschreitet und nur mit Hilfe des Bewusstseins (was immer das ist) bewältigt werden kann. Indem es sich trübt, indem es alles ausblendet, was nicht unmittelbar zur Lösung des Problems, zur Bewältigung eben dieser außerordentlichen Wirklichkeit beiträgt. Weiter reicht mein Verständnis nicht. Meine Fantasie auch nicht.