Erster Tag

Es fängt beinahe unheimlich an. Ich habe einige unzusammenhängende Zeilen geschrieben, die dann doch ihr Thema fanden: Spuren. Später dann lese ich die ersten Seiten der Erfindung der Einsamkeit und stoße auf der zweiten Seite auf diesen Satz: „Was mich beunruhigte, war etwas anderes, etwas, das mit dem Tod oder meiner Reaktion darauf nichts zu tun hatte: die Erkenntnis, daß mein Vater keine Spuren hinterlassen hatte.“

Gleichzeitig kommt mir das Gedicht Die Liebe von Hilde Domin in den Sinn.

Was sind Spuren? Was bedeuten uns Spuren? Etwas, das zurückbleibt? Etwas, dem wir folgen können? Eine Hinterlassenschaft, oder ein Wegweiser, eine Orientierung, um sich nicht vollkommen in sich selbst zu verlieren, also so etwas wie eine Hand, die man dem anderen reicht, als Bitte um Hilfe, oder als freundliches Winken? Hat mein Vater Spuren hinterlassen? Spuren, die nach so vielen Jahrzehnten noch sichtbar sind?

Spuren, wie nah dieses Wort am Spüren liegt.

 

[übrigens: bei dem Link auf das Gedicht müsst ihr weiterblättern, es besteht aus mehreren Strophen, die jeweils auf einer eigenen Seite stehen]

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