Mutter

Lemminkaeinens Mutter von Akseli Gallen-Kallela
Bildquelle: http://www.kunstbilder-galerie.de/gemaelde-kunstdrucke/bilder/akseli-gallen-kallela/bild_788115.html

Dieses Bild ist mir heute aus der FAZ entgegen gesprungen. Ich hatte mir die Zeitung nur gekauft, um zu lesen, was allgemein über die Bachmann Lesung geschrieben worden ist (im Großen und Ganzen dasselbe wie immer), und im besondern über Olga Martynova, über deren Sieg ich mich außerordentlich freue.

Und dann war da dieses Bild, von einem finnischen Maler von dem ich noch nie zuvor etwas gehört hatte, ich bin ein wenig irritiert von der geballten Faust dessen, der unter dem Tuch verdeckt liegt und vermutlich einen Leichnam darstellen soll, aber das spielt keine so große Rolle, denn was mich wirklich trifft, ist der Blick dieser Mutter.

22 Gedanken zu “Mutter

  1. Ein wenig bin ich schockiert, und ich kann dir nicht genau sagen, warum. Ich hab‘ spontan einen Kloß im Hals und musste ihn runterschlucken. Es ist ihr Nichtverstehenkönnen, ihr Vorwurf, der in all der Geballtheit dennoch die unsägliche Trauer nicht verdecken kann. „Wie konntest du nur …?“ fragt sie. Und „Das wird noch ein Nachspiel geben“ auch. Und dann aber sagen ihre Augen „All das wird ihn mir nicht zurückgeben. Mein kleines Baby hat gelitten und es ist tot.“

    Und ich weiß nicht, warum ich noch dieses „mein kleines Baby“ in ihren Augen sehe, vielleicht ist es ihre Körperhaltung ihm gegenüber, das ist doch die, die Mütter zeigen, wenn sie den Bauch ihrer Babies streicheln, damit es noch ein letztes Bäuerchen macht vor dem Einschlafen. Und vielleicht ist es seine Faust, die mich an den Greifreflex erinnert. Das Bild ist einfach nur atemberaubend traurig. 😥

    1. atemberaubend traurig, das trifft es sehr gut, Sherry, obwohl ich genau wie Du auch diese Wut sehe, den Vorwurf. Ich glaube, ein bißchen habe ich das Bild hier eingestellt, damit Du meine diffusen Gefühle diesem Bild gegenüber in Worte fassen kannst.
      Danke, dass Du genau das getan hast.

  2. und wieder einmal frage ich mich, wie können wir wirklich den Tod in unser Leben integrieren? Allein zu wissen, dass wir sterblich sind, reicht scheints nicht aus, der Schmerz bleibt immer der Schmerz… ich denke an Mütter (und Väter), die ihr Kind begraben mussten, für mich das Grausamste bei den gedanken an leben und sterben. Erst gestern sagte ich noch: bei allem „Umgang“ mit Leben und Sterben weiß ich dennoch nicht, wie es einmal sein wird, wenn mir die Liebsten genommen werden… all das kommt hoch, wenn ich dieses Bild betrachte,m das einfach nur großartig ist, auch wenn es nicht gerade die Schokoladenseite des Lebens zeigt. Tröstlich ist für mich der Schwan im Hintergrund…

    lG

  3. Ich verstehe sehr gut, was Du schreibst, Frau Blau, ich glaube unser Leben ist eine Art Widerspruch zwischen Leben und Tod. Dieses Wissen um den Tod, um die Endlichkeit, das einerseits die Dinge so kostbar macht und andererseits alles mit Angst überschattet. Für mich ist es, glaube ich, die Wut, die trotz allem im Gesicht der Mutter liegt, ihr Aufbegehren, das mich – tröstet wäre der falsche Ausdruck, aber das mich die ungeheure Stärke dieser Mutter erkennen lässt, trotz all dem.

  4. ich seh das anders
    die hand auf dem bauch beeutet da kommich her
    und warum konnte ich dich nicht beschützen
    und wer ist tot..
    nur so liebe
    falterine

  5. Ich kenne das Bild, habe mir aber nicht gemerkt, von wem es ist. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat die Mutter den Sohn wieder zusammengesetzt und ist dabei, ihn wiederzubeleben. Gerade gestern habe ich über Wiederbeleben nachgedacht. Interessant und beeindruckend.

    1. Es ist von einem finnischen Künstler, dessen Name für uns recht schwierig klingt, Akseli Gallen-Kallela. So wie ich die Geschichte, auf die sich das Bild bezieht, verstanden habe, hat die Mutter den Sohn aus dem Todesfluss gezogen. Interessant, dass Du diesen neuen Aspekt der Wiederbelebung hier einbringst, daran hatte ich bislang nicht gedacht.

    1. danke, leider kann ich nicht so locker hin und her reisen. Diese finnische Geschichte scheint ja, wie so manche alte Sage, sehr herb zu sein.

      1. ja, ich leider auch nicht. Düsseldorf ist nicht einmal so weit, aber es gibt immer viele Gründe, warum es dann doch nicht klappt und da ist ja auch noch die documenta und eine Ausstellung von El Greco…

  6. Interessant daran finde ich, dass es nicht die einzige Saga/die einzige Mythologie ist, in der Menschen aus dem Tptenreich zurückkehren, ich erinnere an Persephone, die Tochter der Demeter, oder an Inana, die sumerische Göttin, die sogar freiweillig hinunterstieg, um wieder zu kommen- aber noch nie habe ich eine Geschichte gehört in der die Mutter den Sohn zurückholt…

    „Ich hab solange gewütet… nun bin ich oft einfach nur noch traurig…“

    1. Ja, oder die mißglückte geschichte von orpheus und euridyce… du hast recht, von müttern kannte ich solche geschichten bislang auch nicht, dabei ist das am naheliegensten, irgendwie, oder?

    2. Ja, oder die mißglückte geschichte von orpheus und euridyce… du hast recht, von müttern kannte ich solche geschichten bislang auch nicht, dabei ist das am naheliegensten, irgendwie, oder?

      1. ich überlege gerade, in den alten Mythologien waren es ja die Göttinnen, die Göttinnen standen sowieso für die Mutter… vielleicht deswegen? aber ich spekuliere hier nur-

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