Sommerpause

 

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K.’s Glück

1974 im Sommer hatte K. die Zuversicht verloren. Den Rest, der ihm an Unschuld geblieben war, auch.

Seitdem, das heißt seit 38 Jahren, lebte er ohne sie. Er fragte sich nicht, wie das möglich ist, oder ob er seither dennoch glückliche Momente erlebt habe. Er hatte sich abgewöhnt, Fragen zu stellen und definierte diese sich immer weiter vervollkommende Fraglosigkeit, als Glück.

Du hast mehr Glück als Verstand, hatte seine Mutter, viel früher, als er noch ein ganz gewöhnlicher Mensch, sogar ein leidlich glückliches Kind gewesen war, zu ihm gesagt und er zweifelte nicht daran, dass sein Verhalten auch aufgrund dieser längst verjährten mütterlichen Aussage, folgerichtig war.

Möglichkeiten

Wir haben Kinder und Gedichte. Wir haben eine Wirklichkeit, und Möglichkeiten, sie zu umgehen. Hinter den Wahrheiten in Deckung zu gehen, uns im Schattenreich der Verpflichtungen aufzuhalten, die vor den Leidenschaften schützen.

Vielleicht.

Mutter

Lemminkaeinens Mutter von Akseli Gallen-Kallela
Bildquelle: http://www.kunstbilder-galerie.de/gemaelde-kunstdrucke/bilder/akseli-gallen-kallela/bild_788115.html

Dieses Bild ist mir heute aus der FAZ entgegen gesprungen. Ich hatte mir die Zeitung nur gekauft, um zu lesen, was allgemein über die Bachmann Lesung geschrieben worden ist (im Großen und Ganzen dasselbe wie immer), und im besondern über Olga Martynova, über deren Sieg ich mich außerordentlich freue.

Und dann war da dieses Bild, von einem finnischen Maler von dem ich noch nie zuvor etwas gehört hatte, ich bin ein wenig irritiert von der geballten Faust dessen, der unter dem Tuch verdeckt liegt und vermutlich einen Leichnam darstellen soll, aber das spielt keine so große Rolle, denn was mich wirklich trifft, ist der Blick dieser Mutter.

Olga Martynova sagt Hi

Warum soll ich hier herumstümpern, wenn es solche Texte gibt?

 

Und noch etwas, was wäre das für eine Welt (viel schöner für mich!), wenn statt Körperwelten von heute an Olga Martynova der mit Abstand am häufigsten benutzte Suchbegriff für dieses Blog wäre!

Wie der Brunnen mich verschluckte, nur aufgrund seiner vorstellbaren Tiefe

Die Rolle, die man mir zugeteilt hatte, machte mir den Gar aus. Ich schrieb einzelne Sätze, und mied jeden Zusammenhang. Ich mühte mich ab und glaubte weder dem Durst noch dem Brunnen.

Ich wollte einen Punkt machen, nicht immer wieder ein Komma. Ich verzweifelte, während ich die Fäden einsammelte (einholte), um sie zu verknoten. (nicht fähige, die Segel zu setzten).

Wenn mir die Menschen zu nahe kommen, stürze ich ein, verliere ein Gesicht, das sich erkenntlich zeigen könnte. Verneble und verschwinde zwischen einer gerunzelten Stirn (hinter der ein Sturm tobt, der von sich selbst behauptet: ich bin das himmlische Kind. Ich bin eine Behauptung, aber du gibst mir Namen, hinter denen du dich verbirgst. Weil du noch immer nicht bereit bist, dich zu entscheiden, etwas zurück zu lassen, um in etwas anderem aufzugehen.)

 

Ich bin eine ratlose Blume, kurz vor dem Verblühen. Nur meine Blüten abzuwerfen, kann mich davor bewahren, endgültig gebrochen zu werden. Ich kenne den Unterschied zwischen Verblühen und Verwelken. Aber ich bin nicht fähig, Konsequenzen daraus zu ziehen. Als könnte ich nur lesen, aber niemals verstehen. Ich träume von Wasser und versinke im Schlaf, bis ein Satz mich weckt. Ein Satz, der mich verrät, ohne dass ich ihn verraten kann.

Ich höre Stimmen und Schreie und scheitere an einem Geplauder.

Zu sprechen wie ein Gebet zur richtigen Stunde

Auf den Gemeinplätzen trifft man sich

Um einander die Pläne zu stutzen

Und Worte auszutauschen

Die das Leben in ein Kassengestell einfassen

Die vom Einklang der Welt erzählen

Mit dem Singsang kommunistischer Freudlosigkeit

Dort glaubt man an die Gültigkeit von Begriffen

Die die Sehnsucht mit Schuhen versehen

In denen sie tanzen kann

Aber niemals laufen lernt

Zu den aufgebahrten Worten

Zu sprechen wie ein Gebet

Zur richtigen Stunde