Fünfzehnter Juni

Gibt es etwas Besseres, als keine Ahnung zu haben? Was wäre das für ein kümmerliches Leben, das ahnte, was eine Handlung, die man als Kind ausführt, Jahrzehnte später bedeuten würde? Ein Leben voller Vorhersehbarkeit und Kontingenz (wobei ich nicht weiß, was Kontingenz wirklich bedeutet. Das Wort kam mir einfach so, eigentlich gegen meinen Willen, in den Sinn). Und eigentlich wollte ich ohnehin etwas ganz anderes schreiben. Von der Waldregel, von der Frau Draessner sehr überzeugend erzählt hat, oder wie ich mich vorhin in alten Tagebuchaufzeichnungen verloren habe, wie von draußen Baustellengeräusche, das Brummen von Maschinen, das Klappern von Metall, in den Raum dringen, in dem ich schreibe. Wie ich immer wieder den Faden verliere, ohne überzeugend davon schreiben zu können, wie ich den Faden verliere. Wie ich zwischen Sachtext und Fantasie hängen bleibe, unfähig (oder nur unlustig?) mich zu bewegen, seit von Befreiung keine Rede mehr sein kann.

Überzeugen: was für ein merkwürdiges Wort. Oder zurechtfinden.

Es war einmal und dann überfiel mich das Schweigen. Das ich in Lügen kleidete. Hinter Glas.

Und jetzt ist mir wieder eingefallen, dass ich ursprünglich davon schreiben wollte, dass ich von Motten geträumt habe. Heute Nacht.