Räume

Wie beschreibt man einen Lebensraum?

Wie richtet man ein Leben ein?

 

Das Leben als Untermieter in einem möblierten Zimmer. Bereits fertig eingerichtet. Und aufgeräumt. Immer gut aufgeräumt.

Und in diesem Raum ein Spiegel. Die Sprache als Spiegel des Lebensraums. Der Sprachraum, der die Ordnung im Zimmer vorgibt. Ein Fenster, das in einen anderen Sprachraum hinein geöffnet werden kann.

Im besten Fall ein Umzug in einen größeren Raum, ein geräumigeres Zimmer mit weniger Möbeln und mehr Spielraum.

Oder, im weitaus ungünstigeren und gleichzeitig wahrscheinlicheren Fall, der Einzug anderer in das gleiche Zimmer. Personen, die ihre Möbel mitbringen, ihren Raum beanspruchen. Umzüge, die notwendig werden, weil es sich in diesem Raum nicht mehr leben lässt. Leere Räume, von denen man glaubt, sie völlig neu gestalten zu können. Der Traum von einem eigenen Zimmer.

 

Die Erfahrung, wie sich das, was in einem Raum erfahrbar wurde, fortsetzt im nächsten Raum, den Blick schärft und vielleicht verändert.

So wie der Spiegel, in den man sich versenkt, in den man eintritt, wie in einen neuen Raum. Diese Aufregung, wenn man beginnt zu schreiben. Immer wieder ein Aufbruch, das Verlassen bekannter Räume und der Versuch über Grenzen zu gehen, das Spiegelbild zu formen, zu ändern, ihm einfach den Rücken zu kehren. Die Macht, der Wirklichkeit ihren Stachel zu nehmen, indem man sie leugnet und umschreibt, neu schreibt, weiter schreibt, oder einfach niederschreibt. Festhält, sich der eigenen Geschichte bemächtigt, indem man sie erzählt, und dann [zu Recht!] behauptet, dass sie gar nicht wahr ist.

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