Lücken

Ich verstand weniger als die Hälfte. Über allem lag die Wahrnehmung von Verfall. Grünliche Augäpfel. Ein Freund hat mir einmal einen Mondstein geschenkt. Im übrigen waren wir gänzlich unromantisch.

Er schrieb. Dann schrieb er nicht mehr. Die Zeit ging über alles hinweg.

Igor Samoljenko schreibt die Nacht trägt ein Ministrantengesicht mit dem Mond als weit aufgerissenen Mund. Viele Menschen verstehen russisch. Es gab die DDR. So lange ist das alles noch nicht her. Für mich. Für andere (meine Kinder) ist das ein anderes Zeitalter.

Wir bewahren uns die Naivität und probieren wie ihr Falten stehen. Wir finden uns ab. Abfindung.

Während wir innerlich protestieren und aufbegehren. Wen außer uns selbst soll das interessieren? Die Sprache nimmt es hin. Hinnahme. Abfindung. Ein Dichter liest aus seinem leeren Tagebuch. Tiefe und Fülle und die Schönheit des Schmerzes. Er ist verloren und einsam und darum sind seine Worte schmerzhaft schön. Fast hätte niemand die Worte zu lesen bekommen. Ich weiß nicht, wie es dazu kam. Ich weiß nicht, wer dieser Igor war.

Wie kann ein Tag Alltag sein, wenn die Stunden gezählt sind. Das Schönste sind die frühen Morgenstunden. Ich allein in der Küche mit dem anbrechenden Tag.

Wo ist das Ministrantengesicht der Nacht und was verbirgt der mittlerweile geschlossene Mund?

Warum fällt mir Beschränkung so schwer. Und Schweigen. Abwesenheit. In eine wohltuende Abwesenheit rutschen. Gleiten. Nein wachsen und dann tot sein, ohne zu sterben.

Der Kopf meiner Mutter war blutverschmiert. Obwohl niemand sie mehr retten konnte, untersagte man mir, ihren Kopf zu streicheln. Erst Wochen später erwachte ich aus diesem Albtraum, nur um in einem anderen Albtraum zu erwachen.

Ich bin die Lücke zwischen Verachtung und Verrat.

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