Die Elster

Vor dem Fenster ein Vogel, der Weltmeister werden will.

„Bleib ruhig, komm runter, atme tief durch und bleib auf dem Boden“, rate ich ihm.

„Damit die Katze mich besser kriegt? Für wie dumm hältst du mich?“, antwortet er und pickt mir im Sturzflug ein Auge aus. Mit dem anderen kann ich sehen, wie es funkelt, wie sich die Sonne in der Iris bricht und der Vogel verschwindet. Einfach so, immer tiefer in diesen verflucht blauen Himmel.

„Glasauge, Holzbein, das hast du nun davon, dass du aller Welt ungebeten Ratschläge erteilst“, mault meine Mutter.

Ich schließe die Tür und schreie aus dem Fenster in den Hinterhof, dass es ganz einfach ist, aus dem Schaden anderer klug zu werden.

Da ist die Elster, hat ihr Nest auf unserem Schornstein gesetzt, mit Augen ausgepolstert.

„Schon mal was von Ausdauer gehört?“, zwitschert sie unschuldig. Und ich schlage das Fenster zu, dass es splittert.

„Deine Eier schieß ich kaputt“, verspreche ich ihr, und fange gleich an aus meinem Holzbein Schleudern zu schnitzen. Als Gummiband nehme ich meine Haare und der Elster schwöre ich, dass ich mein zweites Auge opfere, um auf sie zu zielen.

„Womit willst du denn zielen ohne Augen?“, lacht sie.

Und ich sage: „Still. Da draußen geht gerade etwas kaputt.“

„Das ist doch nur dein Vater“, sagt sie und ist schon wieder verschwunden.