Helden

Wir setzten uns zu Tisch. Alle saßen um die lange Tafel herum. Ich hatte von jeher gewusst, dass es so beginnen würde. In der Nacht waren Geräusche gefallen. Ich war ans Fenster gelaufen, aber da hatte die ganze Welt gelegen. Still, starr und tot, als wäre sie niemals lebendig gewesen und nun saßen wir um die Tafel. Ich weiß nicht, woher die anderen gekommen waren, ich wusste nicht einmal, woher die Tafel kam, dieser gediegene lange Tisch mit einem weißen Tischtuch. Leichentuch dachte ich und dass die anderen (ich sollte sie zählen) so aussahen wie Kafka sich Leute ausdachte. Sehr präsent in ihrer Unbestimmtheit. Vielleicht redeten wir. (Ich konnte auf einmal nicht mehr zählen. Wie sollte ich mich da der Buchstaben entsinnen?) Es klang wie ein Lied, ich fürchtete wir waren zu zwölft und der dreizehnte Stuhl würde fehlen. Der Schnee rutschte von den Dächern. Vor der Tür lag ein neuer Tag, ebenso ahnungslos wie ich (so stellte ich es mir vor) und beobachtete die anderen (ich war wie festgewachsen auf meinem Stuhl, was sollte ich da mit Angst?) Neben mir saß ein sehr dicker Mann, aber er war dick auf eine mir bislang unbekannte Art, denn alles an ihm war eckig und breit. Seine Haare waren rot, er trug einen sehr gepflegten Bart. „Wir werden die Friedhöfe besuchen“, sagte er, „sie werden uns den Weg weisen.“ Aber er sagte es nicht zu mir. Überhaupt schien niemand mich wahrzunehmen und während ich die Tür für keinen Moment aus den Augen ließ, verwandelte sich alles um mich herum, die Menschen an der Tafel sahen aus wie Märchengestalten, wie Ritter, wie fahrendes Volk. Ich wollte mich schon damit beruhigen, dass alles nur ein Traum sei, da packte mich einer am Arm: „Du wirst es doch niemanden erzählen“, beschwor er mich und ich schüttelte den Kopf. Da brach er in ein Lachen aus, das seinen ganzen Körper zum Vibrieren brachte. „Wie solltest du auch etwas erzählen“, stieß er atemlos vor Lachen hervor, „ich habe mir dich ja bloß ausgedacht.“