Warum mir Wasser zu wenig ist

Ich habe Das hier ist Wasser von David Foster Wallace gelesen, eine Anstiftung zum Denken, das hat mich nicht nur neugierig gemacht, naiverweise habe ich große Hoffnungen in diese Lektüre gelegt. Dann habe ich gelesen. Während ich las, habe ich viel genickt. Ich hatte ständig das Gefühl, dass ich verstehe (und sogar begreife), was dort steht. Aber als ich das Buch zuklappte, war ich enttäuscht.

Warum?

Erwachsen werden, ist laut dieser Rede (und laut meiner Leseart), sich denkend Möglichkeiten zu erhalten (oder erst zu eröffnen), das Gefängnis, in dem man sich befindet, zu erweitern. Also Wege zu finden aus der

Arroganz, blinde[r] Gewissheit, eine[r] Engstirnigkeit, die wie eine Gefängniszelle so absolut ist, dass der Häftling nicht mal merkt, dass er eingesperrt ist.“

Dafür (und darauf bezieht sich meiner Meinung nach die Schlusszeile, in der Foster Wallace den Studenten „weit mehr als Glück“ wünscht) benötigt man nicht nur mehr, sondern etwas grundsätzlich anderes als Glück (eine Art Glück, die eben nicht schicksalshaft von außen auf den Einzelnen zukommt, sondern aktiv hergestellt werden kann und muss), nämlich Ausdauer und eine nicht nachlassende Bereitschaft, sich von sich selbst zu distanzieren, oder wie Foster Wallace es ausdrückt:

„Die wirklich wichtige Freiheit erfordert Aufmerksamkeit und Offenheit und Disziplin und Mühe und die Empathie, andere Menschen wirklich ernst zu nehmen und Opfer für sie zu bringen, wieder und wieder, auf unendlich verschiedene Weisen, völlig unsexy, Tag für Tag.“

Nichts ist verkehrt an diesen Aussagen, an der Aufforderung, sich gerade das allzu Offensichtliche, bewusst zu machen, sich klar zu machen, dass große Teile der empfundenen Unfreiheit, selbstgemacht sind und doch fehlte mir etwas. Das Anstiftende vielleicht. Der Punkt, wo das Ganze über den Einzelnen, über die Probleme im Straßenverkehr und an der Supermarktkasse hinausgeht. Die Erwähnung, dass auch Zeitungen so argumentieren, aus der Standardeinstellung des Ichzentrierten heraus, und sogar Staaten, dass das in die Analyse und Rezeption von Nachrichten eingehen muss, um sie auf eine Art zu verstehen, die sie in die Grundlage für eine wirkliche Debatte verwandeln könnte, eine Debatte, in der es nicht darum geht, sich durchzusetzen und Recht zu behalten, sondern Lösungen zu finden und Antworten, die nie endgültig sind, aber mit denen sich operieren lässt. Mit denen sich andere zum gemeinsamen Denken anstiften lassen.

Andy Spyra

„Die Menschen merken, wenn man aufrichtig mit ihnen ist – gerade wenn man nicht mit Worten, weil man ihre Sprache nicht beherrscht, sondern mit den Augen kommuniziert.“

Andy Spyra