Bienenvolk

Bienen. Ihr Brummen. Summen. Das Volk der Arbeiterinnen – Waben bauen, nacheinander vorgesehene Arbeiten erfüllen, bevor sie nach sechs Wochen fortwährender Pflichterfüllung an Überarbeitung sterben. Das Volk der Bienen und ihre Königin, die einzige, die Eier legen darf.

Was hat das mit mir zu tun? Mit Anne Sexton? Sylvia Plath versuchte sich als Imkerin. Thomas Kling?

Mit der Suche nach einem angemessenen Platz und den nicht vollkommen überflüssigen (aber fließenden) Worten auf dem Papier?

Die Suche nach einer Berechtigung. (Hört ihr das, so höhnen Honigprotokolle schreibt Monika Rinck.)  Ich aber weiß zu wenig. Was schon zu viel ist, um alles zu vergessen.

Bereit, mich aufzugeben, um einen Platz zu finden, der die Leere des Ich ausfüllt. Nähe ist Nahrung schreibt Miriam. Das und bleibt mir im Halse stecken, oder kommt aus sonstwelchen Gründen nicht heraus.

Ich verschlucke mich (als wenn es so einfach wäre), und später stoße ich auf. Das, was wir Wahrheit nennen. Die Wirklichkeit wirkt sich aus. Das nennt man Grenzen ziehen. Einengen als Schutz. Jeder kehrt zurück zu seinem Bienenvolk, aber niemand ist bereit seine Aufgabe (und nichts als das) zu erfüllen. Das ist Überfluss, Unterhalt, Zerstörung. Wir finden uns aufgeteilt in mehrere Teile, die wir nicht sind. Das ist Lücke. Anforderung. Kein Honig.

Bloß Bienengesumm.

9 Gedanken zu “Bienenvolk

  1. Du ziehst gerade an uns vorbei, jedenfalls an mir, als eine Art selbtverkannte Bienenkönigin. Deine Art dich in deinen Texten auf so schmerzvolle Weise zurückzunehmen, dient mir als Beispiel, rührt mich, lässt mich leiden, alles zugleich. Ich hab das Gefühl, dass ein Teil deiner Texte dir erzählen/erklären soll, warum du dir nicht nahe kommen darfst. [Bleibt die Nähe im Hals stecken?]

    „Die Wirklichkeit wirkt sich aus.“ Was für ein ausgegorener Satz. Die Wirklichkeit als sich als triefend, verwirkende Honigwabe und die Literatur als eine ihrer Auslesen.
    So in die Richtung habe ich den Text gelesen.

    1. Ich glaube an die Balance. Auch an die zwischen Selbstüberschätzung und Verkennung des eigenen Talents, in dieser Lücke, die jeder für sich selbst finden muss, findet Entwicklung statt. [Und die Nähe, die im Hals stecken bleibt, bekommt vielleicht die Möglichkeit sich zu bewegen. Hin oder weg.]
      Danke für Deinen Kommentar und Deine Art, den Text zu lesen.

  2. Ein dunkler Text, für den ich Dir danke, denn daran bin ich jetzt eine ganze Weile hängengeblieben. Auch an den verlinkten Informationen der früh Gegangenen.
    Ich lese da neben dem Persönlichen (wenn es denn persönlich gemeint ist) auch Gesellschaftskritik heraus. Das Bild mit den Bienen ist dafür ein sehr passendes, finde ich. Allerdings wenig hoffnungsvoll.
    Nicht übertragen erinnerte es mich an Fabre. Er schrieb über die Sizilianische Mörtelbiene: „Die Männchen führen ein sorgloses Leben, scheuen die Arbeit und suchen die Lehmwohnungen nur zu einer kurzen Brautwerbung auf. Um das verlassene Domizil kümmern sie sich nicht. (…) Die Sizilianische Mörtelbiene bevorzugt ein geselliges Leben (….). Dies ist keine echte Gesellschaft mit gemeinsamen Interessen, sondern bloß eine Ansammlung, wo jeder für sich arbeitet und sich nicht um andere kümmert, ein Haufen, der schon durch Anzahl und Fleiß an einen Bienenschwarm im Stock erinnert.“
    Fabre hinterlässt mich jedoch regelmäßig mit einem wohligen Gefühl. „Fabre macht glücklich“, schrieb so einfach wie treffend die SZ. Falls Du also etwas Aufmunterung bedarfst, lege ich Dir die Erinnerungen des Insektenforschers ans Herz.

    1. Seltsam, oder, dass das Bienenbild so viel Dunkles birgt? Vielen Dank in diesem Kontext für die Hinweis auf Fabre. Und auch sehr für die Art, diesen Text durchaus auch politisch zu lesen.

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