Heimat

Auf einmal war der Frühling fast schon ein Sommer. Der Tisch stand im Garten. Der Baum fand sich vor lauter Blüten selbst nicht mehr. Und zwei, drei Tage Regen später ist die Blütenpracht vorbei.

Die Schwingen der Zeit. Und wie immer fernab jeder Vernunft. Man hat den Dingen Namen gegeben. Namen sind ein Triumph des Feststehenden gegenüber dem Fließenden. Nicht wir fangen etwas ein, wenn wir die Dinge benennen. Es sind die Begriffe, die uns in Besitz nehmen.

Grenzen, die unser Denken haltbar machen (ein Anker gegen die Haltlosigkeit). Für Verständnis werben. Nicht für Verstehen. Meine Mutter trug eine Unterwasserwelt auf ihrem Badeanzug. Da war mein Vater längst tot.

Ich wurde mit Erinnerungen großgezogen.

Ich bin ein langgezogener Schmerz.

Undankbar.

Dann fiel die Mauer. Und mich ging es nichts an. Weil ich keine Grenzen mehr hatte, in denen ich denken konnte. Nur handeln. Der Schmerz zog mich von Tag zu Tag. Nachts erholte er sich.

Über all dem die Heimatlosigkeit von einer, die blieb, weil sie nie wusste, woher sie kam.

Werbeanzeigen