21 Gedanken zu “Kunst

  1. Ja, auch. Ja! Kunst als Verwebung zwischen unserer eigenen Art, Dinge zu sehen und der „tatsächlichen“ Realität, die wir nie so sehen {werden}, wie sie ist. Wobei, bis hierhin tut es jeder Mensch, mit der Realität interagieren und ihr den eigenen Stempel der Wahrnehmung aufdrücken. Jetzt kommt der Punkt, an dem Künstler handeln. Sie halten fest, lassen raus, schreiben auf, erschaffen aus dem, was sie wahrnehmen etwas, das ein wenig widernatürlich {künst-lich} ist, anders als wir sind, anders als die Wirklichkeit ist. Raus kommt ein Zwitterwesen, das alles miteinander vereint und durch Übertreibung die Zeit einfriert. Das ist dann Kunst.

    {Oh, wie schwer es mir fällt, dieses Thema macht mich noch bekloppt, aber im positiven Sinne!}

  2. was soll ich mir unter einer wahrnehmungswahrscheinlichkeit vorstellen?
    eine wahrnehmung ist immer ein bild der wirklichkeit und als solches selber teil der wirklichkeit. eine wahrscheinlichkeit beschreibt eine eventualität, bervor etwas wirklich wird, bzw. wahrgenommen werden kann. kunst ist in meinen augen nicht theoretisches würfeln. kunst ist das freie geistig-seelische abbilden von irgendwas. dieses irgendwas ist alles, was wir wahrnehmen und reflektieren. kunst ist show – wenn man so will – die show, welche dem menschen als kulturwesen gegeben ist, zur selbstreflektion und zur einordnung in die welt. kunst ist in diesem sinne das instrument zur selbstverwirklichung als mensch.
    „wahrnehmungswahrscheinlichkeit“ verstehe ich in diesem zusammenhang nicht.

    1. Wahrnehmungswahrscheinlichkeit ist vielleicht die Wahrscheinlichkeit, einen Teil der Wirklichkeit so wahrzunehmen, wie Person X oder Person Y sie wahrnehmen {aufgrund von einigen Persönlichkeits- und Erfahrungsfilterfaktoren}. Wir können die Wirklichkeit so, wie sie „ist“ nämlich gar nicht wahrnehmen, uns fehlen sehr viele Sinnesorgane dazu, außerdem verzerren die, die wir bereits haben, wiederum die physikalische Realität in einem Maße, das tatsächlich die Wahrscheinlichkeit reduziert, die Wirklichkeit so wahrzunehmen, wie sie „wirklich“ ist. {Z.B.: Es gibt keine Farben, auch wenn wir sie sehen}

      Ich glaube, das Kunst weit über die Selbstverwirklichung hinausgeht. Zumindest nach meinem eigenen Kunstverständnis.

      1. na ja. das problem ist, dass wir gar nicht wissen, was wirklichkeit ist, aber wir einigen uns auf ein bild, welches wir aufgrund ähnlicher wahrnehmungen, denkvorgänge, erlebnishorizonte, vorstellungen und emotionen haben. kunst ist sicher ein versuch, darüber hinaus akzente zu setzen, um die wahrnehmung zu hinterfragen oder auszudehnen – oder sich überhaupt einer wahrnehmung bewusst zu werden.
        nur aufgrund ähnlicher wahrnehmungen ist sprache und also kommunikation zwischen uns möglich. ein künstler sieht selbstverständlich nur sein subjektives bild einer vorgestellten wirklichkeit, welches er durch kunsgriffe wiedergibt, bzw. reflektiert. ich kann unmöglich die welt wie ein anderer mensch wahrnehmen. diese wahrscheinlichkeit ist gleich null. es gibt aber mehr oder weniger große ähnlichkeiten, welche zu einem aspekt der welt eine kommunikation mit einem anderen menschen ermöglichen.
        es gibt diesbetreffend eine wahrnehmungskommunikation, welche unsere wahrnehmung erweitern kann. der künstler ist in diesem sinne ein wahrnehmungskommunikator. er kommuniziert mit dem betrachter seiner kunst und kann womöglich dessen wahrnehmung zu einem thema oder einem objekt oder einer sichtweise erweitern. allerdings wird es niemals zwischen menschen identische wahrnehmungen geben. im besten falle entdecken wir ähnliche perspektiven und können daraus dieselben schlüsse ziehen. das wiederum kann wissenschaftlich/akademisch diskutiert werden.
        kunst wird wie die wirklichkeit vom kunstschaffenden selbst definiert. insofern ist die kunst so bunt wie die vielfalt der kultur der menschen. man könnte fast sagen, dass es unsinnig ist, kunst zu erklären oder von nicht-kunst abzugrenzen. dies geht immer nur im rahmen von relativ willkürlichen gesetzten bedingungen, welche man kulturabhängig an die kunst stellt.
        kunst repräsentiert in meinen augen am besten die geistige freiheit, kreativität und unabhängigkeit des menschen. insofern sehe ich die kunst als die „selbstverwirklichung“ des menschen als art/lebewesen im getümmel der schöpfung.

      2. Genau, wir wissen nicht, was Wirklichkeit ist, weil wir aus unserem eigenen Maßstab {unseren eigenen Wahrnehmungsmechanismen} gar nicht raus können, wir können uns ja nicht unseres Körpers entledigen. Was wir aber wissen ist, dass wir – bzw. unsere Sinnesorgane und Teile unseres Kortexes – Informationen hinzufügen, die in der physikalischen Realität gar nicht vorhanden zu sein scheinen oder auch viele Signale abstrahieren und durch Filter durchlaufen lassen, d.h., sie gar nicht erst wahrnehmen. Ein Anhaltspunkt ist also schon einmal, dass wir Dinge nicht so wahrnehmen können, wie sie „wirklich“ sind, wir nehmen nur kleine Aspekte der Realität war und das vermutlich stark verformt durch die Spezifität unserer Sinnesorgane, unserer Bewertungen {durch Vorerfahrunge} etc. pp. Selbst die Wirklichkeit, auf die wir uns einigen, variiert zwischen Person zu Person sehr stark, aber zeigt immer noch viel zu viele gemeinsame Grundlagen, als dass wir nun meinen müssten, dass jeder von uns etwas völlig anderes wahr nimmt. Wir nehmen nicht identisch wahr, aber ähnlich genug, um in Forschungsfeldern wie der Wahrnehmungspsychologie eine Systematik ausfindig machen zu können. Und das ist auch der Grund, warum ich in diesem Kontext das Wort „Wahrnehmungswahrscheinlichkeit“ eben doch nachvollziehen kann, denn unsere Wahrnehmung unterliegt großer Unschärfe und lässt aus unserer Wahrnehmung eine Art Kapazität oder Fähigkeit machen, die bei jedem variabel ist. Jeder ist verschieden-sensitiv, aber sensitiv scheinen wir alle zu sein.

        Zum Rest deines Beitrages: Da muss ich weder für noch gegen sein. Wie du sagtest, bewegen wir uns hier auf einem schwierigen Terrain und können nichts außerhalb unserer eigenen subjektiven Wahrnehmung definieren. Ich möchte nur langsam davon abkommen, die Kunst als so beliebig zu betrachten, wie sie uns oft erscheint. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wehre ich mich dagegen, die Laune eines Menschen, der Farbe an die Leinwand klatscht – so nebenbei – und in Galerien verkauft, nur weil er vielleicht einen „Namen“ hat, als Kunst zu bezeichnen. Die Kunst fordert von mir eine so hohe Aufmerksamkeit, dass ich sie auch vom Künstler oder dem Kunstwerk selbst erfordere. Aber das ist wiederum mein eigenes Anliegen und ist nichts Allgemeingültiges.

      3. sherry, gibt es eine wirklichkeit, die nicht wahrgenommen werden kann? somit stellt sich die frage nach der verknüpfung von wahrnehmung und wirklichkeit. sicher ist, dass wir zwar das bedürfnis haben, uns auf eine wirklichkeit zu einigen, aber es leider keine sicheren erkenntnisse über diese eine wirklichkeit gibt. mittels unseres gehirns, welches über die wahrnehmungsöffnungen im kontakt zur außenwelt steht, wird eine wahrnehmungswirklichkeit konstruiert, welche unseren alltag, unser leben, wie wir es in der hauptsache erfahren, ermöglicht. (drum habe z.b. autisten schwierigkeiten, sich in der alltagswelt zurecht zu finden.)
        der künstler bildet wirklichkeit ab – ganz simpel – er bildet die wirklichkeit ab, die er entweder gesellschaftlich/kulturell aufgetischt bekommt, oder er bildet eine wirklichkeit ab, die er sich relativ frei/unabhängig erschafft.
        je nachdem, wie gut er z.b. den geschmack einer masse, den geschmack eines elitären kunstzirkels oder des zeitgeists trifft, erfährt er beachtung; und/oder er erfährt beachtung durch eine besondere handfertigkeit, technik, installation, inszenierung …
        am „wahrscheinlichsten“ wird immer das als kunst erklärt, was entweder neues vorwegnimmt oder altes gut herstellt.
        kunst ist insofern zu keiner zeit beliebig, aber man kann beliebig kunst machen. ich will damit sagen, dass kunst nur sehr beschränkt durch ein wertesystem seine bestätigung erhalten kann. wer dieses wertesystem ( z.b. auch im kontext mit dem kapitalismus) haben will, der findet auf dem öffentlichen kunstmarkt entsprechungen. meine sache ist das nicht. ich mag die kunst lebendiger und nicht im gefängnis eines proklamierten marktes bzw. eines wertemodells, welches nur einige menschen „wahrscheinlich“ kapieren. ich glaube tatsächlich, dass jeder mensch kunst machen kann. nur kann und darf darum nicht jeder mensch den anspruch erheben, gesellschaftlich als künstler angesehen zu werden. wer das will, sollte mit den wölfen heulen … dies gilt übrigens nicht nur für die kunst.

      4. Liebe Margot,

        das, was ich schreibe, widerspricht sich dem, was du schreibst, eigentlich in keinster Weise. Ob es eine Wirklichkeit gibt ohne jemanden, der sie wahrnimmt? Das ist eine sehr typisch menschliche Frage, die aus seinem ur-eigenen Egozentrismus herauskommt. Wie kommen wir überhaupt darauf, dass es den Mond, die Universen, die Galaxien ohne den menschlichen Betrachter nicht geben kann? Andere Frage: Gab es die Erde vor der Existenz des Lebens auf ihr? Natürlich gab es sie. Wieso also auch nicht die Wirklichkeit? {Also ein Sammelsurium aus physikalisch messbaren Einheiten}.

        Ich weiß nicht, ob Kunst die Abbildung der Wirklichkeit ist. Für mich ist sie mehr, sonst würde sie sich auf die fotorealistische Abbildung dessen, was wir sehen, reduzieren. Und das tut sie nun einmal nicht. Also scheint Kunst mehr als nur die Abbildung der Wirklichkeit zu sein. Inwiefern, muss man noch herausfinden, bzw. muss ich das noch tun.

        Dass Kunst sich schlecht bewerten lässt, darin gebe ich dir Recht. Aber die Interaktion des Handwerkes, das in die individuelle Kunst einfließt, kann bewertet werden. Wenigstens etwas, auch wenn das Handwerk alleine keine Kunst ausmacht.

      5. sicher habe ich nicht den stein der weisen, was wahrnehmung, kunst und wirklichkeit angeht. aber ich habe eine vorstellung, die sich mit gewissen etablierten, eingesessenen kunstvorstellungen beißt. mit einhergehend ganz wichtig sind die profilierungssucht und das eltäre gehabe in manchen kreisen – da könnte ich glatt kotzen (entschuldige). kunst – bzw. künstler machen sich da zu nutten.
        eine wirklichkeit, die man nicht wahrnehmen kann, welchen sinn macht die? und kann es sie überhaupt geben? nein, diese frage ist hochphilosophisch und nicht nur ein typisch menschlich-egomanischer ansatz.
        es ist eigentlich die ur-religiöse frage nach dem schöpfer und dem sinn von allem. welchen sinn macht eine welt, in welcher es ein sich selbst reflektierendes subjekt wie den menschen gibt: oder naturwissenschaftlich gesagt: antropischer ansatz: das universum brauchte von anfang an genau die „richtigen“ bedingungen, damit wir als wesen entstehen konnten, um nun wiederum diese fragen zu stellen.
        klar – ich habe keine antworten auf diese fragen. aber sie lassen mich nicht los. auch das ist für mich triebfeder für kunst – ganz egal wie handwerklich ausgefeilt und faszinierend sie daherkommt. jeder mensch entwickelt seine fähigkeiten anders und drückt sich demgemäß anders aus.
        (apropos: bin ein männlicher vertreter der spezies mensch)

      6. Tut mir Leid, ich dachte, du seist weiblich, bzw., ich bin einfach aufgrund deines Nicks davon ausgegangen.

        Ich kenne mich mit der Kunstszene überhaupt nicht aus, da bist du sicherlich eher dabei als ich. Ich bin einfach nur Betrachterin und versuche mich selbst dahin, mich auszudrücken, ohne jemals davon ausgegangen zu sein, dass das, was ich produziere, Kunst sein könnte. Wie du siehst, scheinen meine Kriterien doch ein wenig strenger zu sein {mir selbst gegenüber}, vielleicht ist es aber auch nur meine Art, mich von diesem elitären Gehabe, wie du es nanntest, auf diese Weise rauszuhalten.

        Warum sollte all das, was es gibt, keinen Sinn machen, wenn wir es nicht betrachten können? Oder: Warum muss überhaupt alles immer einen Sinn machen? Wo stehen wir überhaupt, dass wir meinen, das alles müsse {auf unsere Art} wahrgenommen werden? Es würde sich nicht wirklich viel verändern, wenn es die Menschheit nicht gäbe. Und die Tendenz, in allem einen logischen Sinn zu sehen, ist auch eine rein Menschliche. Der Mensch ist aber nur ein minimaler Furzteil dessen, was es sonst noch so gibt, deshalb neige ich eher dazu, unsere Position nicht all zu sehr überzubewerten. Selbst wenn es einen Gott gäbe, einen Schöpfer, so hieße das nicht, dass wir tatsächlich nach seinem Ebenbild {sprich: Die Krönung der Schöpfung} sind. Ich könnte mir durchaus auch vorstellen, dass wir nur ein Nebenprodukt sind, ungewollt vielleicht sogar, ein Zufallsereignis, ein recht schlechtes sogar, das mehr als jedes andere Lebewesen dazu neigt sich bei gleichzeitiger Selbstüberschätzung destruktiv tätig zu sein.

        Die Wirklichkeit braucht keinen Beobachter, der Beobachter ist Teil dieser Wirklichkeit, und ich gehe weiter: Der Beobachter kann noch nicht einmal sich selbst akkurat erkennen, also so, wie er ist. Selbst uns selbst nehmen wir in sehr verzerrter und abstrahierter Form wahr, weil wir eben eine geringe Wahrnehmungs- und Bewertungskapazität aufweisen. {Oder aber auch eine zu hohe Bewertungstendenz aufweisen}.

        Eine weitere Frage wäre in dieser Diskussion {für mich}, wie wir Wahrnehmung definieren wollen. Möchten wir nur Dinge als wahrgenommen ansehen, die wir bewusst wahrnehmen oder auch unbewusst? Beides hat immerhin einen Einfluss auf unser Erleben und Verhalten. Aber ich glaube, das geht dann zu weit …

        Danke für die interessante Unterhaltung. Ich glaube, ich höre jetzt mal auf, Mützenfalterins Blog zu off-topic-en. =)

      7. eine selbstüberschätzung des menschen im kosmos lehne ich auch absolut ab. aber sicher sind wir teil des kosmos, oder wie wir das all, das dasein nennen wollen. das einfache dasein. wir können uns nun fragen, was den menschen so besonders macht im vergleich mit anderen geschöpfen. da ist nunmal, dass er offensichtlich über sein natürliches dasein hinaus einen refelktionsraum besitzt. wir nennen das geist im üblichen sprachgebrauch. leider sind wir nicht immer richtig geleitet durch den geist, was man am mißbrauch der endlichen natürlichen resouren durch den menschen auf der erde leicht erkennt.
        eine meiner hoffnungen ist, dass der geist, wenn er es durch kunst sozusagen anarchistisch kann, die welt doch noch zu einer besseren gestalten könnte. also, dass die menschen sich intelligenter und im emotionaler verbunden ökologisch verhalten – sozusagen nicht (wie in der bibel gefordert) die erde als garten gestalten, sondern mit der erde und den kreaturen auf der erde möglichst harmonisch zusammenleben.
        dies heißt auch, dass die menschen untereinander möglichst frieden halten.
        okay. ich weiß. es sieht nicht danach aus.
        ich unterstütze aber kunst und politik (und menschen), welche für gerechtigkeit, für menschenrechte, für ökologie und frieden eintreten. das sind meine werte. neben den ästethischen werten. und neben dem kunsthandwerllichen.

      8. die sache ist die: wir sprechen von selbstüberschätzung des menschen, aber wir fragen uns dennoch, „was den menschen so besonders“ mache. siehst du, was ich meine? wieso sprechen wir tieren einen geist ab? als ich in der pubertät war, habe ich die übergeordnete intelligenz der tiere uns gegenüber in gedankenexperimenten damit begründet, dass tiere ihre grenzen ganz natürlich zu respektieren wissen und nicht versuchen, die natur auszubeuten. ihr ur-wissen, dass sie teil dieser natur sind und jede ausbeutung ihnen selbst schaden würde, habe ich als viel wertvoller erachtet als die errichtung von hochhäusern und atomkraftwerken. das zum „besonderen“. zum anderen hat man herausgefunden, dass menschen nicht die einzigen wesen mit einem „bewusstsein über sich selbst“ sind. raben und affen können das auch, das hat man durch ein paar interessante experimente herausgefunden. selbst das uns als eigen angesehene logische denken, denken in kausalketten, problemlösestrategien scheinen einige, sehr intelligente raben- und affenarten durchaus zu beherrschen.

        die natürlichste sache der welt, nämlich in unserer existenz einen gesonderten oder überhaupt einen sinn zu erkennen, kommt mir persönlich bei einem perspektivenwechsel absolut absurd vor. ich stelle mir dann vor, wie es uns vorkäme, wenn ein unproduktiver einzeller sich die selbe frage über die bedeutung seiner existenz und seiner besonderheit, seines schicksals und seines glaubens stellen würde. wir würden evtl. ein wenig schmunzeln.

        das, was du über deine vorstellungen und wünsche für die menschheit denkst, das teile ich natürlich, denke jedoch, dass es viele wege gibt, um dahin zu gelangen, die kunst wäre für mich kein hinreichender, jedoch notwendiger faktor.

        ich bin mir im moment nicht mehr so sicher, was das mit dem ausgangsthema zu tun hat, wollte aber kurz bezug darauf nehmen: wahrnehmungswahrscheinlichkeit als wort, das uns deutlich macht, dass wir nicht alles wahrnehmen können und es deshalb immer eine unschärfe und unsicherheit gibt.

      9. sherry, ich spreche noch nicht mal steinen geist oder seele ab. nur haben eben andere erscheinungen auch ganz andere …
        und da fehlen mir eben die worte. aber diesen größenwahn, den menschen auf der erde wie einen tanz auf dem rande des vulkans vollziehen, sehe ich wie du nicht gern.
        darauf wollte ich unsere diskussion nicht hinleiten. es ging um kunst, um eine aussage über kunst, und wie der mensch zur kunst steht bzw, die kunst zum menschen.
        was wir bemerken, ist, dass kunst auch moralische ansätze hat. kunst hat eigentlich alles, was irgendwie menschlich ist. dazu gehört auch die kriegskunst und die kunst zu foltern.
        kunst dringt gleichsam wie wasser in alle bereiche menschlichen lebens und wirkens ein – durchdringt architektur ebenso wie mode oder sex.
        kunst ist das, was uns menschen zu menschen macht.
        so einfach ist das. und es gibt dabei nur eine wertung unter einem gesellschaftlichem duktus. oder einer kulturellen linienführung.
        heute sind wir immerhin so weit, kunst möglichst auch als anarchistischen ansatz zu sehen und zu akzeptieren – nämlich als innovation für eine zukunft, welche sowieso … (so sehe ich es) … nicht mehr auftzuhalten ist.
        diese zukunft ist noch nie so weit und so durchdringend zu denken gewesen.

      10. nach den interessanten aufzählungen der kunst, ist mir in den sinn gekommen, dass das wort kunst zumindest überall vorkommt, aber für mich nicht unbedingt kunst bedeuten muss. jetzt z.b. kriegskunst oder die kunst des folterns, das gehört für mich nicht dazu. {kampfkunst jedoch wieder schon}. kunst und kultur sind tatsächlich eine menschliche eigenschaft, doch kurz vor kunst steht vermutlich unsere neigung, moral zu erschaffen. kunst als moralische instanz gibt mir persönlich viel, weil ich nach einem gewissen punkt, an dem ich kunst zum selbstzweck genossen habe, dann doch die kunst mit „tieferem sinn“ suche, die, die etwas schaffen will, vielleicht eine neue gesellschaftsformation durch einfache, aber klare impulse. es scheint kein anderes lebewesen zu geben, das kunst erschafft. das ist uns eigen. darin stimme ich dir absolut zu.

  3. wahrscheinlich, steckt alles im wort wahrscheinlich!

    stelle ich mir vor, wie du einen apfel wahrnimmst, ist der ausgangspunkt immer zuerst MEIN apfel, nämlich der den ich mir denke bzw davon zu wissen glaube, es ist ein apfel wie jeder andere ihn auch wahrnimmt.
    (möglicherweise der allgemeingültige schulsystem apfel)
    ABER, zum apfel eines anderen auch apfel zu sagen/meinen ist „wahrscheinlich“ ebenso kunst, wie zu sagen kunst ist show od hinterglasbildmalerei, od der schattenriss einer gauklerblume 🙂

    1. nun, der apfel, den ich sehe, ist nicht nur wahrscheinlich derselbe apfel sondern ganz sicher derselbe apfel, wenn es sich um diesen einen apfel dreht, der an einem gewissen ort liegt. wir können ihn beide anfassen und uns dabei berühren, und wir können ihn gemeinsam essen. was ich aber seh, was ich empfinde, was ich schmecke ist meine ganz eigene wahrnehmung, meine ganz eigene erfahrung. es gibt keine wahrscheinlichkeiten in der vorstellung von wirklichkeit und in der manifestation von wahrnehmung. entweder ist die wahrscheinlichkeit gleich null oder sie ist eins. den körper der wahrscheinlichkeit macht aber die eventualität und ungewissheit aus. werfe ich einen würfel, habe ich die wahrscheinlichkeit 1:6, dass eine bestimmte ziffer schließlich oben ist.
      die wahrscheinlichkeit ergibt sich aus 6 gleichgewichteten möglichkeiten.
      es ist wahr, dass alle sieben milliarden menschliche wahrnehmungssysteme relativ gleichgewichtet sind, aber das problem ist: wenn wir über wahrscheinlichkeit reden, müssen wir würfeln …
      wir erfahren aber vorallem auch in der kunst die welt nicht als „würfeln“, sondern wir wollen etwas kreativ gestalten, und das macht kunst letztlich aus.

  4. ich schreibe einen Kommentar, ohne dass ich nun die Diskussion von Sherry und Bonzanomargot fertig gelesen hätte… weil sie mich ablenkt- sorry dafür
    für mich liegt die Wahrheit bei diesem Satz in den eigenen Gesetzen. Die ich auch Muster nennen kann. Aufgrund meiner Muster entstehen meine Bilder und Texte, meine Fragen, meine Wahrnehmung, dem Blickwinkel, den ich gerade einnehme. Ich finde Wahrheit in diesem Satz. Danke dafür und herzliche Grüße

  5. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken für die interessante Diskussion, die dieser Satz ausgelöst hat und nur ein winziges Resumé für mich selbst anfügen.
    Jeder Mensch kann kreativ sein (und vermutlich wäre die Welt friedlicher und die Menschen ausgeglichener, je mehr diese Kreativität gefördert wird) Aber nicht jede Kreativität würde ich als Kunst definieren. Sherry geht in diesem Punkt noch weiter, wenn sie die moralische Seite anspricht, daran hatte ich gar nicht gedacht, dass es auch Kriegskunst gibt, die Kunst einen Menschen zu brechen, selbst so eine verachtenswerte Wortaneinanderreihung verstehen wir. Kunst geht eben diese Selbstverständlichkeit ab, die die Natur überall als etwas erhabenes und großes erscheinen lässt. Das Meer mit seiner Urgewalt, die Schönheit eines Sonnenuntergangs, das ist eben keine Kunst, das ist Natur! Eine Kraft und Gewalt und Erhabenheit, die die Kunst nur nachahmen kann, oder interpretieren, hinterfragen, vielleicht auch ironisieren, niemals selbst hervorbringen. Kunst ist, auch da stimme ich Sherry zu, in höchstem Maße eine Kulturleistung und ich bin außerdem der Meinung, dass Kunst ein hohes Maß an Handwerk voraussetzt, ob das im jeweiligen Kunstwerk umgesetzt wird ist eine andere Frage. Was Kunst für mich überhaupt erst interessant macht, ist das Gefühl, dass ein Künstler beharrlich einer Frage nachgeht, die ihn wirklich angeht und (vielleicht noch mehr als das) die Bereitschaft, das Risiko des Scheiterns einzugehen. Unabhängigkeit, Dringlichkeit und Mut möchte ich finden in einem Bild, in einem Text, in der Musik, um sie als Kunst zu bezeichnen. Jemand, der sich angreifbar macht und doch voll und ganz hinter seiner Sache steht, ohne Gewißheit anzukommen, nur mit der Hoffnung auf eine gewisse Wahrscheinlichkeit mit der sich die eigene Wahrnehmung mit der ein paar anderer decken könnte, oder sogar in der Lage ist, sie zu erweitern, das ist für mich ein Künstler.

  6. „Jemand, der sich angreifbar macht und doch voll und ganz hinter seiner Sache steht, ohne Gewißheit anzukommen, nur mit der Hoffnung auf eine gewisse Wahrscheinlichkeit mit der sich die eigene Wahrnehmung mit der ein paar anderer decken könnte, oder sogar in der Lage ist, sie zu erweitern, das ist für mich ein Künstler.“…
    treffender habe ich es noch nie gelesen!

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