er

er war einer von denen

die ihr sinnen und trachten

ganz offen in der westentasche tragen

hämisch unter dem pullunder versteckt

so einer der in eine bar geht

um sich das gesicht der verkäuferin vorzustellen

die ihm das morgenbrötchen verkauft

 

es war so ein abend

an dem die ganze welt

auf einen bierdeckel passte

und keiner bezahlen konnte

was er am leib trug

 

seine augen lachten wie schmutzige gedanken

aber sie rochen nach holunderbeerwein

ich wusste wenn ich jetzt aus dem fenster springe

springt er mir hinterher

ohne dass wir jemals ein wort gewechselt haben

begreifen wir unsere hände

und fliegen davon

 

aber er stellte sein glas auf den tresen

und sprach mich an

22 Gedanken zu “er

  1. So wunderbar lakonisch wie eine Szene aus einem Humphrey-Bogart-Film. Echtes Kopfkino. Gefällt mir!
    Lediglich der (scheinbare? gewollte?) Widerspruch in „ganz offen in der westentasche tragen/ hämisch unter dem pullunder versteckt“ und die nach Holunderbeerwein riechenden Augen irritiern mich ein wenig. (Aber das darf man mir ruhig zumuten. ;-))
    Liebe Grüße, Iris

      1. Das ist lieb von Dir! Ich freue mich auch darüber, trotzdem habe ich das (wie ich glaube berechtigte!) Gefühl, qualitativ in einer ganz anderen Klasse zu spielen, als Kolbe. Aber bitte nicht falsch verstehen: das macht mich nicht klein, sondern spornt mich an. Ich mag (und brauche!) es, Vorbilder zu haben!
        Danke für den Link.

  2. Ein schöner Film. Hmm, ich liebe deine Texte. Und nach Holunerwein riechende Augen, haben für mich etwas absolut Stimmiges

      1. Dass ich mir keinen Reim drauf machen kann, warum beides erwähnt oder getragen wird (was nicht heißen soll, dass es keinen gibt). Entweder ist es eine Metapher oder deutet etwas an (Weste und Pullunder sind m.E. ungewöhnlich) — ich komme aber nicht dahinter.

      2. Na ja, dieser er ist ja gerade das nicht. ungewöhnlich. vielleicht entsteht schon daraus ein reim? ich weiß es nicht. ich lese aber auch ganz anders als du, das ist mir in der kurzen zeit, die wir einander kommentieren schon aufgefallen. ich selbst stehe ganz gerne vor einem gedicht (oder bild), ohne dahinter zu kommen.

      3. Dahinter kommen: Es stört mich nicht, wenn etwas Unauflösbares bleibt, ganz im Gegenteil, aber – ich bitte das nicht misszuverstehen -, ich muss ja (für mich) entscheiden können, ob sich jemand etwas dabei gedacht hat, mit Absicht (unbewusst „richtig“) schrieb, oder ihm ein Fehler unterlaufen ist, ein schiefes Bild oder was auch immer. Ich möchte eine stimmige Unauflösbarkeit und eine unstimmige unterscheiden. Oder noch einmal anders: Könnte ich das nicht, käme ich in Verlegenheit jeden zufällig arrangierten Text als Gedicht ansehen zu müssen.

  3. der das diese vermeintliche gabe der dessen was betet
    was soll ich sagen
    es ist gekupfert
    wenn nicht ordentlich daneben
    !“die welt in einen deckel passt -das war einfach zu schwul
    falss mich einer fragt
    es hätte heissen müssen
    leck mich am zeh oder so..hihi

  4. das ist das schöne an gedichten: so viel platz für einen selbst! dieses gedicht ist wirklich sehr sehr schön. meine schönste stelle: „ich wusste wenn ich jetzt aus dem fenster springe – springt er mir hinterher“ erinnert mich an den film „alle anderen“

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