Schreiben

„Wer Wörter verwendet, wer sie niederschreibt, bleibt in einer Suchbewegung gefangen, nicht um erreichbarer Ziele willen, sondern um solchen Suchens willen wird geschrieben: Schreiben ist ein in diesem Sinn zweckfreies Spiel. Und mit allem, was gesagt wird, wird anderes zugleich nicht gesagt.“

[Ilse Aichinger]

14 Gedanken zu “Schreiben

  1. Ich sehe das zwar anders, aber ich mag, wie dieser Gedanke hier realisiert worden ist. Es stimmt, Schreiben ist zielgerichtet, hat man eine Absicht, hat man unendlich andere Absichten nicht. Aber zweckfrei ist es nicht, meiner Meinung nach. {Von wem ist das?}

  2. Von Ilse Aichinger, herrje, stimmt, das habe ich nicht kenntlich gemacht. Wird sofort geändert.
    Es gibt sicher auch ein anderes Schreiben, aber dieses besondere Schreiben gibt es auch, ein zweckfreies Spiel. Und ich wage sogar zu behaupten, nur auf diese Weise entsteht Literatur.

  3. sowohl als auch. aber ja, genau so kann ich das unterschreiben. und dabei anderes ausschliessen. ja. aber auch anderes neu einschliessen und sagen, einfach ein andermal 🙂

  4. Kleiner Nachtrag: unter „tagged as“ stand ihr Name. Daher ging ich davon aus, dass es sich um ein Zitat von Aichinger handelte. Das zweckfreie oder wenig zielorientierte Spiel mit Text und Worten oder Wörtern kann ich nachvollziehen. Am besten gefällt mir an diesem Zitat alledings der Schluss. Weil das immer so ist.

  5. Ich mag den Gedanken und vor allem auch den Begriff der Suchbewegung, ein Begriff, den ich auch schon einmal bei Uwe Tellkamp gelesen habe. Auch er hat sein Schreiben als Suchbewegung bezeichnet – genau um diese Suchbewegungen kreiste meine Masterarbeit über Tellkamp.

    Danke für dieses interessante Zitat!

    1. Dieser Widerspruchsgeist, diese sanfte, aber sehr bestimmte Art, sich nicht mit dem Offensichtlichen, nicht einmal mit dem Erreichbaren zufrieden zu geben, finde ich nur bei Frauen, bei der Aichinger, und bei der Duras, auch bei Sexton. Vielleicht gestehe ich sie Männern nicht zu, vielleicht lese ich männliche Autoren einfach anders, darüber sollte ich einmal nachdenken. In diesem Sinne danke ich Dir für einen mich zum Weiterdenken anregenden Kommentar.

  6. Literarisches Schreiben, eigentlich jedes Schreiben, ist offen in dem Sinn, dass selten von Beginn an alles festgelegt ist. Der Prozess des Schreibens besitzt gegenüber dem fertigen Werk eine seltsame Eindringlichkeit, eine eigene Art von Erleben, die, wenn alles fertig ist, fehlt. Jenes Fertige interessiert den Schaffenden nach der unmittelbaren Beendigung seiner Arbeit vielleicht nur mehr insofern es eine Art von Wegmarke darstellt: Er selbst existiert im Prozess.

    In diesem Sinne ist es interessant, nein: verwunderlich, warum Ilse Aichinger von einer Gefangenschaft im Prozess des Suchens spricht.

  7. Ich verstehe es anders, lieber Mete, es ist die Unmöglichkeit zu einer Antwort zu finden, die nicht wieder eine Frage ist, es ist unmöglich die Sprache und das Sprechen zur Deckung zu bringen und diese Gefangenschaft kann durchaus auch ein Zuhause sein.
    Allerdings bin ich auch nicht der Ansicht, dass das fertige Werk beendet, abgeschlossen ist, vielmehr muss es immer wieder aufgeschlossen werden, vom Leser, der sich lesend auf eben diese Suchbewegung einlässt.

    1. Natürlich ist nichts fertig, aber irgendwann sagt man, dass es sich so verhält und veröffentlicht es.

      Ein Gefangener will sich befreien, das ist, was mich an der Rede vom Gefangensein verwundert; das klingt fast nach einer Befreiung vom Menschsein.

      Was meinst Du mit der Deckung von Sprache und Sprechen?

      1. Ich glaube als Gefangener (und vielleicht nur als Gefangener) hat man eine sehr genaue Vorstellung von Freiheit, die sich in Freiheit sofort in neue Gefangenschaft auflöst.
        Deckung von Sprache und Sprechen gibt es meiner Meinung nach nicht. Es gibt die Sätze, die wir sprechen, diese unzulänglichen Unterhaltungen, die um etwas kreisen, es mehr oder weniger gut definieren und dann gibt es die Sprache, als großen kulturellen Wissensbestand, die immer mehr aussagt als der, der sie spricht.
        „Denn eigentlich spricht die Sprache. Der Mensch spricht erst und nur, insofern er der Sprache entspricht, indem er auf ihren Zuspruch hört.“ (Martin Heidegger)

      2. So betrachtet würde ich auch keine Deckung erwarten, das ist ähnlich als würde ein Mathematiker glauben eine Formel könne für die gesamte Mathematik stehen.

        Ich weiß nicht, ich habe schon den Eindruck, dass wir sehr viel unserer persönlichen Welt in die Sprache hineinlegen, es geht da keineswegs nur um Entsprechung, eher um den Versuch das durch eine Art Sprachspiel zu vermitteln, wobei es keine dauerhaft festgefügten Bedeutungen und Verständnisse gibt..

  8. mir gefällt das zitat ausgesprochen gut… selbst erlebe ich beim schreiben oft ein wandern durch neue länder, wegmarkierungen sind die neuen fragen, die sich stellen, ohne dass ich immer und sofort eine antwort parat haben müsste.
    und manchmal aber hadere ich auch mit dem nichtgesagten. da stehen dann so viele worte und sätze und doch scheint es mir dann, als gingen sie an dem eigentlichen vorbei… gestern noch dachte ich, dass schreiben eine tägliche routine braucht, um frei schreiben zu können (ich meine nun nicht frei von den inneren kritikerinnen, sondern frei in fluss und fall – nicht wollen, nicht erreichen wollen, nicht unbedingt etwas sagen müssen und wollen und doch das benennen, was gerade herz und kopf bewegt…)

    herzliche grüße Li Ssi, die dich schon lange nicht mehr besucht hat – shame on me…

  9. Ich glaube, dass meint die Aichinger auch durchaus mit dem „gefangen bleiben in der Suchbewegung“, das Wissen um all die Nicht gesagten Dinge, um das Unsagbare. Denn Schreiben ist immer nur das Umkreisen dieses einen Unsagbaren Kerns.

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