Ilse Aichinger

„Ich halte es für wichtig, sich zurückzunehmen, selbst auf die Gefahr hin, dass alles ausbleibt.“ (Ilse Aichinger)

Und dann die leeren Stellen nachzeichnen, die Konturen, die sich ergeben beim Rückzug, der withdraw heißt in einer anderen Sprache und (nur) scheinbar das gleiche meint. Ein Rückzug mit Zeichen für die, die sie lesen wollen.

Sehen können, was wichtig hält.

Wenn etwas anderes ausbleibt.

Nämlich einfache Antworten, um die Leere zu füllen. [zu schließen mit vorschnellen Worten].

8 Gedanken zu “Ilse Aichinger

  1. »{…} Dominierte einst die Wahrheitssuche, gelangt sie jetzt zur subversiven Sprachkritik. Sprache erschien der Autorin immer mehr als unbrauchbares Ausdrucksmittel. Zu dieser Auffassung passte das zunehmend seltener werdende Schreiben, zudem wurden die Texte immer kürzer, bis hin zum Aphorismus.

    Ilse Aichinger selber erklärte das als Reaktion auf die fehlenden Zusammenhänge in der Welt der Gegenwart: Man kann nicht einfach drauflosschreiben und künstlich Zusammenhänge herstellen. Ihre Poetik des Schweigens ist ihre Konsequenz aus der Ablehnung jeder Form von Konformismus: Gegen die sehr häufige Meinung des ‚So ist es eben‘, die, was sie vorfindet, fraglos akzeptiert. Die Welt verlangt danach, gekontert zu werden.«

    Eine sehr sanfte Art des Protestes ist das. Eine Wichtige, die genauso notwendig ist wie alle anderen, die lauter sind. Manchmal gibt es nicht nur den einen richtigen Weg {nein, oft sogar}. Oft muss es die Vielfalt geben, damit wir miteinander kumuliert eine gute Mitte ergeben, ein sich Gegenseitig-in-Schach-halten, damit wir keine Brücken zerstören.

  2. So wie man nicht hören kann, solange man selbst spricht, und vielleicht hören, aber nicht aufnehmen kann, wenn man zwar schweigt, aber mit den Gedanken bei sich ist. Wie man sich nur zuwenden kann, wenn man einmal von sich selbst absieht, und nur die Außenwelt wahrnehmen kann, wenn man den Blick vom eigenen Spiegelbild löst.
    Ich kannte diesen Satz von Ilse Aichinger nicht und finde ihn sehr schön. Im Übrigen sagt sie ja nicht, dass man sich ganz herausnehmen, sondern nur, dass man sich zurücknehmen soll. Vielleicht von der vorderen Position? Aus der Mitte, um die sich alles dreht?

  3. Vielen Dank für eure Kommentare!
    Nebel und Nabel, wie nah das beieinander liegt und das Danken im Gedanken.
    Immer wieder das Unzusammenhängende und der Versuch dennoch einen Zusammenhang zu erkennen. Etwas, woran man sich hängen kann, ein Netz, an dem man mitwebt, das die Maschen der eigenen Einsamkeit aufheben soll.
    „Meine Sprache“, schreibt Ilse Aichinger im gleichnamigen Text, „ist eine, die zu Fremdwörtern neigt. Ich suche sie mir aus, ich hole sie von weit her. Es ist aber eine kleine Sprache. Die reicht nicht weit. Rund um, rund um mich herum, immer rund um und so fort. Wir kommen gegen unseren Willen weiter. Zur Hölle mit uns, sage ich ihr manchmal. Sie dreht sich, sie antwortet nicht. Sie läßt uns geschehen.“

  4. das liest sich nach MEHR ILSE AICHINGER, die ich noch nicht gelesen habe- danke für diese Inspiration, liebe Mützenfalterin-
    sich zurücknehmen, ich denke an meine arbeit mit menschen, meine aufgabe ist es ihre geschichten zu spiegeln, die sie mir von draußen mitbringen… beglückend dabei ist der zustand, das gefühl, dass ICH dabei nicht wichtig bin. spiegel sein, durchlässig und resonieren… manche verstehen so gar nicht, wenn ich sage, dass ich dabei nciht wichtig bin, aber hier habe ich vielleicht eine chance?!

  5. Ilse Aichinger zu lesen ist [für mich] immer ein Gewinn.
    Was das sich zurücknehmen betrifft, finde ich die Worte, die Iris dazu gefunden hat, sehr treffend.
    Schön, dass Du mich einmal wieder besuchst 😉

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