Fortschreiben und dann

Die Tür schließen und das Fenster öffnen. Erst das eine und dann. Gleichzeitigkeit kommt später und gewinnen war einmal. Es wird Frühling und das heißt, dass der Herbst längst vergessen ist. Mehrere Breitengrade nördlich. Aber von Geografie habe ich noch weniger Ahnung als von gutem Benehmen.

Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran. Ein Hut, ein Stock, ein Re-gen-schirm.

Und was nicht fließt, das tröpfelt.

Das schlechte Gewissen ist ohnehin immer dabei. Dabeisein ist alles. Immer wieder Aufstehen auch. Wer aufgibt, ist ein Spielverderber. Mir fällt nichts ein, darauf falle ich herein. Ich habe die Gabe eines kränklichen Gemüts. Immer auf der Suche nach großen Gesten.

Scherben aus gebrochenen Versprechen sammeln. Ein Versprechen und wie nah das am Sich versprechen liegt und von da ist es nur ein Buchstabensprung zum Verbrecher, der nicht notwendig ein Versager ist.

Es gibt einen Mann, der baut sich aus falschen Versprechen ein Haus. Und so weiter. Und so fort. Wir schreiben uns fort und das ist immerhin ein Anhaltspunkt, zu dem man zurückkehren kann.

12 Gedanken zu “Fortschreiben und dann

      1. fortschreitendes Scherbenversprechen und dann diese Stichworte, Wandertag und Tanzschule… Vermutlich hat es einen tieferen Sinn, dass es Stichworte heißt, oder?

  1. Versprechen, ein Wort, das für mich so oft den geheimen Widerwillen einer Vereinbarung mit beinhaltet hat, dass ich es nicht mehr so gerne hatte. Ich mag das Wort Gelübde vielleicht mehr, wobei auch das zu stark ist. Und dann fällt mir zu deinem Geschriebenen noch der Satz ein, den der kleine, junge Sadist in „Die Bibel“ von Péter Nádas sagte:

    „{…} Ich ging ins Badezimmer. Ich war ohne Angst. Nun war ich mir klar über die Menschen. Ich hatte sie begriffen. Sie machten mir nur Angst, wenn sie redeten.“

    Und ich hätte ihm gerne gesagt, dass sie – die Menschen – hingegen nur furchtlos waren, wenn sie sich fortredeten oder fortschrieben. Wie bei einer spurenhinterlassenden Flucht, bei der die Spuren selbst uns verrieten und beruhigend bewiesen, dass wir tatsächlich fortgelaufen waren und weg von jenem Fleck kamen, kurzzeitig weg vom Fleck unseres inneren Kernes, den wir einfach nicht sehen wollen, weil er – außer mit Angst – noch mit dem Tod einhergeht. Also schreiben und reden wir uns weiter fort.

  2. Die Unterscheidung, die du da machst, zwischen Versprechen und Gelübde mag ich. Es stimmt schon, dass im Versprechen oft dieses Sich Selbst überwinden, sich gebunden fühlen an ein Wort, das man einmal gegeben hat steckt und nicht diese Überzeugung, dieses Sich einer höheren Aufgabe weihen, was das Gelübde beinhaltet.
    Du hast „Die Bibel“ gelesen. Schön. Es ist ein grausames Buch, oder? Ich bewundere Nádas unendlich für dieses so genau Hinsehen können und den Mut und die Kraft, die Dinge so aufzuschreiben, ohne etwas gut zu machen, ohne etwas zu beschönigen. Wie viel Kraft das kosten muss. Und er ist so ein bescheidener, höflicher, aufmerksamer Mensch…
    Ich glaube, genau deswegen hat der Junge, den Nádas in diesem Buch beschreibt, Angst vor den Menschen, wenn sie sprechen, aus diesem Grund, den du ihm gerne gesagt hättest, ich glaube er wusste das.

    1. Mr. Serious heißt mit Vornamen „Peyman“. Und Peyman heißt „Gelübde“, was man auch mit Versprechen übersetzen könnte, aber hinter dem Namen steht soviel mehr. Im Grunde wird „Peyman“ mit der Gewissheit assoziiert, dass eines Tages alles gut wird.

      Ich habe „Die Bibel“ gelesen, und ich habe bei jedem Satz verstanden, was du mit deinem Beitrag darüber meintest. Und ich habe eine absolute Lieblingsstelle, über die ich gerne schreiben würde, auch wenn doch alles gesagt ist. Ich war einfach beeindruckt, wie Nádas zwischenmenschliche Situationen, die wir im Alltag durch ihre „Gewöhnlichkeit“ sehr flachdimensional {weil nur nebenbei} wahrnehmen würden, in jeder subtilen Regung verstand und sie uns aufzeigte. Ich würde gerne mehr von ihm lesen. Danke für den Tipp.

      Gestern konnte ich es nicht lassen und habe mir wieder etwas von Somerset Maugham geholt. Ich mag ihn sehr, diesen besonnenen Schreiber, der die Männer in seinen Geschichten glamouröser und eitler beschreibt als die Frauen. Der völlig unaufgeregt, die interessantesten Verstrickungen bastelt und uns in seine Weltreisen mit reinzieht.

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