Hoppe

Vielleicht weil ich zu viel [anderes] erwartet habe, vielleicht auch, weil es allen Versprechungen zum Trotz, genau das war, was ich erwartet hatte, bin ich enttäuscht von Hoppe.

Kein Vergleich zu Verbrecher und Versager, Pigafetta, ganz zu schweigen von Johanna.

Zu intelligent, zu geschickt und zu gut gewoben, um mich mitzureißen, um immer wieder zu versinken und mit neuen Fragen und Atemlosigkeiten aufzutauchen.

Ach und überhaupt ist es ärgerlich, doppelt ärgerlich, wenn mich ein von der Kritik hoch gelobtes Buch, enttäuscht. Es werden nicht nur meine Erwartungen enttäuscht, darüber hinaus muss ich auch noch glauben, ich sei zu dumm die besonderen Qualitäten zu verstehen und würdigen zu können.

7 Gedanken zu “Hoppe

  1. Mir ging es ganz ähnlich, als ich „Mehr Meer“ von Ilma Rakusa las – ich kann dem Buch nichts abgewinnen, obwohl es den Schweizer Buchpreis bekam.

    Manchmal, wenn ich Buchkritiken lese, die ich mit den Büchern einfach nicht zusammenbekomme, frage ich mich auch, ob die Kritiker nicht auch einfach teilweise voneinander abschreiben. Einer, dessen Geschmack gemeinhin den Nerv der Zeit trifft, findet das Buch toll und die anderen ziehen mit – auch wenn, oder vielleicht eher weil, sie das Buch möglicherweise gar nicht verstehen.

    Ich glaube, gute Kritiken müssen keineswegs tatsächlich ein Zeichen für die Qualität des Buches sein. Bedauerlicherweise.

  2. Liebe Scarlett, [ich lasse das liest mal weg] Danke für Deinen Mut eigene Enttäuschungen hier mit mir zu teilen.
    Ich kann mir diesen gruppendynamischen Effekt auch vorstellen, außerdem glaube ich, dass es noch sehr viel mehr wirtschaftliche und netzwerktechnische Beweggründe gibt, als Menschen von außerhalb realisieren. Eine bekannte Autorin hat z.B. einmal erzählt, dass sie über einen Verriß ihres Buches sehr verwundert gewesen ist, da sie den Rezensenten kannte und das Gefühl hatte, er schätzte durchaus, was sie schrieb, später hat er ihr dann gestanden, dass er, um sich einen Namen zu machen, unbedingt eine schlechte Kritik schreiben musste, und er dachte, bei diesem Buch ginge das noch am ehsten in Ordnung.
    Ich merke jedenfalls an mir selbst, dass ich bei einem Buch, das mir nicht gefallen hat, selten die Energie aufbringe, wirklich nachzuforschen, was mich enttäuscht hat.
    Jemand, der sehr persönlich [und ohne den Anspruch ein Kritiker sein zu wollen] über Bücher schreibt ist Theo Breuer, dessen „Lesetagebuch“ des Jahres 2011 auf dem Poetenladen zu lesen ist.

    1. Liebe Mützenfalterin, das „liest“ kannst du gerne weglassen, der Nick entstand mehr aus Fantasielosigkeit, als ich feststellte, dass Scarlett als Wunschname schon besetzt war, ich nicht noch tagelang über einen Alternativnamen nachdenken und dann letztlich kalte Füsse bekommen wollte, um schliesslich von einer Registrierung abzusehen.

      Mit den von dir genannten Faktoren hast du bestimmt auch recht. Das Lesetagebuch von Breuer kannte ich noch gar nicht, auch wenn ich immer wieder mal im Poetenladen stöbere. Danke dafür!

  3. Liebe muetzenfalterin,
    was bin ich froh, dass ich „Hoppe“, was ich Freitag schon in der Hand hatte, um es zu kaufen und dann doch noch weggelegt habe, noch nicht gekauft habe. Ich habe so viel Positives darüber gelesen und wollte es mir unbedingt holen … nach dem ich aber kurz hereingelesen habe, konnte es mich nicht wirklich begeistern. Ein Eindruck, den ich jetzt hier bei dir wiederfinde.
    Mir erging es letztens so bei „Die Tigerfrau“, das sehr begeistert besprochen und beworben wird, mich aber nicht so begeistern konnte, wie andere. Ich fühle mich dann schnell schuldig oder so als würde ich dem Buch Unrecht tun (oder als hätte ich es nicht verstanden).
    Liebe Grüße
    Mara

    1. Liebe Mara,
      was hast Du stattdessen genommen? Ich habe für Hoppe „Blaue Stunden“ wieder aus der Hand gelegt, wohl auch nicht zuletzt, weil ich durch Deine Rezension „gewarnt“ gewesen bin.
      Heute habe ich übrigens die erste Rezension gefunden, im Tagesspiegel, in der meine Bedenken ein wenig anklingen, der Rezensent bestätigt dem Buch auch große Intelligenz, stellt aber die Frage, ob das genügt, um unterhaltsam zu sein. Wobei ich Johanna z.B., auch nicht in erster Linie „unterhaltsam“ gefunden habe. Unterhaltsam klingt ja fast schon wie eine Disqualifikation, wenn es um Literatur geht und das ist vielleicht der allergrößte Fehler überhaupt, sowohl von Rezensenten, als auch von Autoren.

      1. Liebe muetzenfalterin,
        ich habe mir stattdessen „Bugatti tauch auf“ von Dea Loher gekauft. Ein Buch, das eigentlich so gar nicht in mein Beuteschema fällt – ich habe aber reingelesen und es hat mich gleich gepackt. Die Sprache hat mich direkt angesprochen.
        Von Hoppe habe ich zuvor noch nichts gelesen, aber dieses hatte mich irgendwie angesprochen. Wie gesagt: jetzt bin ich froh, es liegengelassen zu haben.
        Viel Spaß mit „Blaue Stunden“, wenn man das so sagen kann. Ich bin gespannt auf deine Meinung.
        Mara

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s