Oscar Gustav Rejlander

Nur wenige Jahre nach den Intrigen um die Urberheberschaft fotografischer Verfahren, spielte die Fotografie eine maßgebliche gesellschaftliche Rolle.

1856 wurde Photographie Unterrichtsfach für Kadetten der Royal Engineers in Chatman. Auch Archäologie, Medizin, Anstronomie und Meterologie erkannten die wichtige Rolle, die die Fotografie in ihren Fachbereich spielte.

Im Dezember 1856 bot das Kings College der Londoner Universität Fotografie als Studienfach an.

Neben diesen gesellschaftlichen Erfolgen wurde die Möglichkeit mit dem Fotografieren Geld zu verdienen immer größer. Waren 1851 lediglich 51 Fotografen in England tätig, wurden 1861 bereits 2.879 niedergelassen Berufsfotografen gezählt.

Der künstleriche Anspruch blieb dabei vielfach auf der Strecke. 1859 schreib Beaudelaire in der Revue Francaise: „Die fotografische Industrie wird, indem sie in die Domäne der Kunst einbricht, ihr Todfeind. Wenn man der Photographie erlaubt, die Kunst in einigen ihrer Funktionen zu ergänzen, so wird sie die Kunst bald verdrängt oder völlig verdorben haben.“

Oscar Gustav Rejlander, ein gebürtiger Schwede, der in Rom als Porträtmaler arbeitete, wandte sich 1852 der Fotografie zu, als er auf einer Romreise Fotos von Plastiken entdeckte.

Rejlander wollte den Kritikern der Fotografie beweisen, dass die Fotografie keine mechanische Kunst sei. Für die große Kunstausstellung 1887 in Manchester, auf der zum ersten Mal auch Fotografien zu sehen sein sollten, schuf Rejlander The Two Ways of Life.

 

Jahrelang war diese Fotomontage, die aus über dreißig einzelnen Negativen zusammengefügt wurde, Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen.

Rejlander selbst beschloss im Januar 1859 keine derartigen Ausstellungsbilder mehr anzufertigen: „Ich bin diese publikumsorientierte Photographie satt“, schrieb er an Henry Peach Robinson, der eben im Begriff war, sich auf diesem Gebiet einen Namen zu machen, „besonders Kompositbilder, da es hierbei keinen Gewinn und keine Ehre geben kann, sondern einzig Krittelei und Mißverständnisse. In der nächsten Ausstellung werden nur efeuumrankte Ruinen und Landschaften zu sehen sein – und Porträts.“

(Quelle: Helmut Gernsheim: „Geschichte der Photographie“)

Oscar Gustav Rejlander: Heimatlos, 1863